Tokio Hotel
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Tokio Hotel Europa war gestern

Die deutsche Band "Tokio Hotel" versetzt nicht mehr nur Mädchen in Berlin und Paris, sondern auch in New York und L. A. in Ekstase - und selbst harte Rapper jubeln

Seit fast acht Stunden

wartet Jennifer schon in der Schlange vor dem Irving Plaza, dem legendären New Yorker Musikclub. Doch von Müdigkeit keine Spur. Das US-Girl albert ausgelassen herum, schwenkt mit ihren Freundinnen Transparente mit Sprüchen wie "Tom 4 President" oder "Bill, heirate mich" und singt lautstark die Songs ihrer neuen Lieblingsband - auf Deutsch! An diesem Abend hat die 13-Jährige nur ein Ziel: Sie will sich einen Platz ganz vorn an der Bühne erkämpfen, um Tokio Hotel ganz nah zu sein. Als die Zwillinge Bill und Tom, 18, dann endlich mit Gustav, 19, und Georg, 20, losrocken, gibt es für die 1200 meist weiblichen Fans kein Halten mehr. Kreisch-Alarm, Schnappatmung, kollektive Hysterie.

Massenmagnet: Bill Kaulitz auf der Bühne
© GettyMassenmagnet: Bill Kaulitz auf der Bühne

Auch Jennifer gibt alles: "Biiiill, ick liebe dick!", brüllt sie in gebrochenem Deutsch, bis ihr die Stimme versagt. Das Tokio-Hotel-Virus, das 2005 zunächst deutsche, dann europäische Teenager befiel, breitet sich jetzt auch in den USA aus. Rasend schnell.

Die Konzerte in New York und Los Angeles waren sofort ausverkauft, Tickets erreichten Schwarzmarktpreise bis zu 1500 Euro. Die hochseriöse "New York Times" berichtete ausführlich. Und selbst US-Promis lässt der Hype aufhorchen: In L. A. standen Rapper Jay-Z und Nicole Scherzinger im Publikum.

"Ursprünglich waren die Gigs in den Staaten nur geplant, damit sich die Jungs warmspielen und ein Gefühl für den amerikanischen Markt entwickeln können", verrät Manager und Produzent David Jost gegenüber GALA. "Mit einer so großen Resonanz hat niemand gerechnet." Zumal es im Vorfeld null Werbung gab - durchs Internet wurden Amerikas Teenies auf die Band aus Magdeburg aufmerksam. Viele tausend Mal luden sie Songs wie "Durch den Monsun" herunter, sahen sich auf YouTube die Videos an.

Kreischende Fans sind vorprogrammiert
© GettyKreischende Fans sind programmiert

Die Begeisterung ist so groß, dass auf einmal Deutsch-Unterricht der Renner ist. Die Mädchen wollen wissen, wovon Bill Kaulitz denn so singt. Für die Band Grund genug, ihr für Amerika geplantes Live-Programm zu ändern und nun auch Songs auf Deutsch zu performen. "Scream", das erste englischsprachige Album, soll dann laut Manager Jost Ende Mai auf den US-Markt kommen.

Der Grundstein für eine Weltkarriere ist gelegt. Doch wie geht's weiter? "Eigentlich müsste die Band so schnell wie möglich wieder in die Staaten", meint David Jost. Jetzt aber stehe erst mal die große Europa-Tour an, mit Gigs unter anderem in Rom, Madrid und Paris.

Mitte April aber fliegen Tokio Hotel wieder in die USA: "Dann legen sie dort richtig los!" Eine Nachricht, die nicht nur bei Jennifer aus New York für erhöhten Puls sorgen dürfte.