Sebastian Koch

"Es war nicht immer einfach"

Die Dreharbeiten zu "Der Seewolf" waren für Sebastian Koch ein großartiges Abenteuer - aber auch eine Belastung für seine Beziehung. Gala erlebte den Schauspieler auf hoher See hautnah

Sebastian Koch

Verwegener Bart, braungebranntes Gesicht, muskulöse Arme

- Sebastian Koch, 47, gehört zu Deutschlands attraktivsten Schauspielern, doch so knackig wie als "Seewolf" war er noch nie. Gala begleitete Koch bei den Dreharbeiten zur Neuverfilmung des gleichnamigen Abenteuerromans von Jack London.

Auf einem historischen Segelschiff aus dem19. Jahrhundert entstanden vor der Ostküste Kanadas bei Wind und Wetter spektakuläre Szenen. Keine leichten Arbeitsbedingungen für die Crew, die den heftigen Seegang auf dem Atlantik nur mit einer täglichen Dosis Ingwerpastillen ertragen konnte. An die klebrig-süßen Drops gegen Übelkeit denkt Sebastian Koch noch heute mit Grausen zurück. Dabei hat er den Meeresritt eigentlich in guter Erinnerung, wie er Gala beim Interview in Hamburg verrät.

Hatten Sie als Landratte Probleme mit dem Seegang?

Nein, erstaunlicherweise hatte ich keine Probleme, obwohl ich noch nie vorher auf einem Schiff gewesen bin. Einige hat esdoch arg gebeutelt. Nicht schön so etwas. Aber mit einem solch alten Kahn aufs Meer rauszufahren, ist schon verdammt faszinierend. Das hat viel mit dem großen Abenteuertraum zu tun, der doch in jedem von uns schlummert.

Können Sie sich noch an Ihr erstes Abenteuer erinnern?

Als Kind ist für einen ja alles irgendwie ein Abenteuer. Die Welt ist fantastisch, groß und geheimnisvoll, und du versuchst, sie zu begreifen. Am eindrucksvollsten waren für mich die Interrail-Touren, die ich als Teenager gemacht habe. Mit meinen Freunden bin ich kreuz und quer durch Europa gefahren. Wo bleibst du die Nacht, wie findest du dich in der fremden Stadt zurecht? Ich weiß noch, wie ich dieses Gefühl der Ungewissheit und diese Offenheit genossen habe.

Ist ein Schauspieler nicht immer auch ein Abenteurer?

Der Beruf hat etwas davon, das ist richtig. Mich reizt dabei die Möglichkeit, mich in immer neuen Situationen zu erfahren. Entweder mit einer komplexen Figur wie Albert Speer oder halt mit so extremen Drehbedingungen wie beim "Seewolf". Du stehst auf einem schwankenden Schiff, um dich herum die offene See, das Wetter kann sich rasch ändern - und dann musst du überzeugend spielen. Das war nicht immer einfach.

Sie haben sich für die Rolle körperlich intensiv vorbereitet und viel trainiert. Konnten Sie die aufgebaute Muskelmasse bis heute halten?

Nach Drehschluss war das schnell wieder weg, und ich fand das gar nicht schlimm. Die Muskeln hat man so direkt kaum gesehen, die waren meistens verborgen unter mehreren dicken Jacken. Ich habe das mehr für mich gemacht, damit ich diese Wucht der Figur habe. Ich lebe gesund, aber ansonsten interessieren mich Fitnessstudios, Diäten oder Workout-Pläne nicht.

Neve Campbell (r.) spielt Maud Brewster, die es auf das Schiff des brutalen Kapitän Larsen verschlägt.

Neve Campbell (r.) spielt Maud Brewster, die es auf das Schiff des brutalen Kapitän Larsen verschlägt.

Auf diesem historischen ­Segelschiff wurde der Zweiteiler vor der Ostküste Kanadas gedreht.

Auf diesem historischen ­Segelschiff wurde der Zweiteiler vor der Ostküste Kanadas gedreht.

Auch den Bart haben Sie sofort wieder abrasiert.

Der gehörte zur Rolle dazu, ein glattrasierter Seewolf wäre ja Quatsch. Das stand mir ganz gut, und eine Zeitlang ist so etwas auch lustig, aber ich mag dieses Bartgefühl überhaupt nicht. Ich war froh, als ich ihn wieder abnehmen konnte.

Wie ist es eigentlich, wenn man die Rolle des eigenbrötlerischen Bösewichts in einem Film spielt? Ist es schwer, sich nach Drehschluss wieder in die Gruppe einzufügen?

Komischerweise nicht. Davor hatte ich auch ein bisschen Angst. Es hätte sein können, dass ich etwas vereinsame wie Larsen, aber Gott sei dank war das nicht der Fall.

Das Ende der Dreharbeiten in Kanada ist rund ein Jahr her. Was haben Sie seitdem gemacht?

Ich habe eine längere Pause eingelegt. Jetzt merke ich langsam, dass die Kraft wiederkommt und ich mich etwas Neuem zuwenden kann.

Wie war der Abschied, als klar war, jetzt sind die Dreharbeiten auf See beendet?

Traurig. Wir haben die letzte Nacht durchgetrunken, bis ins Flugzeug hinein. Wir wussten, dass eine große Zeit vorbeigeht, eine sehr emotionale Zeit.


Fast ein Jahr war Sebastian Koch in das "Seewolf"-Projekt eingebunden, mehr als drei Monate verbrachte er 2008 im kanadischen Städtchen Halifax, wo der TV-Zweiteiler gefilmt wurde. Seine einzigen Ablenkungsmöglichkeiten damals: eine geliehene Akustikgitarre und ein Computer. Die Zeit in Kanada beschreibt Koch im Gespräch als aufregend, aber auch als sehr anstrengend. Zwar waren Hollywood-Stars wie Neve Campbell oder Tim Roth mit an Bord, doch als Hauptdarsteller hatte er den stressigsten Drehplan. Der Film steht und fällt schließlich damit, wie überzeugend Koch die Rolle des getriebenen Raubeins ausfüllen kann. Hinzu kam, dass er mit seiner damaligen Freundin, der holländischen Darstellerin Carice van Houten, wochenlang nur über E-Mail und Internet-Telefon kommunizieren konnte. Im August dieses Jahres gaben die beiden wegen "der hohen beruflichen Belastung" ihre Trennung bekannt.

Haben Sie das Ende Ihrer Beziehung mit Carice van Houten gut verkraftet?

Na ja, wie es einem so geht nach einer Trennung. Aber wir haben nach wie vor ein sehr gutes Verhältnis und sehen uns fast genauso oft wie vorher. Wir haben einfach entschieden, dass wir keine Zukunft als Liebespaar haben. Wir hatten zu wenig Zeit füreinander.

Ihre Ex-Freundin ist wie Sie für den Film "Smoke and Ochre" im Gespräch. Könnten Sie es sich vorstellen, wieder mit ihr zusammen vor der Kamera zu stehen?

Natürlich können wir jederzeit zusammenarbeiten. Mein Einsatz bei dem Projekt ist allerdings noch offen.

Käpten Larsen liefert sich um die begehrten Robben­fanggründe einen erbitterten Kampf mit seinem Bruder Death (Tim Roth, r.).

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Hauke Herffs, Stefanie Richter

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