Jamie Oliver im GALA-Interview

Nackt unter der Schürze

Jamie Oliver spricht in GALA über sein neues Leben ohne Salz und mit viel Schlaf, über das wunderbare Chaos in seiner großen Familie – und das Lieblingsessen der Kids 

Jamie Oliver

Kurz vor seinem vierzigsten Geburtstag drohte bei Starkoch privat einiges anzubrennen. Er schlief zu wenig und wog zu viel. Die Suppe, um im Bild zu bleiben, hatte er sich selbst eingebrockt, durch sein rastloses Leben zwischen TV-Shows, Restaurant-Imperium und immer neuen Kochbüchern. Mit Blick auf den runden Geburtstag wurde ihm klar: Eine Veränderung muss her. Sonst ist der Ofen bald aus.

Zwei Jahre später sitzt nun ein deutlich erschlankter Jamie Oliver in seinem Londoner Restaurant "Fifteen", strotzt beim GALA-Interview vor Vitalität und guter Laune. Super aktiv ist er nach wie vor, er hat gerade eine neue Kochshow und das dazugehörige Buch am Start. Doch die Geburt seines Sohnes River Rocket – das fünfte Kind! – hat offensichtlich die Prioritäten geändert: Jamie Oliver schwebt jetzt im siebten Daddy-Himmel. Und die Familienplanung mit Ehefrau Jools ist noch nicht abgeschlossen.

Jamie, wie geht es Ihnen heute?

Danke, sehr gut! Sieht man das nicht? (kneift sich in die Hüfte) Ich habe zwölf Kilo abgenommen und lebe jetzt viel ausgeglichener und gesünder. Ich habe meinen Lebensrhythmus komplett umgestellt.

Fiel Ihnen das leicht?

Das war nicht der Punkt. Ich wusste einfach, dass es fünf vor zwölf ist, ich konnte den Burn-out förmlich riechen. Wenn du 40 wirst, denkst du, du hast noch viel Zeit. Aber die Uhr tickt, das halbe Leben ist vorbei. Ich möchte möglichst alt werden, aber dafür muss man ein entsprechendes Leben führen. Das sind nun mal die Spielregeln.

Was genau haben Sie denn verändert?

Ich habe Ernährungsexperten und Schlafwissenschaftler konsultiert und mir eine Liste von Do’s und Don’ts gemacht. Zu den Don’ts zählt ganz klar Salz. Das habe ich komplett aus meiner Ernährung verbannt. Außerdem trinke ich nach 22 Uhr keinen Alkohol mehr.

Das Kochbuch zur Sendung: "Jamies 5-Zutaten- Küche: Quick & Easy" (Dorling Kindersley, 320 S., 26,95 Euro)

Das Kochbuch zur Sendung: "Jamies 5-Zutaten- Küche: Quick & Easy" (Dorling Kindersley, 320 S., 26,95 Euro)

Und das Thema Schlaf?

Mit Ende zwanzig habe ich höchstens dreieinhalb Stunden pro Nacht geschlafen. Jetzt behandle ich meinen Schlaf wie Arbeit. Ich hab da so ein vibrierendes Ding, das mich daran erinnert, wenn es an der Zeit ist, ins Bett zu gehen. Wie bei einem Kleinkind! (lacht) Aber sonst würde ich bis spät in die Nacht arbeiten oder noch Mails beantworten.

Sie sind es ja gewohnt, hart zu arbeiten, haben schon mit fünf Jahren in der Gaststätte Ihrer Eltern geholfen, Gläser gespült, Gemüse geschnippelt …

… und ich konnte mit neun Jahren schon so gut mit dem Messer umgehen wie heute. Ich habe damals schon geiles Zeug gekocht! Heute bemühe ich mich, meinen Kindern dieselbe Arbeitsmoral einzutrichtern, wie ich sie von meinen Eltern beigebracht bekommen habe. Ich würde mir wünschen, dass sie in der Gaststätte ihres Großvaters aushelfen. Ich habe dort als Junge wertvolle Lektionen fürs Leben gelernt. Wie man respektvoll und freundlich mit seinen Mitmenschen umgeht, wie man höflich bleibt, obwohl man Stress und schmerzende Füße hat. Die wichtigste Lektion aber war: Wenn du etwas erreichen willst, musst du die Ärmel hochkrempeln und dich ins Zeug legen.

Ihre TV-Shows und Bücher haben Sie zu einem Weltstar gemacht. Sehen Ihre Kinder Sie auch so?

Für meine Kinder bin ich kein Star, sondern derjenige, der den Müll rausbringt. Natürlich wachsen sie privilegiert auf, es fehlt ihnen an nichts. Aber bei uns wirft niemand mit Geld um sich. Meine Frau und ich achten sehr darauf, dass unsere Kinder so normal wie möglich aufwachsen. Ich erwarte von ihnen nicht, perfekt zu sein oder eines Tages in meine Fußstapfen zu treten. Wobei – es wäre natürlich schön, wenn eines meiner Kinder mein Unternehmen übernehmen würde.

