Kristiane Backer
© Picture Alliance Kristiane Backer

Kristiane Backer Von MTV nach Mekka

Kristiane Backer befand sich als Moderatorin bei "MTV" mitten in der Glamourwelt der Stars. Doch glücklich wurde sie erst, als sie den Koran für sich entdeckte. Nun hat sie ein Buch über ihren Lebenswandel geschrieben

In den 90er Jahren

sagte sie im Fernsehen die neuesten Video-Clips an, jettete regelmäßig zwischen London, Berlin und New York hin und her und interviewte große Stars wie die "Rolling Stones" und Lenny Kravitz - Kristiane Backer war die erste deutsche "MTV"-Moderatorin und verwandelte sich damit selbst in so etwas wie einen Star. Immerhin zählten Musikgrößen wie Bryan Adams und Seal plötzlich zum Freundeskreis der damals 24-Jährigen.

Jetzt, fast zwei Jahrzehnte später, sieht Kristianes Leben anders aus. Auf ihrem Tagesplan steht anstelle eines Interview-Termins mit Kylie Minogue fünfmaliges Beten und während des Ramadans heißt es jetzt Fasten. Seit nunmehr 14 Jahren ist die einstige "MTV"-Diva gläubige Muslimin und freut sich darüber, heute über den Propheten Mohammed berichten zu können und nicht über die Beziehungprobleme von Madonna und Co..

Kristiane Backer wurde erst durch ihren Mann Rachid Jaafar zur Konvertierung inspiriert
© Picture AllianceAm 14. April 2006 heiratete Kristiane den Fernsehjournalisten Rachid Jaafar. Inzwischen sind die beiden wieder getrennt

Doch wie kam es zu dem Wandel? In einem Interview mit der "Zeit" erzählte Kristiane einmal: "Ich war Ende zwanzig, auf dem Gipfel meiner Karriere, aber ich habe irgendwann gemerkt, dass es keine Zufriedenheit bringt, auf VIP-Partys dabei zu sein. Vor 70.000 Leuten habe ich live moderiert, saß dann ein paar Stunden später allein im Hotelzimmer und spürte Leere." In dieser Zeit lernte die Moderatorin den pakistanischen Cricketspieler Imran Khan kennen, der ebenfalls eine Art Star war. Auch er lebte, wie Kristiane, in London. Die beiden verliebten sich ineinander, wurden ein Paar und kurze Zeit später nahm Imran Kristiane mit in sein Heimatland, sie kündigte ihren Job bei "MTV".

"Anfangs hatte ich die gleichen Vorurteile wie jeder, der sein Wissen den Medien entnimmt. Doch dann brachten Freunde mir Bücher über den Islam mit, und der Koran hat mich intellektuell überzeugt und ins Herz getroffen", sagt Kristiane. Die Protestantin war so sehr beeindruckt, dass sie 1995 konvertierte, auch wenn ihr Freund sie verließ. "Imran war das perfekte Werkzeug Gottes für mich", glaubt sie heute.

Doch leicht wurde es nicht für die Hamburgerin: In Talkshows musste sie plötzlich Motive von Islamisten erklären, verlor ihren damaligen Job bei "Bravo TV" und wurde nach den Vorfällen am 11. September 2001 selbst von Freunden angefeindet. Dabei lehnt Kristiane Radikalismus vehement ab. "Islam bedeutet Friede. Keine Region ist davor gefeit, was Terroristen und Extremisten daraus machen", erzählte sie der "Welt". Auch die Unterdrückung von Frauen in vielen muslimischen Ländern sieht die Konvertitin in einem anderen Licht und nicht als spezielles Problem des Islam: "Keine Religion unterdrückt Frauen. Männer unterdrücken Frauen."

Über ihren Wandel vom "MTV"-Gesicht zur europäischen Muslimin schrieb Christiane, die inzwischen wieder in London lebt und nach wie vor für die Medienwelt arbeitet, ein Buch. In "Von MTV nach Mekka - Wie der Islam mein Leben veränderte" erzählt Kristiane Backer von der einstigen Leere in ihrem Leben, die durch ein Leben nach den Regeln des Korans in Freude verwandelt werden konnte.