Matthias Matschke in seiner Rolle als Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Uwe Barschel
© ARD Degeto/Stephan Rabold Matthias Matschke als Uwe Barschel

"Der Fall Barschel" Eine Königsaufgabe für Matthias Matschke

"Der Fall Barschel" basiert auf dem mysteriösen Tod von Uwe Barschel 1987. Matthias Matschke, der den umstrittenen Politiker spielt, im Interview

Matthias Matschke fotografiert gerne heimlich Menschen
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Ein Mann mit vielen Talenten: Neben der Schauspielerei liebt es Matthias Matschke zu fotografieren. Das tut er am liebsten heimlich.

1987 wurde Uwe Barschel, der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, tot in einem Hotel aufgefunden. Das Foto seiner Leiche in der Badewanne schockierte die Nation. Am Samstag (6. Februar, 20.15 Uhr, ARD) wird nun der Film "Der Fall Barschel" ausgestrahlt, der die mysteriösen Todesumstände und die darauffolgenden Theorien aufgreift.

Matthias Matschke spielt Uwe Barschel - eine Rolle, die durch ihre vielen Ungereimtheiten eine Königsaufgabe für ihn darstellte. Der Schauspieler, der von sich selbst sagt, er habe keine Tabus hinsichtlich seiner Rollen, verkörpert den umstrittenen Politiker mit einer nahezu beängstigenden Glaubhaftigkeit. Im Interview mit spot on news verrät der 47-Jährige unter anderem, welchen Reiz diese Rolle für ihn hatte.

Herr Matschke, wie haben Sie die Barschel-Affäre damals erlebt?

Matthias Matschke: Die Barschel-Affäre war für mich sehr irreal, weil ich überhaupt nicht verstehen konnte, dass jemand aus dem öffentlichen Leben da irgendwie beteiligt war. Der Ministerpräsident hat ein Fehlverhalten gezeigt, und auf einmal wird das Ganze zu einem Thriller. Und ich glaube, das, was ich eigentlich gespürt habe und was ich mir damals vielleicht nicht eingestanden habe, war Überforderung. Das passte nicht in meinen "Kurz vor dem Abitur"-Kopf rein, dass da so jemand derart in größere Verstrickungen involviert ist, dass er daran stirbt.

Wieso wollten Sie Uwe Barschel spielen?

Ich glaube, dass das genau der Reiz ist. Dass man jemanden hat, der einen Anspruch an sich selbst hat, der eine große Referenz über Außenwirkung in seinem Tun zeigt, der auch in diese ganze Situation geworfen ist, und dann, wie er versucht, darin zu schwimmen ... Das sind alles dramatische Ansätze, die für mich eher den Anklang einer Shakespeare-Figur haben und nicht eines normalen Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holstein. Und das war sicher allein schon Grund genug, Barschel spielen zu wollen. Im Gesamten war das Getriebene von ihm für mich das Faszinierendste. Ich hatte immer den Eindruck, dass er nie irgendeinen Moment von Zufriedenheit gezeigt hat, sondern immer nur sein Reagieren und seine Getriebenheit.

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Uwe Barschel war eine reale Person. Inwieweit macht es für Sie einen Unterschied, ob Ihre Rollen real oder fiktiv sind?

Das war eine Frage, die ich mir selbst sofort gestellt habe. Natürlich hat man eine Freiheit, wenn man sagt, ich spiele einen Shakespeare-König mit dramatischem Hintergrund und kann ihm alles andichten, was ich will. Doch jeder Mensch der Bundesrepublik kennt irgendwie diesen Uwe Barschel, dieses ikonenhafte Bild aus der Badewanne oder die Pressekonferenz. Deswegen war die Verantwortung natürlich gesteigert, weil er jemand war, von dem alle meinen, ihn zu kennen. Es war ein Ringen mit dem Bild, das die Menschen von ihm in den Köpfen haben. Das war sozusagen mein direkter Spielpartner.