Sie sagten mal, als Teenager war es Ihr höchstes Ziel, so viele Frauen wie möglich flachzulegen …

Echt? Das habe ich gesagt? (lacht) Keine Frage: Hätten damals hundert Frauen mit mir schlafen wollen, ich hätte sie alle genommen. Aber leider interessierte sich keine für mich.

Bis Sie durch Ihre erste Kochshow "The Naked Chef" bekannt wurden. Hat Sie das verändert?

Überhaupt nicht. Ich bin mit derselben Frau zusammen, seit ich 17 war. Die meisten Freunde stammen noch aus meiner Schulzeit – und treten mir gehörig in den Arsch, wenn es nötig ist. Daheim ist das nicht anders. Meine Familie erdet mich.

Baby River Rocket, hier auf dem Arm von Mama Jools Oliver, 42, ist der jüngste Neuzugang der Familie – aber vielleicht nicht der letzte, wie Papa Jamie andeutet. Die "großen" Kids, v.l.: Poppy Honey, 15, Petal Blossom, 8, Buddy Bear, 6, und Daisy Boo, 14

Baby River Rocket, hier auf dem Arm von Mama Jools Oliver, 42, ist der jüngste Neuzugang der Familie – aber vielleicht nicht der letzte, wie Papa Jamie andeutet. Die "großen" Kids, v.l.: Poppy Honey, 15, Petal Blossom, 8, Buddy Bear, 6, und Daisy Boo, 14

Ist die Familienplanung denn nach fünf Kindern abgeschlossen?

Jools’ Meinung nach sollte man niemals nie sagen. Und ich mache einfach nur, was mir aufgetragen wird. (lacht) Ich würde also sagen: Die Chancen, dass wir noch mal Eltern werden, stehen 50:50. Vielleicht mit Tendenz zu 30:70, denn wir haben keinen Platz mehr im Auto. Bei einem weiteren Kind müssten wir uns einen Kleinbus kaufen. Und ich hasse Busse.

Können Sie die Vaterfreuden heute mehr genießen als mit 27, als Sie zum ersten Mal Daddy wurden?

Ja, auf jeden Fall! Als meine ersten drei Kinder auf die Welt kamen, war ich ein Hansdampf in allen Gassen und schwer mit dem Aufbau meiner Firma und mit den ganzen Shows beschäftigt. Auch heute kann ich nicht so einfach ein paar Gänge zurückschalten, aber ich gehe die Dinge gelassener an. Was bei fünf Kindern in verschiedenen Altersklassen auch besser ist. Bei uns zu Hause herrscht manchmal das totale Chaos. Es ist ein täglicher Kampf mit Windeln, die überall herumliegen, auf allen Stühlen und Treppen. Mein älterer Sohn ist sechs und fängt jetzt gerade an, sich für Fußball zu begeistern. Sehr zu meinem Entsetzen.

Moment mal: Sie finden Fußball doof und stehen auf pinke Pullis, wie man weiß – gibt es bei Ihnen einen Rollentausch? Ist Ihre Frau der Mann im Haus?

Bei uns hat Jools die Hosen an, auf jeden Fall. Leider ist sie eine furchtbare Köchin, sie macht immer nur Eintopf. Aber die Kinder lieben ihn! Ich habe große Ehrfurcht vor der Leistung meiner Frau. Sie ist die wunderbarste Mutter, die man sich nur wünschen kann.

Sie beide haben sich in der Schule kennengelernt und dann im Jahr 2000 geheiratet. Was ist das Erfolgsrezept Ihrer langen Beziehung?

Jools ist nicht nur meine Ehefrau und die Mutter meiner Kinder, sie ist auch meine beste Freundin. Uns verbindet ein tiefer Respekt füreinander. In der Freizeit reden wir nie über die Arbeit, das finde ich sehr wichtig. Meine Follower auf Instagram wissen vermutlich mehr über meine tägliche Arbeit als meine eigene Frau. Bei fünf Kindern ist es außerdem wichtig, sich Freiräume als Paar zu gönnen und den anderen auch mal aus der Schusslinie zu nehmen. Wenn ich merke, dass Jools gestresst ist, organisiere ich uns einen kinderfreien Abend und bekoche sie vom Allerfeinsten.

Geben Sie uns doch bitte einen Tipp für ein perfektes Date-Dinner.

Mein Ratschlag an jeden Mann: Leg Musik von Sade auf! Und koche ein mild scharfes Gericht, das nicht zu schwer im Magen liegt. Mein "Thai Green Curry"- Rezept würde sich dafür anbieten. Der allerwichtigste Tipp lautet aber: Pass gut auf, dass du dir am Herd nicht den Penis verbrennst! Denn natürlich solltest du unter der Schürze nackt sein.


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