DVD-Tipp "W.E."
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DVD-Kritik "W.E." - Liebe und Leid mit Madonna

Madonnas Regiearbeit über das Leben zweier Frauen in schwierigen Beziehungen - eine davon mit einem britischen König - war schon auf der Berlinale zu Gast und kommt nun auf DVD heraus. Es ist schön anzugucken

Madonnas Jahre in England haben Spuren hinterlassen: Zum Freizeitlook einer britischen Landadligen kommt ein Faible für die Royals, hier dokumentiert in ihrer Version der Liebesgeschichte zwischen dem britischen König Edward VIII: und der Amerikanerin Wallis Simpson. Wäre Madonna noch mit Guy Ritchie verheiratet, hätte man nun fabelhaft Parallelen ziehen können. Da diese Ehe aber schon ein paar Jahre in der Vergangenheit liegt, bleibt also nur der Blick auf den Film.

Als "W.E." im Februar 2011 eine erste Privatvorführung ausgewählter Szenen am Rande der Berlinale erhielt, war das Getuschel schon groß: Ein Regiewerk von Madonna auf der Berlinale ... schließlich waren ihre Bemühungen auf dem Gebiet der Schauspielerei und Regie regelmäßig von der Presse nicht so wohlgelitten. Und der Auftritt auf der Berlinale war auch keiner für die Kinogänger, sondern nur im Rahmen des "European Film Markets" für die Filmeinkäufer.

Mit ihren Hauptdarstellerinnen Andrea Riseborough (links) und Abbie Cornish (rechts) tritt Madonna im September 2011 in Toronto auf, um Werbung für "W.E." zu machen.
© Getty ImagesMit ihren Hauptdarstellerinnen Andrea Riseborough (links) und Abbie Cornish (rechts) tritt Madonna im September 2011 in Toronto auf, um Werbung für "W.E." zu machen.

Dann sollte "W.E." 2011 in Cannes vorgestellt werden, beim glamourösesten und starreichsten unter den Filmfestivals. Doch schon Wochen vorher erfolgte die Absage - der Soundtrack war noch nicht fertig und auch die Postproduktion hinkte dem Zeitplan hinterher. Erst im Herbst, bei den Filmfestspielen von Venedig und kurz darauf beim "Toronto International Film Festival" war es schließlich so weit: Madonna erschien mit ihren Hauptdarstellerinnen Andrea Riseborough und Abbie Cornish auf dem roten Teppich. Das sah gut aus. Das tat der Film übrigens auch. Aber Drehbuch und Erzählweise können da nicht mithalten. Die parallel geschnittenen Geschichten zweier Frauen finden keine schlüssige Verbindung und stiften mehr Verwirrung als emotionale Bindung.

Story

Der Film handelt von der Liebesbeziehung zwischen dem britischen König Edward VIII. und der Amerikanerin Wallis Simpson sowie einer Affäre der New Yorkerin Wally Winthrop mit einem Sicherheitsbeamten eines Museums.

Die eine Geschichte ist eine wahre - der König liebte die verheiratete Amerikanerin Wallis Simpson, "W.E." steht für die Initialen Wallis Edward. Die ließ sich scheiden, er dankte ab (und machte seinen Bruder, den Mann von "Queen Mum", damit zum britischen König - siehe den Oscar-prämierten Film "The King's Speech"). Beide lebten recht glücklich, wenn auch von der Presse verfolgt und eine Zeitlang nciht in England geduldet für den Rest seines Lebens.

Die andere Geschihcte ist eine Fiktion, und eine anstregende dazu. Wally Winthrop leidet unter ihrem nach außen charmanten, in der Beziehung aber gewalttätigen Mann, einem Arzt, und wünscht sich ein Baby. Der Besuch einer Ausstellung sowie Träume über die Liebesbeziehung zwischen Wallis und Edward gibt ihr Kraft und inspiriert sie - sie verlässt den Mann und beginnt eine neue Beziehung mit einem Verehrer.

König und die, die niemals Königin werden könnte - für Wallis Simpson gab Edward den britischen Thron auf.
© PR/ Senator Home EntertainmentKönig und die, die niemals Königin werden könnte - für Wallis Simpson gab Edward den britischen Thron auf.

Stars

Tolle Schauspieler hat Madonna für ihr Werk versammelt: Andrea Riseborough, die nicht nur offiziell den europäischen Filmpreis "Shooting Star" bekam, sondern auch von vielen kritikern für eine der großen Entdeckungen der vergangenen jahre gehalten wird. Die Australierin Abbie Cornish, die sich mit tollen Indie-Filmen wie "Somersault" und "Candy" für weitere spannende Rollen empfahl und vor "W.E." zuletzt in "Ohne Limit" mit Bradley Cooper zu sehen war. James D’Arcy als König Edward (für seine Freunde: David) sowie Oscar Isaac als Evgeni, der Liebhaber, machen ihre Sache ebenfalls gut.

Fazit

Gute Schauspieler, ein interessanter historischer Hintergrund im Oscar-beleuchteten Umfeld und ganz offensichtlich ein sehr guter Kameramann - Madonna als Regisseurin hatte so einige Pfunde, mit denen sie wuchern konnte. Optik und Team stimmen. Wäre man bei der warmen, liebevollen Geschichte von "W.E." geblieben, wie es der Titel verspricht, hätte das sogar gutgehen können. Ärgerlich wird der Film vor allem in den Parts in New York: Inhaltsleere Bilder, Pathos, ein Charakter, der keine Sympathien weckt, übertriebene Musikuntermalung und Stellen, die schlichtweg kitschig sind: Wally wie sie mit Wallis' Handschuhen durch die Straßen läuft, ihre Trug- und Traumbilder und im krassen Gegensatz dazu die Brutalität von Ehemann und Kinderwunschbehandlung - da passt einfach nichts zusammen. So bleibt ein zwiespältiges Gefühl am Ende des Films. Und die Frage, ob ein halber Film nicht der komplettere gewesen wäre.

Was dabei rauskommt, wenn Madonna etwas macht, vom dem sie mehr als vom Regieführen versteht, zeigt die Musik zum Film: der Song "Masterpiece" aus "W.E." wurde für die Golden Globes nominiert - und gewann. Gegen ein Lied von Elton John, was der für eine Frechheit hielt und lautstark verkündete. Was wiederum für viel Unterhaltung im Umfeld der Golden Globes sorgte. Gar kein schlechtes Fazit für den Film also, Madonna.

"W.E." ist seit dem 9. November auf DVD (Spieldauer: 114 Minuten) erhältlich.

Claudia Fudeus