Michael Jackson
© Freitext Michael Jackson

Michael Jackson Neues vom King of Pop

Michael Jacksons erste Post-Mortem-CD ist das beste Album des King of Pop seit 20 Jahren

Dass die besten Platten eines großen Künstlers zuweilen erst nach seinem Tod erscheinen, wissen wir nicht erst seit dem dafür bemerkenswert gebliebenen Beispiel "Life after Death" von Notorious B.I.G. (1997). Allerdings ist die am Freitag (10. Dezember) erschienene "Michael" nicht die beste Platte von Michael Jackson. Aber es ist die beste seit 20 Jahren - und das ist ja schon etwas.

Es gilt als extrem wahrscheinlich, dass es im Nachlass des Musikers sehr viel - auch eingesungenes - Material gibt, das nach dem Tod zu Platten gemacht werden kann. So etwas ist nicht ungewöhnlich. Umso irritierender ist, dass auch im Begleittext zur Platte ausführlich Gerüchte aufgegriffen - und von der Plattenfirma natürlich demontiert - werden, dass es sich bei einigen Stücken auf der neuen CD nicht um Michael Jacksons Stimme gehandelt haben könnte. Wir wollen jetzt, auch im Interesse zukünftiger Veröffentlichungen durch seine Plattenfirma Sony, einmal überzeugt davon sein, dass alles echt ist, obwohl, aber vielleicht auch weil die Stimme des Sängers auf dieser Platte so frei, schön und geradezu jung-entspannt klingt wie auf Aufnahmen seit 20 Jahren nicht, und das ist toll: Nichts von dem musikalisch und stimmlich geradezu verärgert klingendem Protest der qualitativ aber abgefallenen CD "Invincible" (2001) oder Stücken von "HIStory" (1995), auf der er seine Stimme unschön einpresste und versteckte (ohne damit unterschlagen zu wollen, dass dieses Stilmittel seinerzeit auch zu einigen wenigen musikalischen Meilensteinen wie "Scream" mit seiner Schwester Janet geführt hat).

Die neue Platte bringt thematisch in vielen Titeln die michael-jackson-übliche Weltschmerz-Melange, die inhaltlich heutzutage im Vergleich zu katy-perry-beschwingter neuer Unbekümmertheit einfach nervt. Auf der anderen Seite sind einige solcher Stücke musikalisch offensichtliche und dennoch wahrscheinlich langlebige da qualitativ sehr gut gemachte Hits, die einfach Spaß machen. Das vorab - natürlich angeblich ungewollt - in einer Vorabversion online öffentlich gewordene Duett mit Akon "Hold my hand" ist so ein Stück, aber auch typisch für den eleganten und meist hochwertigen Stil des Rests der Platte.

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Natürlich sind auch ein, zwei richtig schwache Dinge dabei - welche CD hat die nicht. Im Hinblick darauf bleibt aber ein kleiner Nachgeschmack angesichts der nur geizigen zehn Stücke auf der CD, denn so musikalisch in sich komplett geschlossen ist das Werk nicht, als dass da stilistisch nicht noch ein wenig mehr aus dem Nachlass draufgepasst hätte. Die Plattenfirma hat, auch nach eigener Aussage, diese Platte einfach schnell veröffentlichen wollen. Auch das verzeiht man, hofft aber, dass dieser Bogen mit sicher anstehenden weiteren Veröffentlichungen nicht überspannt wird. Denn dann könnte die Freude über einige Highlights auch in Ärger über die Veröffentlichungspolitik umschlagen.

Seit der oft unterschätzten aber kompositorisch und produktionsmäßig anspruchsvollsten und wahrscheinlich besten Michael-Jackson-Platte "Dangerous" (1991) ist "Michael" aber wieder ein wahrer Lichtblick. Und wenn die richtigen Produzenten gefunden werden, könnte das Post-Mortem-Werk noch sehr spannend werden.

gpo