NY Minute

Darf ich mal anfassen?

New York hat sich zweigeteilt - in Menschen mit und Menschen ohne iPhone. Wildfremde Menschen fragen im Restaurant. Auf der U-Bahn-Plattform. Im Eisladen - ob sie es wenigstens mal anfassen dürfen

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Das Samttuch formt kleine Kreise. Rechts rum, links rum, rauf und runter. Nur gaaanz sanft aufdrücken. Dabei möglichst unauffällig kurz über die Schulter schielen, ob jemand auch zuschaut. Und ganz sicher starrt da mehr als eine Person. Ist förmlich grün vor Neid... starrt... aufs legendäre !

Wer vergangene Woche eines der begehrten Telefone ergattern konnte behandelt das Gerät wie ein Fabergé-Ei. Poliert minütlich die Glasfläche, packt es liebevoll in eine Schutzhülle. Schon spotten die ersten, ob ein iCleaner gebraucht wird. Doch der iPhone-Besitzer zuckt da nur gelassen mit den Achseln. Stattdessen schiebt er den Bildschirm-Riegel elegant nach rechts, um das Telefon zu aktivieren und ruft einen iFriend an – jemanden, der auch eines abbekommen hat! Oh ja, New York hat sich jetzt in zweigeteilt- in Menschen mit und ohne iPhone.

Selbst Stars wie und standen in der Reihe im Apple Soho-Laden an. Die anderen Promis wie und schickten ihre Assistenten zum Einkaufen. Auch Star-Designer wurde fast aus dem Laden geworfen, weil man ihn nicht erkannte und musste erst beweisen, dass er ein Promi ist. 700.000 Stück soll Apple verkauft haben – und das obwohl viele ihre Anbieter wechseln mussten – denn nur AT&T bietet das Telefon an. Seitdem ist auch jeder Nicht-Promi ein Star. Denn jeder will das Ding mal anfassen und sehen wie ein Telefon ohne Tastaturknüpfen funktioniert. Wildfremde Menschen fragen im Restaurant. Auf der U-Bahn-Plattform. Im Eisladen. Und dann muss der iPhone-Besitzer wieder sein schwarzes Samttuch herausholen, das in der matten schwarzen Mini-Tom-Ford-schicken-Box enthalten war. Und poliert. In kleinen Kreisen.

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