Sie sind unglaublich wandelbar. Von Comedy bis Krimi haben Sie schon alles gemacht. Nach welchen Kriterien suchen Sie Ihre Rollen aus?

Ich suche nach Herausforderungen. Ich weiß nicht, ob ich im Leben mutig bin, aber deswegen bin ich wahrscheinlich auch Schauspieler geworden. Um sagen zu können, da kann ich so mutig sein, wie ich will. Denn am Ende des Tages ist es nur Spiel. Die Herausforderung liegt darin, eine Rolle anzunehmen, wo man sagt "Oh, warte mal ..." Ob das dann eine lustige Rolle oder eine schwere ist, ist egal. Sobald man sagt "Wie soll denn das gehen?", ist das für mich der Reiz an der ganzen Geschichte. Und da ich die Herausforderungen suche, suche ich sie in allen Segmenten der Schauspielerei. Deswegen bin ich überall unterwegs.

Uwe Barschel wurde damals von einem Journalisten tot in der Badewanne fotografiert. Auch im Film überschreitet der Journalist David Burger immer wieder Grenzen. Wie weit darf Journalismus gehen?

Das ist eine sehr interessante Frage. Mit diesem Foto wurde eine Ikone des 20. Jahrhunderts geschaffen. Das hat sich eingebrannt. Und im selben Moment habe ich immer ein Gefühl von Scham, wenn ich mir dieses Bild anschaue. Das ist genau das, womit wir auch im Film hantiert haben. Der Journalismus ist damals wirklich schlimme Wege gegangen und hat sich auch Rechte herausgenommen, die neben der Berichterstattung lagen. Zwischen dem, was Journalismus als Aufgabe hat und was er zur Erfüllung dieser Aufgabe darf, ist eine große Lücke. Und es wurde damals wirklich alles dafür getan, den Skandal auch tatsächlich einen Skandal werden zu lassen. Damit hat sich der Journalismus in großen Teilen nicht rühmlich gezeigt.

Viele verloren damals das Vertrauen in die Politik. Wie hat sich Ihre persönliche Einstellung dazu über die Jahre verändert?

Als das damals passierte, war ich gerade 19 Jahre alt und mit dem ganzen Unwissen und der unerfahrenen Überheblichkeit ausgestattet, die man als 19-Jähriger haben muss und darf. Ich würde sagen, die Barschel-Affäre hat meinen Blick auf Politik nachhaltig geprägt. Allerdings muss ich betonen, dass ich deswegen nicht das politische System angezweifelt habe, sondern die, die damit hantieren, und auch deren Glaubwürdigkeit. Es hat meinen Blick auf Autoritäten relativiert. Da ist ein gewisses Misstrauen in den Gebrauch von Macht gekommen, das ich nicht mehr loswerde. Dazu muss man aber nicht das politische System anzweifeln, sondern die Leute, die es bedienen.

Zum Schluss noch ein ganz anderes Thema: Fotografie. Sie fotografieren gern unter dem Pseudonym Bernadette Ypso. Welche Kollegin oder welchen Kollegen aus "Der Fall Barschel" würden Sie gern ablichten?

Ich könnte mir keinen allein aussuchen, weil ich sie alle so toll finde. Letztens beim Pressetermin dachte ich wieder: Boah, Fabian Hinrichs, was für ein Gesicht, und Alexander Fehling. Einfach fantastisch. Aber auch Edgar Selge und natürlich Antje Traue, weil sie eine unheimlich schöne Frau ist. Sonst fotografiere ich auch meistens bei den Dreharbeiten, aber bei diesem Film habe ich mich nicht getraut. Da gab es etwas wie Verhaltenheit bei mir. Aber jetzt im Nachhinein, wenn wir so darüber sprechen, würde ich gern Alexander Fehling und Fabian Hinrichs gemeinsam fotografieren. Diese beiden Gesichter zusammen sind einfach faszinierend. Das wird man auch im Film sehen.