Sasha Baron Cohen als "Brüno"
© Getty Images Sasha Baron Cohen als "Brüno"

Sacha Baron Cohen - Brüno Skandale am laufenden Band

In seinem jüngsten Werk schlägt Sacha Baron Cohen als "Brüno" wieder über die Stränge. Schon während der Dreharbeiten löste er einen Skandal nach dem anderen aus

Premier Gordon Brown

verordnet er "Solarium und engere Hosen", und Prinz Harry "soll ja eine kleine Schlampe sein". Und wie immer nahm Sacha Baron Cohen auch kein Blatt vor den Mund, als er Mitte Juni in Garde-Hotpants bei der Londoner Premiere seiner neuen Realsatire "Brüno" aufmarschierte - keine Sekunde fiel er aus seiner aktuellen Rolle des schwulen österreichischen Modereporters – nach Rapper Ali G. und Borat aus Kasachstan das dritte Alter Ego des Starkomikers.

Seine Gesäß-Landung auf dem Gesicht von Rapper Eminem bei den "MTV Movie Awards" titulierte die britische Presse (in Anlehnung an Janet Jacksons "Nipplegate") umgehend "Kugelsackgate". Welchen Körperteil diese Vokabel aus Brünos Vulgär-Wortschatz meint, muss wohl nicht näher erörtert werden.

"Brüno" lässt sich mit einem Diskokugel-Panzer zur Hollywood-Premiere kutschieren
© Getty Images"Brüno" lässt sich mit einem Diskokugel-Panzer zur Hollywood-Premiere kutschieren

Fest steht: Schon vor dem Kinostart (bei uns ab 9. Juli) ist "Brüno" ein Stück Popkultur - und der Skandalfilm des Jahres. Seit Monaten gehen Cohens Anarcho-Aktionen und PR-Provokationen um die Welt. Und der fertige Film ist so erschütternd, dass er in den USA das gefürchtete R-Rating (vergleichbar mit FSK ab 18) erhielt.

Wir erinnern uns: Im Oktober 2008 sprengte Cohen alias Brüno als wandelnder Kleiderberg eine Fashion-Show in Mailand und wurde abgeführt. Dieses Szenario ist der Ausgangspunkt für "Brüno", den Film: Nach dem Laufsteg-Zwischenfall ist der flamboyante Fashionista seinen Job beim TV-Modejournal "Fünkyzeit" los und geht nach Hollywood, um Österreichs berühmtester Export seit Arnold Schwarzenegger zu werden.

Ein afrikanisches Baby als Must-Have-Accessoire, eine Swinger-Party, Echte-Kerle-Rituale (Jagen, Stramm Stehen), Selbstverteidigung mit Sexspielzeugen: Die knappen Höschen sind definitiv das Harmloseste an Cohens entlarvender Pseudo-Doku, die Geltungssucht, Rassismus und natürlich Homophobie anprangert. So krass, dass US-Schwulenrechtler befürchten, Cohen könne die Vorurteile eher noch schüren.

Zwar zeigt der 37-Jährige stets vollen Körpereinsatz. Aber die schärfste Waffe des Cambridge-Absolventen bleibt das Wort. Wie Sacha Baron Cohen Leute in Interviews (oder vor versteckter Kamera) dazu bringt, sich um Kopf und Kragen zu reden, sucht seinesgleichen. Zum Kinostart veröffentlichte die US-Ausgabe der "Marie Claire" nun auch noch Brünos "Fashion ABC". Kostprobe? "K wie 'Kampf, Mein': die Modebibel von Österreichs schwarzem Schaf, Adolf." In Wien ist bislang übrigens keine "Brüno"-Premiere geplant.

Wie weit darf Satire gehen? Nach "Borat" hatte Mr. Cohen eine Klage wegen Diskriminierung der Sinti und Roma am Hals. Diesmal wurde er noch während der Dreharbeiten wegen Körperverletzung angezeigt: Richelle Olson aus Kalifornien behauptet, Cohen habe sie bei einem Charity-Bingo-Spiel angegriffen. Die Verhandlung steht noch aus. Ob weitere Klagen folgen, bleibt abzuwarten. Nach "Brüno" wird sich jedenfalls zeigen, ob die Stars, die er im Film aufs Korn nimmt, seinen Humor teilen.

Zumindest eines seiner "Opfer" wird wohl Milde walten lassen: Bei seiner Freundin Madonna, in deren legendärem "Music"-Video er 2000 noch als Rapper Ali G. aufgetreten war, entschuldigte Cohen sich schon vorab für den bitterbösen Adoptions-Witz - mit einem großen Blumenstrauß. Privat ist er nämlich ein vollendeter Gentleman.

Ulrike Schröder

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