Stefan Raab
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Stefan Raab - "Unser Star für Oslo" Der Raab als Fernseh-Streber

Stefans Raabs neue Casting-Show "Unser Star für Oslo" soll Deutschland einen Grand-Prix-Erfolg bescheren. Fürs Publikum hieß es jedenfalls erstmal: DSDS-Krawall, zero points. Denn bei Raab ging es sehr brav zu

Hat das Casting-Geschäft darauf gewartet? Stefan Raabs Grand-Prix-Auswahl-Show " Unser Star für Oslo " wollte gestern Abend alles anders machen als Konkurrent DSDS. Das ist gelungen. Denn in der Raab-Show ging es tatsächlich nur um Gesang. Keine Bemerkung übers Aussehen, keine knappen Höschen, keine schweren Schicksalsschläge, die den DSDS-Teilnehmer erst für die mediale Stimmerziehung qualifizieren. Es ist grundsätzlich toll, neben dem RTL-Überflieger eine Castingsshow zu sehen, die die Bewerber ernst nimmt.

Stattdessen mit Marius Müller-Westernhagen und Yvonne Catterfeld zwei erfolgreiche Sänger als Jurykollegen für den TV-Tausendsassa. Es wurde viel geredet über Intonation und Vibrato, über Timbre (Raab: "Das ist quasi der Sound der Stimme") und Musikauswahl. Fast schüchtern saßen die drei Stars auf ihren Sesselsn und fühlten sich bei der geforderten Kritik an den jungen Künstlern sichtbar unwohl.

Ausgerechnet Stefan Raab, bekannt geworden als Vivas schlimmer Finger mit der großen Klappe, wirkte streckenweise nervös wie ein Pennäler beim Vokabeltest. Ein bisschen Rumgehibbel, ein schneller Blick zu Show-Urgestein Müller-Westernhagen. Der fand den Jury-Posten aber selbst nicht berauschend und gab laut dem Branchendienst kress.de zu Protokoll: "Jeder Wettbewerb unter Künstlern ist idiotisch".

Schülerin Lena stellte sich überzeugend als möglichen "Unser Star für Oslo" vor
© ProSiebenSchülerin Lena stellte sich überzeugend als möglichen "Unser Star für Oslo" vor

Die jungen Menschen auf der Bühne müssen die Situation teilweise ebenso schräg gefunden haben. Da standen sie und warteten auf die vorsichtigen Wortmeldungen der Musikgrößen. Nette Jungs und Mädels, die ganze Sätze sprechen, ohne das Wort "Alder" zu benutzen, Studenten darunter, Volljährige.

Ausgerechnet das Küken, die 18-jährige Schülerin Lena Meyer-Landrut, setzte das Highlight und bezauberte Publikum und Jury mit einem eher unbekannten Song der britischen Sängerin Adele. Das belohnte das Publikum mit dem Einzug in die nächste Runde, vier andere Kandidaten durften auch mit.

Der Löwenanteil von sechs Sendungen läuft auf Raabs Heimatsender ProSieben, ein Viertelfinale und das Finale werden auf ARD ausgestrahlt. Damit das dann nicht als Schock kommt, ist man offenbar lieber gleich mit einem öffentlich-rechtlichen Tempo an das Projekt gegangen. Ob der Standard-Zuschauer, der auf eine Unterhaltungssendung spekuliert hat, da noch sieben Sendungen lang mitmarschiert, bleibt abzuwarten.

cfu