Helmut Berger
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Helmut Berger "Ich habe alles erlebt"

In seinem Buch "Helmut Berger - Ein Leben in Bildern" schwelgt der exzentrische Schauspieler in Liebe und Leid, Nacktheit und Wahnsinn. "Gala" erlebte im Interview einen Mann, der nichts davon bereut

Er gilt als gefährlich.

Bereits eine falsche Frage, heißt es, könne bei Helmut Berger einen Tobsuchtsanfall auslösen. Und seine Aufmerksamkeitsspanne sei heute deutlich kürzer als die Koks-Linien, die er früher so gern zog. Ernst zu nehmende Hinweise - denkt man an Bergers Auftritt bei Markus Lanz vergangene Woche ... Doch beim Treffen im Salzburger "Hotel Sacher" glänzt die österreichische Schauspiel-Legende ("Ludwig II.") mit perfektem Charme. Ein erstes Bier wird bestellt, die erste Marlboro Light angezündet - unterdes blättert Helmut Berger in der mitgebrachten "Gala Men" mit dem 007-Special auf dem Titel.

Wäre James Bond eine Rolle für Sie gewesen?

Nä. Ich bin kein Actionschauspieler, weißt du, ich spiele lieber richtige Rollen, bei denen man nachdenken muss. Nicht so paff, paff, paff. Ich bin eher wie Romy Schneider.

War sie eine Seelenverwandte?

Auf jeden Fall. Als sie in Paris lebte, haben wir uns jeden Tag gesehen. Sie hat mir Ratschläge gegeben, wie ich mit großen Regisseuren umgehen soll: diszipliniert sein, sich gut vorbereiten. Und pünktlich sein. Was sehr schwierig für mich ist, denn ich bin ja eigentlich Römer.

Ein außergewöhnliches Werk: "Helmut Berger - ein Leben in Bildern", limitierte, nummerierte und von Helmut Berger handsignierte erste Auflage im Schmuckschuber, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, 200 S., 99,95 Euro.
© HELMUT BERGER EIN LEBEN IN BILDERN - Schwarzkopf & Schwarzkopf VerlagEin außergewöhnliches Werk: "Helmut Berger - ein Leben in Bildern", limitierte, nummerierte und von Helmut Berger handsignierte erste Auflage im Schmuckschuber, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, 200 S., 99,95 Euro.

Jetzt erscheint ein Bildband über Ihr Leben. Wenn Sie das Buch durchblättern, welches Gefühl überwiegt - die Freude, so viel erlebt zu haben, oder der Schmerz, dass alles vorbei ist?

"Je ne regrette rien", steht auf dem ersten Blatterl, das sagt alles. Meine Mutter hat mich im richtigen Jahr geboren, 1943. Heute gibt’s kein Dolce Vita mehr. Ich habe genau die richtige Zeit erwischt.

Sie leben nicht mehr in Rom, sondern seit fast zehn Jahren wieder in Salzburg. Gefällt es Ihnen nach dem glamourösen Jetset-Leben überhaupt hier?

Im Alter finde ich die Stadt sehr angenehm, denn hier gibt’s keinen Trubel. Und ich werde nicht verführt, auf Partys zu gehen. Früher war ich viel mit Eliette von Karajan unterwegs, und mit Sophie von Walderdorff. Komischerweise geht mir das jetzt ein bisserl auf die Nerven. Immer die gleichen Gespräche über die Salzburger Society, langweilig. Und ich muss, wenn ich mit denen zusammen bin, zum Rauchen rausgehen. Wenn die Festspiele beginnen, verschwinde ich sowieso. Zu viel Trubel.

Sie haben Ludwig II. großartig verkörpert. Auch ein Seelenverwandter?

Nein. Ich bin ein Nachtmensch wie er, das ist das Einzige, was wir gemeinsam haben. Den Film schau ich mir aber fast nie an. Ich bin ein schlechtes Publikum, sehr kritisch mir selbst gegenüber. Ich denke dann: Das war ein Scheißtag, das hätte ich besser machen können. Oder: Da hab ich wohl meine Tage gehabt.

Helmut Berger zierte 1970 als erster Mann die "Vogue". Dieses Foto stammt aus der Strecke im Heft, auf dem Titel war er mit seiner Verlobten Marisa Berenson zu sehen.
© HELMUT BERGER EIN LEBEN IN BILDERN - Schwarzkopf & Schwarzkopf VerlagHelmut Berger zierte 1970 als erster Mann die "Vogue". Dieses Foto stammt aus der Strecke im Heft, auf dem Titel war er mit seiner Verlobten Marisa Berenson zu sehen.

Ihre Tage?

Ich meine: meine schlechten Tage. Wenn du eine ganze Nacht durchgemacht hast, bist du einfach nicht konzentriert.

Sie haben kaum was ausgelassen, wie Sie auch in Ihrem Buch erzählen. Welche Erfahrung würden Sie heute noch gern machen?

Nix mehr. Ich hab alles erlebt. Ich fühl mich auch nicht wie Helmut Berger, der bin ich nicht. Das ist ein Künstlername. Ich heiße Helmut Steinberger. Und der werde ich bleiben, bis ich tot bin.

Helmut Steinberger hießen Sie auch noch, als Sie am Anfang Ihrer Beziehung mit Luchino Visconti nach Griechenland flogen. Im Bildband gibt’s wunderbare Fotos von dieser Reise.

Das war auf Mykonos. Die Insel war aber nicht das, was sie heute ist. Nichts los, bah. Visconti wollte unbedingt eine Kulturreise mit mir machen. Das hat mir vielleicht gestunken. Swinging London, da wollte ich viel lieber hin.

Die Fotos in Ihrem Bildband zeigen, wie fantastisch Sie damals aussahen.

Das wusste ich ja nicht.

Das merkt man doch!

Ich nicht. Das klingt jetzt etwas altmodisch, aber so war ich. In den zwölf Jahren mit Luchino Visconti war ich treu.

Aber Sie waren doch zeitgleich mit dem Model Marisa Berenson zusammen?

Klar, ich bin ja bisexuell. Das ist kein Problem.

In diesen jungen Mann verliebte Visconti sich auf den ersten Blick: Berger in den Sechzigerjahren auf Mykonos.
© HELMUT BERGER EIN LEBEN IN BILDERN - Schwarzkopf & Schwarzkopf VerlagIn diesen jungen Mann verliebte Visconti sich auf den ersten Blick: Berger in den Sechzigerjahren auf Mykonos.

Liebt man nicht eine Person mehr als die andere?

Mir ging’s nicht so. In meinen Beziehungen zu Männern habe ich aber mehr gelernt. Wie man richtig am Tisch sitzt, und die ganzen Sprachen.

Mit wem lebt es sich besser, Mann oder Frau?

Patchwork! Zu dritt, das war fantastisch. Jeder hatte seine Aufgabe.

Was war Ihr Part?

Hm, ich war der Schiedsrichter, wenn sich die beiden doch mal in die Haare bekamen. Die Marisa wollte mich übrigens heiraten, der Visconti fand das auch gut. Da habe ich aber gleich gesagt, das geht nicht. Sie war ja ein Model. Nicht wie die Heidi Klum, sondern ein richtiges Top-Model. Sie lebte in New York, ich in Italien. Was hätten wir mit einem Kind gemacht? Ich bin selbst im Internat aufgewachsen und finde, ein Kind braucht einen Vater und eine Mutter.

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Helmut Berger: "Ich habe alles erlebt" | GALA.DE
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2012-11-06T23:05:12+0100
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