An diesem Ort also entstehen die Träume. Hier verführte Lola im "Blauen Engel" Professor Unrat, hier versteckte sich "Pianist" Adrien Brody vor den Nazis, hier machte David Kross für Kate Winslet den "Vorleser", hier stand das Guggenheim- Museum, das Tom Tykwer in "The International" zu Klump schießen ließ, hier plante Tom Cruise das Attentat auf Hitler, hier wurden zuletzt mehr als 100 Millionen Dollar ausgegeben, um mit Tom Hanks und Halle Berry die komplexe Welt des Bestsellers "Der Wolkenatlas" auf die Leinwand zu bringen. Hier, das ist das Filmstudio Babelsberg, eine halbe Autostunde südwestlich von Berlin-Mitte gelegen. Und wer das erste Mal vor dem schmucklosen Eingang steht, hinter dem sich ebenso schmucklose Zweckgebäude abzeichnen, der braucht - vor allem an einem kalten Januartag, an dem das Gelände fast verwaist ist - schon sehr viel Fantasie, um an großes Kino zu denken.

Inglourious Basterds (2009): An die Zusammenarbeit mit Brad Pitt (hier im Kostüm von Nazi-Jäger Aldo Raine) und Regisseur Quentin Tarantino erinnert man sich in Babelsberg besonders gern: "Quentin hat am Set von "Inglourious Basterds" mit den großen Regisseuren der Vergangenheit gesprochen", erzählt Studiochef Christoph Fisser beim GALA Besuch auf dem Studiogelände. img_lupe
Inglourious Basterds (2009): An die Zusammenarbeit mit Brad Pitt (hier im Kostüm von Nazi-Jäger Aldo Raine) und Regisseur Quentin Tarantino erinnert man sich in Babelsberg besonders gern: "Quentin hat am Set von "Inglourious Basterds" mit den großen Regisseuren der Vergangenheit gesprochen", erzählt Studiochef Christoph Fisser beim GALA Besuch auf dem Studiogelände.
(Foto: © Studio Babelsberg)

Fantasie, wie sie Quentin Tarantino, der in diesem Studio seinen Kriegsfilm "Inglourious Basterds" gedreht hat, im Überfluss besitzt. "Er streichelte die Holzbohlen in den Gängen der Marlene-Dietrich-Halle", erzählt Babelsberg-Sprecher Eike Wolf während des Rundgangs über das Gelände. Und Christoph Fisser, einer der Chefs des Studios, ergänzt: "Für Quentin war es etwas ganz Besonderes, in Babelsberg zu drehen, er kannte die Historie ganz genau, so wie überhaupt die meisten der ausländischen Stars, die hier waren, mehr mit dem Studio verbinden als viele Deutsche."

Zu den Stars, die in den vergangenen Jahren hier gedreht haben, gehören Brad Pitt ("Inglourious Basterds"), Pierce Brosnan ("Der Ghostwriter"), Orlando Bloom ("Die drei Musketiere"), Natalie Portman ("V For Vendetta") und Liam Neeson ("Unknown Identity"). Sie alle gingen als Fans des Studios: ob Roland Emmerich, der sich bereits auf sein nächstes Babelsberg-Projekt freut, Quentin Tarantino, der jeden Abend nach Drehschluss das gesamte Team zu Filmvorführungen einlud, oder Tom Hanks, der in seinem Geburtstagsglückwunsch an Babelsberg schwärmt: "Hierher zu kommen, um in Deinen historischen Studios zu drehen, war die Fantasie eines Filmstudenten, die für den erfahrenen Filmemacher zur Wirklichkeit wurde." Die romantischste Anekdote aber hat Sebastian Koch "Gala" erzählt: "Mit Babelsberg verbinde ich immer die Dreharbeiten zu 'Black Book' und meine große Liebe Carice van Houten. Stundenlanges Geknutsche in der Garderobe, und beide waren wir der festen Überzeugung, dass keiner von unserer Leidenschaft wusste. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass das gesamte Team - wirklich alle - es wussten, und zwar schon lange, bevor wir es selbst auch nur ahnten."

Dass sie alle überhaupt hier arbeiten konnten, dass sich am kommenden Sonntag Größen aus Politik, Showbiz und Wirtschaft in der Marlene-Dietrich-Halle einfinden werden, um gemeinsam in einem Festakt den 100. Geburtstag zu feiern, darf als kleines Kino-Wunder bezeichnet werden. Vor nicht einmal zehn Jahren stand das älteste Filmstudio der Welt vor dem Aus. Jahrelang hatte sich das französische Unternehmen Vivendi vergeblich bemüht, ausreichend große internationale Produktionen nach Brandenburg zu holen. Die Wende kam im Sommer 2004, als Christoph Fisser und Carl Woebcken, zwei Münchner Investoren, das Studio für einen symbolischen Euro übernahmen. Gleich im ersten Jahr drehte Charlize Theron hier "Aeon Flux" und Hollywood-Starproduzent Joel Silver "V For Vendetta". Beides keine ganz großen Filme, aber immerhin groß genug, dass man in Hollywood wieder auf das fast vergessene Studio in Deutschland aufmerksam wurde. "Zwei solche Hollywood-Produktionen im Jahr brauchen wir schon, um zu überleben", erklärt Fisser. "Denn die mieten eben nicht 600 Quadratmeter an, sondern schon mal 20 000, und die bauen nicht für 100 000 Euro Kulissen, sondern für vier Millionen."

Der Ghost-Writer (2010): Dieser Thriller war Roman Polanskis zweite Babelsberg-Produktion. Bereits 2001 drehte er hier sein Kriegsdrama "Der Pianist", das später mit drei Oscars (beste Regie, bester Hauptdarsteller, bestes adaptiertes Drehbuch) prämiert wurde. img_lupe
Der Ghost-Writer (2010): Dieser Thriller war Roman Polanskis zweite Babelsberg-Produktion. Bereits 2001 drehte er hier sein Kriegsdrama "Der Pianist", das später mit drei Oscars (beste Regie, bester Hauptdarsteller, bestes adaptiertes Drehbuch) prämiert wurde.
(Foto: © Studio Babelsberg)





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