Ben Affleck
© Getty Images Ben Affleck

Ben Affleck "Ich wollte ernst genommen werden"

Er war mal ganz unten. Im Gespräch mit "Gala" verrät Ben Affleck, wie er gelernt hat, das Leben wieder zu lieben

Man hatte ihn eigentlich längst abgehakt:

Ben Affleck, gefeiertes Wunderkind nach seinem Oscar für das "Good Will Hunting"-Drehbuch 1998, hatte in den Jahren danach mit miesen Rollen und einem tumultuösen Privatleben (J.Lo-Verlobung, Alkoholexzesse, Glücksspiel) jeden Kredit verspielt. Erst seit er Jennifer Garner kennt, geht es wieder aufwärts. Affleck zog sich aus der Öffentlichkeit zurück, soweit es ging, gründete eine Familie (das dritte Kind Samuel wurde vor acht Monaten geboren) und nahm seine Karriere selbst in die Hand. Vor fünf Jahren drehte er mit "Gone Baby Gone" seinen ersten Film als Regisseur, bekam erstklassige Kritiken und hat jetzt mit "Argo" seine dritte Regie-Arbeit vorgelegt. Der ebenso schräge wie spannende Polit-Thriller dominierte in den vergangenen Wochen die US-Kinocharts.

Privatleben: Ben Affleck und Jennifer Garner haben drei Kinder. Hier sind sie mit den Töchtern Seraphina und Violet beim Kuchenbacken zu sehen.
© Bulls PressPrivatleben: Ben Affleck und Jennifer Garner haben drei Kinder. Hier sind sie mit den Töchtern Seraphina und Violet beim Kuchenbacken zu sehen.

Sie waren als Schauspieler zuletzt nicht immer erfolgreich, haben sich dann als Regisseur neu erfunden. Was hat Sie angetrieben?

Ich wollte mir selbst etwas beweisen, wollte endlich wieder ernst genommen werden. Und ich wollte, dass meine Kinder stolz auf mich sein können.

Sie haben 2007 bei "Gone Baby Gone" zum ersten Mal Regie geführt. Waren Sie sich sicher, dass Sie das wirklich können?

Ich habe in den frühen Neunzigern schon einige Kurzfilme gedreht. Einer davon hieß "I Killed My Lesbian Wife, Hung Her On A Meat Hook", ein fürchterlicher Film, der aussieht, als hätte ihn jemand gemacht, der keinerlei Talent hat. Aber vor "Gone Baby Gone" habe ich mir Tipps bei anderen Schauspielern geholt, die ins Regiefach gewechselt sind, Sean Penn zum Beispiel und Warren Beatty, das hat geholfen.

Sind Sie nervös, wenn Sie einen neuen Film drehen?

Ja, meine Brust wird eng und ich denke: Was, wenn ich nichts zu sagen habe? Aber dann erinnere ich mich an all die Filme, bei denen ich mitgewirkt habe, von der Indie-Produktion "Chasing Amy", die 200 000 Dollar gekostet hat, bis zum 135-Millionen-Dollar-Epos "Pearl Harbor". Und das war besser als jede Filmschule, da habe ich gelernt, was man zu tun hat, damit es läuft.

"Argo" ist Ihr dritter Film als Regisseur. Wird es in zwischen einfacher?

Schon, aber es ist immer noch gleichzeitig großartig und schrecklich. Es gibt Tage, an denen ich mir sicher bin, total versagt zu haben, und andere, an denen ich denke: Okay, das könnte ganz gut geworden sein.

Jetzt im Kino: Bei "Argo" hat Ben Affleck Regie geführt und spielt die Hauptrolle - einen CIA-Agenten, der 1980 im revolutionären Iran eine tollkühne Befreiungsaktion organisiert. Ein Meisterwerk, basierend auf einer wahren Geschichte.
© Warner Bros.Ab 8. November 2012 im Kino: Bei "Argo" hat Ben Affleck Regie geführt und spielt die Hauptrolle - einen CIA-Agenten, der 1980 im revolutionären Iran eine tollkühne Befreiungsaktion organisiert. Ein Meisterwerk, basierend auf einer wahren Geschichte.

Was ist das Schlimmste daran, Regie zu führen?

Die Situationen, in denen man vorankommen will und immer wieder gegen Wände läuft. Weil man zu wenig Zeit hat oder zu wenig Geld, oder weil Leute aus dem Team eine andere Meinung haben - ob zu Recht oder unrecht. Da ist man schon mal frustriert und wütend. Ich bewundere Regisseure, die da ruhig bleiben können.

Seit einiger Zeit bekommen Sie auch wieder bessere Rollen, so haben Sie gerade mit Regie-Genie Terrence Malick das romantische Drama "To The Wonder" gedreht. Was mögen Sie an der Schauspielerei?

Dass der Job einem die Gelegenheit zur Selbsttherapie bietet, man sich selbst hinterfragt. Im besten Fall kann eine Rolle dabei helfen, mit sich selbst und seinen Problemen besser klarzukommen.

War es eine Erleichterung, mal wieder "nur" vor der Kamera zu stehen?

Nach "Argo" war das auf jeden Fall eine Erleichterung. Wenn etwas total schief lief, konnte ich einfach sagen: Okay, ich geh dann mal in meinen Trailer, ihr kümmert euch schon um alles. Sagt mir Bescheid, wenn das Schlimmste überstanden ist. (lacht)

Früher standen Sie sehr in der Öffentlichkeit, waren mit J.Lo verlobt, wurden zum "Sexiest Man Alive" gewählt. Seit Sie mit Jennifer Garner verheiratet sind, leben Sie sehr zurückgezogen. Warum?

Weil es mich glücklich macht, nicht mehr so sehr im Scheinwerferlicht zu stehen. Mein Leben ist langweilig für die Presse. Und das ist gut so.

Das war früher anders: Sie haben zeitweise exzessiv gelebt, mussten 2001 sogar einen Entzug machen. Was haben Sie aus Ihren Erfahrungen gelernt?

Mir nicht mehr über Dinge einen Kopf zu machen, die gar nicht so wichtig sind. Dass es darum geht, andere glücklich zu machen, und darum, dass andere die Dinge mögen, die ich mache. Und ich habe gelernt, dass man in diesem Business eine dicke Haut braucht und einen Sinn für Humor.

Wie würden Sie sich und Ihr Leben heute beschreiben?

Ich denke, dass ich dabei bin, das Beste an mir zu entdecken. Es hat sehr lange gedauert, bis ich gelernt habe, mein Leben so zu leben, dass es mir gefällt. Jetzt ist es endlich so weit. Das Leben ist großartig. Fantastisch. Wunderbar. Ich liebe es! Bruno Lester

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