Peter Marino

Der fabelhafte Biker-Boy

Wieso umschwärmt die Society plötzlich einen Architekten, der wie ein Rocker ausieht? Gala erklärt das Phänomen

Peter Marino

Peter Marino

Shop-Eröffnung bei Dior: Karl Lagerfeld und John Galliano taxieren die Gäste. Lagerfeld wie immer in Schwarz, Galliano im Leoparden-Look. Auftritt Peter Marino: Lederkluft, Boots, Sonnenbrille. Lagerfeld zu Galliano: "Baby, wir müssen dringend shoppen gehen, Peter hat aufgeholt."

Peter Marino, 60, ist der neue Eyecatcher auf den wichtigen Partys weltweit. Schönheiten wie Liz Hurley, Kylie Minogue und Kate Beckinsale umschwirren den It-Man. Auf den ersten Blick überraschend für einen Architekten, aber Marino überraschte schon immer. Der erste Kunde des New Yorkers hieß 1978 Andy Warhol. Dessen exzentrischer Pop-Art-Lifestyle prägte ihn. Nach Warhols Stadthaus entwarf er die Privatdomizile von Calvin Klein, Gianni Agnelli, Giorgio Armani und Donna Karan. Und immer wieder Flagshipstores für Luxuslabels - mit viel Kunst, edlen Materialien und Mut zum Bombastischen.

Stars wie Kylie Minogue scharen sich um Peter Marino.

Stars wie Kylie Minogue scharen sich um Peter Marino.

Marino: "Von der Sekunde an, in der ein Kunde den Laden betritt, soll er das Bedürfnis haben, alles kaufen zu wollen, alles!" Der kurze Draht zum Fashion-Business begünstigte seine Metamorphose zum stylishen Biker-Boy. Er selbst spielt die Geschichte seiner äußeren Verwandlung herunter: Nach dem Tod seiner Eltern - Marino war 50, also noch im Midlife-Crisis-Alter - habe er sich eben seinen Jugendtraum erfüllt und eine Harley-Davidson gekauft.

Anfangs fuhr er in Lederklamotten ins Büro und tauschte sie dort gegen Anzug und Krawatte. "Das wurde mir irgendwann lästig, also behielt ich die Sachen an." Die Kollegen foppten ihn als "Policeman Peter", das fand er lustig. "Dann merkte ich, dass dieser Aufzug mein Markenzeichen wurde, und dachte: warum nicht?" Heute trägt er die Lederkluft sogar, wenn er zu einem Charity-Dinner geht. Avantgarde-Designer Hedi Slimane schneidere ihm die Hosen, verrät er und gluckst: "Oh Gott, klingt es tuntig, wenn ich das sage, that’s beyond gay." Mit Schwulen-Klischees zu spielen ist Teil seiner Selbstinszenierung.

"Er selbst ist seine genialste Kreation", sagt John Galliano (2.v.r.), hier mit den Arnault-Geschwistern Antoine und Delphine, ü

"Er selbst ist seine genialste Kreation", sagt John Galliano (2.v.r.), hier mit den Arnault-Geschwistern Antoine und Delphine, über den Architekten Peter Marino.

Er habe so viele Hosen, dass er einige in seinem Ferienhaus in Aspen lagern müsse … Überhaupt sammelt Marino gern. Neben Biker-Monturen und Motorrädern (Harley, Ducati, Triumph) Bronzefiguren aus Barock und Renaissance, antike Bücher und moderne Fotografie. Bei aller Sinnenfreude ist er diszipliniert bis ins Detail. Personal Trainer coachen ihn, Vitaminpillen sind sein Lebenselixier. Sechsmal pro Woche stemmt er die Eisen - der Bizeps soll ja prall sein unter den ledernen Oberarm-Riemen. Dieser Mann arbeitet an sich, oder, wie Galliano sagt: "Peters genialste Kreation ist er selbst."

Noch ganz zurückhaltend mit weißem Hemd zeigte sich Peter Marino mit Bernard Arnault bei einer Louis-Vuitton-Shoperöffnung 2004

Noch ganz zurückhaltend mit weißem Hemd zeigte sich Peter Marino mit Bernard Arnault bei einer Louis-Vuitton-Shoperöffnung 2004 in New York.

Dass er Anstoß erregt, weiß Marino. Die anderen Eltern an der Privatschule seiner heute 18-jährigen Tochter Isabel mieden ihn stets. "New York ist intoleranter, als man glaubt", sagt er dazu. Bei einem Dinner in Paris wurde er kürzlich von Fotokünstler Andreas Gursky geschnitten - das wurmte ihn richtig. "Er ist Deutscher, er fand meinen Auftritt natürlich nicht witzig", kommentiert er. Scheinbar abgeklärte Worte, die aber durchscheinen lassen: Marino will nicht nur beachtet, sondern geachtet werden.

Seine Frau Jane Trapnell, eine Kostümbildnerin, ist da vorbildlich. Sie gehe mit seiner Maskerade völlig entspannt um, sagt Marino: "Jane stammt aus Schottland. Sie ist hart wie Stahl." Wie wohltuend für sein Ego, dass die seriöse Wallace Collection in London ab 29. April seine private Bronzefiguren-Sammlung ausstellt.

Viele halten ihn für genial, manche für peinlich, einige seiner 140 Angestellten für despotisch. Andy Warhol notierte mal in seinem Tagebuch: "Aus Peter werde ich einfach nicht schlau." Genau darum geht es Peter Marino wahrscheinlich.

Bettina Klee

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