Opernball 2010

Mehr als Walzer

Der Wiener Opernball mausert sich wieder zur kulturellen Institution mit Gesang und Ballett. Die Standard-Promis fehlten natürlich trotzdem nicht, und Dieter Bohlen sah im Frack ganz schick aus

"Alles Walzer" - das gilt jedes Jahr. Alles Kultur, das ist eine alte Tugend des Wiener Opernballs, die er erst in den letzten Jahren wiederentdeckt. Ein bisschen weniger lautes C-Promi-Treiben, ein bisschen mehr Köpfe aus der Kunst- und Theaterszene, große Ballettsolisten, Oper aus Kinder- und Erwachsenenmund. Der Baulöwe Richard "Mörtel" Lugner schaut natürlich trotzdem vorbei und bringt seinen eingekauften Stargast mit.

Diesmal sollte es die US-Schauspielerin Lindsay Lohan werden. Die geht letztlich aber lieber shoppen, betritt das Flugzeug nicht. Innerhalb von 20 Stunden muss der Unternehmer Ersatz beschaffen - und findet ihn in Dieter Bohlen mit Freundin Carina. Zum feierlichen Auftakt des Balles hat sich vor allem die Politprominenz versammelt, die Damen zieht es im Schneetreiben vom roten Teppich vor der Tür schnell nach drinnen. Wo steckt Bohlen? Den Interview-Marathon auf der überfüllten Stiege, das mühsame und langsame Treppauf umgeht die Lugner-Gang erstmal.

Aber später dann gucken sie aus Lugners Loge recht gut gelaunt und entspannt von oben in die Kameras: der Dieter und seine Freundin Carina. Bohlen - ganz Gentleman - stehend, die raren Sitzplätze gebühren den Ladys. Bis 1.30 Uhr halten der DSDS-Juror und die Dame an seiner Seite durch.

Mehr Blitzlicht will Boxenluder Katie Price abgreifen, die der Lugner nicht hatte einladen wollen - dann tat es halt das Unternehmerpaar Irene und Alexander Mayer. In einer hellblauen Robe à la Disney-Prinzessin strahlt sie in die Kameras, haucht dem ORF ein "Ich fühle mich wie eine Lady und freue mich auf den Abend" zu und möchte gerne in den nächsten Jahren auch kommen.

Partyprinz Marcus von Anhalt gabs im Paket mit dazu, der findet es auch toll. Nur die Gastgeber, die zweifeln, wollen sich den Trubel nicht unbedingt wieder antun.

Kurz nach 22 Uhr stehen dann nicht mehr die Gäste, sondern die Darbietungen im Fokus. Erst die Hymne, dann die 144 Debütanten-Paare. Hübsch verzierte Sträuße aus pinkfarbenen Ballhortensien tragen die Jungdamen diesmal in der Hand.

Auf dem Kopf glitzert das traditionelle Swarovski-Diadem, dieses Jahr besonders hübsch anzuschauen mit strahlenförmigen angeordneten Steinen, die insgesamt ein Gefühl von Wasser und Wellen vermitteln sollen. Zwei Zwillingspaare sind dabei, ein Schwung Diplomatenkinder, der Sohn des Staatsoperndirektors.

Die grünen Damen, die unauffällig mitmarschieren, gehören zu den ausbildenden Tanzschulen. 288 Jugendliche marschieren ein - und müssen dann eine ganze Weile stehen. Zum Glück sieht man niemanden umfallen.

Zunächst tritt das Ballett auf, erstmals wird dafür ein Flügel aufs Parkett getragen. Pianist Krysztof Jablonski spielt Chopins "Minutenwalzer", Ballettschüler und Solotänzer tanzen dazu in Rot und Weiß - 2010 gedenkt man des 200. Geburstages von Frederic Chopin. Weils so schön kulturell ist, geht es mit Oper weiter. 14 in der Staatsoper aufgeführte Stücke, gesungen von 13 Solisten des Hauses und dem Opern-Kinderchor - da weiß man wieder, warum die Veranstaltung Opernball heißt. Staatsoperndirektor Ioan Holender schließt mit einer Arie aus der Fledermaus - und gewinnt in Dieter Bohlen einen Fan. "Wenn das live war, ist er ein Genie", sagt Mr. Casting. Selber singt er aber nicht mit.

Klassische Opernball-Gäste verhalten sich auch still, gesetzt, lächelnd: Thomas Gottschalk ist mit seiner Frau Thea da, Edmund Stoiber mit seiner Karin. Die Tanzfläche ist überfüllt, jedes Jahr scheint es, als ob es nicht mehr enger werden kann. Aber zumindest einen kurzen Ausflug aufs Parkett mag sich fast niemand entgehen lassen. Dann verteilt man sich sowieso wieder auf die Nebenräume, an die Bars und an den Würschtlstand vor der Staatsoper.

Alles Walzer, alles Warten - nächstes Jahr wieder, schön wars, Servus, Fernseher aus.

Star-News der Woche

Gala entdecken