Johannes Korten (†)

Trauriger Abschiedsbrief: Seine letzten Worte

Mit seinem Abschiedsbrief rief der bekannte Blogger Johannes Korten eine noch nie da gewesene Such- und Hilfsaktion aus. Stundenlang bangte die Internetgemeinde um sein Leben

Johannes Korten (†)

Johannes Korten (†)

"Am Ende. Es hat nicht gereicht für ein ganzes Leben."

Es sind nur zehn Worte, die Blogger Johannes Korten (†) in seinen Tweet zwängt. Zehn Worte, die seine über 5.000 Follower bei in Panik geraten lassen. Denn wer Johannes Korten in den letzten Jahren gefolgt ist, weiß auch, dass es sich hierbei um Kortens letzte Worte handeln könnte. Offen thematisierte Korten bis zuletzt seine Depressionen.

Dass es sich um einen ernst gemeinten Tweet handelte, zeigt der , den Korten in seinem Tweet verlinkte. "Ein Stuhl bleibt leer. Zumindest eine zeitlang. Bis er jemandem Neuen gehört. Mehr wird es nicht sein, wenn ich aufgehört habe zu denken", heißt es da und "Diejenigen von euch, die meine Familie kennen, bitte ich, so gut es geht für diese da zu sein. Fangt sie so gut es geht auf und helft ihr durch die dunklen Zeiten."

Insbesondere die „Geschehnisse der letzten Tage, Wochen und Monate haben mich endgültig gebrochen”, schrieb er auf seiner Internetseite. Bei Twitter hatte er in dieser Zeit mehrfach über Terror und Amokläufe geschrieben.

Verzweifelte Suchaktion nach Johannes Korten

Als der erste Schock überwunden war, startete die Internetgemeinde eine beispiellose Suchaktion. Sein Bild wurde innerhalb von kürzester Zeit in den sozialen Medien geteilt. Gleichzeitig wurde die Polizei alarmiert, die eine groß angelegte Suchaktion nach dem startete. Auch ein Polizeihubschrauber kreiste zu diesem Zweck lange über Bochum. Der Hashtag #wirfuerhannes avancierte innerhalb kürzester Zeit zum Trending Topic bei Twitter. Selbst User, die Korten nicht persönlich kannten, bangten um den Bochumer. Tausende User sprachen ihm Mut zu und wandten sich mit aufmunternden Worten an ihn.

Stundenlang zwischen Bangen und Hoffen

Um 14:05 Uhr dann die traurige Gewissheit: Johannes Korten wurde in den Mittagsstunden tot aufgefunden. Hinweise auf Fremdverschulden ergeben sich laut Bochum nicht. Die Internetgemeinde ist sprachlos. Bis zuletzt hatte man gehofft, dass es sich bei dem Abschiedsbrief nur um einen verzweifelten Hilferuf handeln würde. Dass man doch noch etwas tun könne, um ihn umzustimmen. Dass jemand, der so stolz auf seine Familie war doch wenigstens für sie am Leben bleiben müsse. Doch alle Hoffnung war vergebens.

Auf Twitter finden sich unter dem Hashtag #wirfuerhannes nur noch hilfrose Nachrufe auf einen Mann, der still gegen seine Dämonen gekämpft hat und den Kampf schlussendlich verloren gab.

Sein letzter Wunsch

Am Ende seines Abschiedsbriefs findet Johannes Korten noch versöhnliche Worte. Es ist der fromme Wunsch eines Mannes, der sich kurz darauf das Leben nehmen wird: "Wenn ich einen letzten Wunsch hätte, dann wäre es der hier: Schaut in jeder Situation gemeinsam nach vorn. Seid achtsam mit euch selbst und dann aufeinander. Macht die Welt im Großen wie im Kleinen wieder zu einem guten Ort. Lebt den Gedanken, dass das gemeinsam im Miteinander möglich ist, weiter. Das wäre mir ein letzter Trost. Vielleicht bekommt mein Dasein dann doch noch einen Sinn."

Obwohl sich kaum jemand in seine Lage wird versetzen können, sind es Worte, die einen betroffen machen. Es sind die Worte eines Mannes, der mit dem Leben abgeschlossen hat. Und es sind Worte, die er aus der Sicht eines Toten schrieb.

Es sind auch Worte, die auch uns treffen, die wir bis zuletzt gehofft haben, dass die Geschichte ein gutes Ende nehmen wird. Unser ganzes Mitgefühl gilt der hinterbliebenen Familie.

Leiden auch Sie unter Depressionen und Suizid-Gedanken?

Falls Sie Suizid-Gedanken haben oder jemanden kennen, der Suizid-Gedanken hat, wenden Sie sich bitte an die Telefonseelsorge: 0800/1110111 oder 0800/1110222. Die Anrufe sind kostenlos, die Nummern sind rund um die Uhr zu erreichen.

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe bietet im Internet einen Selbsttest, Wissen und Adressen zum Thema Depression an. Im Online-Forum können sich Betroffene und Angehörige austauschen. Für Jugendliche gibt es ein eigenes Forum.

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