Stefan Raab
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Stefan Raab Die Krönung des Stefan Raab

Beim Deutschen Fernsehpreis konnte Stefan Raab in diesem Jahr gleich zwei Preise mit nach Hause nehmen. Auch unter den Geehrten: Restauranttester Rach, Annette Frier und die Nationalmannschaft im Fußball

Wenigstens über seine Ehrungen konnte an diesem Abend nicht gestritten werden: Stefan Raab hieß der große Sieger des Deutschen Fernsehpreises 2010, der am 9. Oktober verliehen wurde. In der Kategorie "Beste Unterhaltung" wurde sein Format "Unser Star für Oslo" (ARD/NDR/ProSieben) ebenso ausgezeichnet wie der Entertainer selbst für die "Beste Leistung Unterhaltung". "Gäbe es Stefan Raab nicht, man müsste ihn erfinden.", lobte ihn der ProSieben-Geschäftsführer Thilo Proff schon im Vorfeld. Lust, sich im Kölner Coloneum auf dem roten Teppich mit seinem Schützling Lena Meyer-Landrut dreimal im Kreis zu drehen, hatte der Raab dennoch nicht.

Das übernahm allerdings andere deutsche TV-Prominenz gerne, die Damen zeigten sich dieses Jahr in auffallend schönen, langen Kleidern und tollen Aufnahmen von der Ankunft.

Ein Stimmungsproblem hatte diese Ausgabe des Fernsehpreises sowieso. Schon im Vorfeld gab es viel Unruhe, weil die ausstrahlungswürdigen Preiskategorien verändert und zusammengestrichen wurden. Ehrungen für die kreativen Köpfe hinter einem TV-Erfolg, für Drehbuchautoren, Regisseure, Musiker gab es nicht mehr. Auch Nebendarsteller wurden nicht mehr gesondert mit einem Preis bedacht. Und dass der Ehrenpreis der Stifter dann auch noch an die zwar im TV zu sehende, aber wohl kaum zur Branche zu rechnende Fußball-Nationallmannschaft gehen solte, das erschien den Fernseharbeitern auch nicht ganz fair.

So saßen im Publikum viele Protestierer mit einem kleinen silbernen Pin an der Kleidung, der verkündete "Ich bin preiswert". In Vorstell- und Dankesreden wurden mehr oder weniger deutliche Spitzen verteilt. "Für zwei Fernsehpreise gibt es eine Mitropakaffeemaschine, für einen eine Duschhaube", lästerte beispielweise Hape Kerkeling.

Glamour geht auch in Deutschland: Sophia Thomalla posiert beim Deutschen Fernsehpreis auf dem roten Teppich für die Fotografen.
© WireImage.comGlamour geht auch in Deutschland: Sophia Thomalla posiert beim Deutschen Fernsehpreis auf dem roten Teppich für die Fotografen.

Viele würdige Preisträger gab es dennoch: Der "Tatort: Weil sie böse sind" gewann den Deutschen Fernsehpreis als bester Fernsehfilm. "Danni Lowinski" (SAT1) gewann als beste Serie, Hauptdarstellerin Annette Frier nutzte ihre Dankesrede, um die Streitparteien zum Bewegen ihrer "beleidigten Ärsche" an den Verhandlungstisch aufzufordern. Die "heute-show" des ZDF wurde als "Beste Comedy" prämiert. Die hochgelobte zehnteilige Krimi-Reihe "Im Angesicht des Verbrechens" (ARD) von Dominik Graf war ebenfalls zwei Preise wert (Bester Mehrteiler, das Ensemble für die "Beste Leistung im Bereich Fiktion"). Die ARD zeigt die Miniserie übrigens ab 22. Oktober in Doppelfolgen.

Schauspielerehrungen gingen an Christoph Bach für "Dutschke" (ZDF) und Ulrike Kriener für "Klimawechsel" (ZDF). RTL konnte bei sich die Auszeichnungen für die Beste Sportsendung - gibg an die Fußballberichterstattung - und das Dokutainment-Format. Hier stach Restauranttester Christian Rach sowohl mit dem Restauranttest als auch mit der neuen Restaurantschule.

Der neu eingeführte Publikumspreis ging an die ARD-Soap "Sturm der Liebe". Sie setzte sich gegen RTLs "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" und die Sat.1-Produktion "Anna und die Liebe" durch. Welche Art Fernsehpreis das Publikum im kommenden Jahr zu sehen bekommt, steht noch in den Sternen. Möglicherweise wird sich auch die deutsche Fernsehlandschaft in die Richtung orientieren, die der amerikanische Fernsehpreis Emmy vorgibt: Nicht nur die Sender, sondern eine Akademie mit Vertretern aus allen TV-Branchen entscheidet über Auszeichnungen. Die Stifter des Deutschen Fernsehpreises - das sind großen Sendergruppen ARD, ZDF, ProSieben/Sat.1 und RTL - wollen demnächst mit den Kritikern über mögliche Varianten beraten.

cfu

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