New York Minute allgemein
© Getty New York Minute allgemein

NY Minute Im Desaster-Chic durch jede Katastrophe

Das New Yorker Wetter ist einfach dramatischer als in anderen Städten. Regen? Hier heißt es Storm! Schnee? Blizzard! Sonne? Heatwave! Kein Problem, denn die New Yorkerin ist ausgerüstet als hätte sie ein Fashion-Survival-Training absolviert

Eine Frage: Wissen Sie fast immer, wie das Wetter in New York ist, obwohl Sie hier nie gelebt haben? Ja? Es ist ein globales Phänomen! Denn das Wetter ist unangefochten das Gesprächsthema Nummer Eins für die Bewohner dieser Stadt. Und Sie müssen dafür nicht mal jemanden aus der Metropole kennen oder ein telepathisches Rheumaleiden haben. Denn so wie jede Minute in New York bewegter ist als anderswo (deshalb auch der Name dieser Kolumne, die auf einem lokalen Ausspruch basiert) so ist auch das Wetter einfach anders als in anderen Städten. Regen? Hier heißt es Storm! Schnee? Blizzard! Sonne? Heatwave! Und das bringt Schlagzeilen in aller Welt, auch zu sehen in der Tagesschau.

Das Leben gleicht hier deshalb einer nonstop Drei-Wetter-Taft-Werbung. Der Wecker klingelt – und die nächste Naturkatastrophe bereitet sich vor dem Fenster aus. Und wo andere panisch werden, zu unförmigen Regenjacken greifen und ein Fashion-Desaster ansteht, ist die New Yorkerin ausgerüstet als hätte sie ein Fashion-Survival-Training abgelegt: Die Garderobe vorbereitet auf jede Katastrophe. Das Make-up spezialisiert auf jede Temperatur. Das Accessoire passend für jeden Umstand.

New York, vor drei Wochen. Luftfeuchtigkeit 90 Prozent. Eine Dampfleitung ist gebrochen wegen nonstop Hitze und Dauer-Klimaanlagen-Gebrauch. Explosion! Die ganze Lexington Avenue klappt zusammen, vergräbt Autos. Die New Yorkerin greift zu ihrer öko-freundlichen Marc Jacobs-Jutetasche. Packt ihre hohen Manolos da rein, denn sie läuft ja in ihren flachen Sigerson Morrison zur Arbeit. Ihr Haar, ein schneller Pferdeschwanz. Kurz noch das Anti-Frizz-Gel von John Frieda reinkneten, damit nix krisselig wirkt. Ihr Outfit ist luftig, ein Kleid mit Spaghettiträgern von Ella Moss oder Diane von Fürstenbergs Wickelkleid.

New York, vergangene Woche ab Mittwoch, Dauerregen. Der erste Tornado seit 118 Jahren. Das ganze U-Bahn-System liegt brach, Tausende von Menschen müssen zu Fuß zur Arbeit. Quasi die Olympiade des Pfützenspringens gewinnen. Gummistiefel von Fendi oder Burberry machen es möglich. Skinny Jeans von Blue Cult. James Pearse Baumwoll-Shirt. In die Miu Miu-Tasche passt auch der Burberry-Schirm. Shiseido-Antiglanz-Papiertücher, um das Schimmern der Haut zu vermeiden. Lippengloss von Stila nicht vergessen!

New York, diese Woche: Affenhitze, durchschnittlich bei 32 Grad. Der perfekte Tag für das rückenfreie Sommerkleidchen von Designer Catherine Malandrino und Peeptoe-Prada-Flats, die die frisch lackierten Fußnägel zeigen. Clinique-Hautcreme mit Sonnenschutz. In der Tasche eine Flasche Evian Mineralwasserspray zum Abkühlen. Wasserfeste Mascara von Maybelline und Lippentint von Vincent Longo in Sommererdbeere. Hitze? Ach was!

Und nächste Woche? Egal. Die New Yorkerin ist vorbereitet. Denn erst Global Warming macht Desaster-Chic einfach so interessant und abwechslungsreich.

Vanda Bildt