Waris Dirie Eine harte Nuss

Bestsellerautorin Waris Dirie kämpft für Frauenrechte. Und hat keinen Respekt vor großen Namen - nächster auf ihrer Liste: Barack Obama

Sie war das erste schwarze Model

auf dem Cover der "Vogue". Und mindestens elf Millionen Menschen wissen, wie Waris Dirie dorthin gekommen ist. So viele haben "Wüstenblume" gelesen. Elf Jahre nach Erscheinen ihres Bestsellers lässt nun ein Kinofilm die Biografie der somalischen Nomadentochter lebendig werden: ihre Flucht vor der Zwangsheirat, erst zu Verwandten in die Hauptstadt Mogadischu, dann nach London und bis auf die Laufstege der Welt.

Noch mehr Menschen wissen aber auch, das Diries unglaubliche Geschichte kein modernes Aschenputtel-Märchen ist. 1997, auf dem Höhepunkt ihrer Modelkarriere, erzählte sie in einem schockierenden Interview, wie sie als Fünfjährige Opfer einer rituellen Genitalbeschneidung wurde. Seitdem hat sie nie mehr aufgehört, über dieses Tabuthema zu sprechen.

Stolz ist sie, charismatisch, streng, eine Kämpfernatur. Wäre "Wüstenblume" vor zehn Jahren gedreht worden, hätte Dirie, mittlerweile 45, sich womöglich selbst gespielt. 1987 war sie in "James Bond - Der Hauch des Todes" zu sehen. Und natürlich kann sie, die sich anscheinend alles zutraut, sich auch eine Kinokarriere vorstellen. Die Begründung ist entwaffnend: "Ich bin mein Leben lang Schauspielerin gewesen. Ich musste so oft eine andere sein, mich fremden Ländern, Sprachen, Kulturen anpassen. Hätte ich das nicht gekonnt, würde ich heute nicht hier sitzen. Ich würde es gern versuchen, am liebsten in einer Komödie oder einem Kick-Ass-Actionfilm. Ich bin eine harte Nuss."

Die Hauptrolle in "Wüstenblume" spielt Model Liya Kebede, die Dirie liebevoll ihre "Schwester" nennt. Liya, 31, stammt aus Äthiopien - wenn auch aus privilegierten Großstadt-Verhältnissen - und setzt sich wie Waris als UN-Sonderbotschafterin für Frauen und Mädchen in Afrika ein. Woher Dirie damals mit zwölf, dreizehn Jahren - genau weiß sie das nicht - die Kraft nahm, von zu Hause wegzulaufen, ist ihr selbst erstaunlich klar: "Ich bin nie ängstlich gewesen. Ich tue nichts, weil andere es von mir fordern. So war ich schon als Kind, sagt meine Mutter." Doch, ihre Familie kommt sie regelmäßig besuchen, sagt sie. Und macht mit einem gebieterischen Blick klar, dass sie dieses Thema nicht weiter vertiefen will. Das Verhältnis zu ihrer traditionsbewussten Mutter hat sie 2007 in "Brief an meine Mutter" aufgearbeitet, nach "Nomadentochter" und "Schmerzenskinder" Diries viertes Buch.

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