Richard David Precht
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Richard David Precht "Mein Ego? Sehr gut entwickelt"

Richard David Precht über sein neues Buch, sein Glück bei Frauen und seine Familie

Seine Werke über die Liebe

("Liebe. Ein unordentliches Gefühl") und die Grundzüge der Philosophie ("Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?") landeten auf der Bestsellerliste und machten Richard David Precht berühmt. Jetzt legte der wohl bekannteste deutsche Philosoph der Gegenwart ein neues Buch über existenzielle Fragen vor. Diesmal geht es um Egoismus.

Erfolgreichen und gut aussehenden Menschen unterstellt man schnell ein riesiges Ego. Wie groß ist Ihres?
Ich glaube, um mein Selbstwertgefühl ist es nicht allzu schlecht bestellt. Das hat mit mei-nem Aussehen aber nicht allzu viel zu tun. In der Pubertät war ich sehr klein und hatte keine Chancen bei Frauen. Trotzdem war mein Ego schon damals sehr gut entwickelt. Das ist eher eine Frage meiner Erziehung. Wir sind als Kinder dazu angehalten worden, für das einzustehen, was wir für richtig halten. Das hat mich stärker geprägt.

Der neue Precht untersucht die Frage: Warum wollen wir eigentlich gut sein, und was hält uns immer wieder davon ab? (Goldmann, 544 S., 19,99 Euro)
© PRDer neue Precht untersucht die Frage: Warum wollen wir eigentlich gut sein, und was hält uns immer wieder davon ab? (Goldmann, 544 S., 19,99 Euro)

Haben Sie in der Pubertät viele Mädchen abgekriegt?
Ich hatte meine erste Freundin mit 20.

Und wie haben Sie die von sich überzeugt?
Mit viel reden.

Demnach hatten Sie ja doch irgendwann Schlag bei den Frauen ...
Das weiß ich gar nicht so genau. Wenn man gut reden kann, endet man ja auch gerne als bester Freund. Meine jetzige Frau habe ich in Luxemburg kennengelernt, als ich einen Vortrag gehalten habe. Und, es war wohl nicht anders zu erwarten: Wir haben gleich sehr viel miteinander geredet.

Welche Gefühle lösen Sie bei Kollegen aus? Neid? Bewunderung?
Ich bin mit vielen Kollegen an den Hochschulen befreundet, mich hat noch nie ein Universitätsprofessor kritisiert. Wenn es Kritik gibt, kommt diese aus den Feuilletons. Nicht von den Profis auf dem Fachgebiet.

Ein Philosoph, so könnte man glauben, verbringt seinen Tag mit Nachdenken. Wie viel Zeit haben Sie dafür reserviert?
Wir haben Gehirne, die nie abschalten können, nicht mal nachts. Das heißt, man denkt eigentlich die ganze Zeit nach. Menschen unterscheiden sich nicht darin, wie viel sie nachdenken, sondern über was und wie gründlich. Da ich sehr viel Bahn fahre, finden meine intensivsten Stunden des Nachdenkens in vollen Zügen statt.

Wann haben Sie gemerkt, dass Sie Philosoph werden wollen? Ich habe 1985 im Strandurlaub in Griechenland ein Buch gelesen, in dem die Verteidigungsrede vorkam, die Sokrates gehalten hat, als er zum Tode verurteilt wurde. Das hat mich tief beeindruckt. Diese Rede hat mir einige Monate die Angst vor dem Tod genommen. Was will man mehr? Die Angst ist zwar irgendwann wieder zurückgekommen, aber trotzdem hat die Beschäftigung mit Philosophie nie mehr nachgelassen.

Wie wichtig sind Ihnen Bildung und Literatur innerhalb Ihrer Familie?
Meine Frau ist sehr gebildet, da brauche ich mir keine Sorgen machen. Aber bei den Kindern achten wir natürlich schon darauf, dass sie ausreichend Bücher lesen. Ich habe meinem Stiefsohn Matthieu mein neues Buch gewidmet. Bedingung war, dass er es vorher von Anfang bis Ende liest.

Und Sie haben ihn dann abgehört?
Sagen wir so: Wir hatten eine schöne Diskussion darüber.

Martina Ochs