Kinotipp "Public Enemies"

Im neuen 30er Jahre Gangsterfilm "Public Enemies" stehen sich die brillianten Schauspieler Johnny Depp und Christian Bale als Staatsfeind und FBI-Agent gegenüber

Story:

Kaugummikauend tritt John Dillinger (Johnny Depp) ins Bild. Der meistgesuchte Bankräuber des 20. Jahrhunderts ist wieder auf dem Weg ins Gefängnis, doch nicht um eingebuchtet zu werden, sondern um seine Crew zu befreien. Während der "Great Depression" in den USA raubt Dillinger mit seiner Bande die großen Banken aus und erhält im Volk den Ruf eines modernen Robin Hood. Bei den Überfällen dürfen die Bankkunden ihr Geld behalten, denn "wir wollen nicht Ihr Geld, wir wollen das der Bank."

Melvin Purvis (Christian Bale) und sein Team versuchen Dillinger aufzuspüren
© Getty ImagesMelvin Purvis (Christian Bale) und sein Team versuchen Dillinger aufzuspüren

J. Edgar Hoover (Billy Crudup), Chef der Bundespolizei aus der bald das berühmte "FBI" werden sollte, setzt den Südstaatenpolizist Melvin Purvis (Christian Bale) auf Dillinger an. Purvis, bald bekannt als "Clark Gable des FBI", macht es sich fortan zu seiner Lebensaufgabe den Staatsfeind Nr. 1 zu jagen. Doch Dillinger scheint immer einen Schritt voraus zu sein. Der charismatische Bankräuber, der im Beisein von Frauen auch niemals flucht, zieht alle in seinen Bann, so sehr, dass selbst manch ein Gefängnisführer sich gerne Arm in Arm mit seinem berühmten Insassen ablichten lässt. Eingewebt in dieses Katz- und Maus-Spiel zwischen dem Verbrecher und Purvis ist Dillingers tragische Liebesgeschichte mit der bezaubernden Garderobiere Billie Frechette - wunderbar dargebracht von Oscar-Preisträgerin Marion Cotillard.

Wie der Film endet ist jedoch klar, schließlich weiß zumindest in Amerika auch jedes Kind, was mit John Dillinger geschah. Dillinger ist ein Mann - frei wie ein Vogel -, kann jederzeit dorthin gehen, wo und wann auch immer er es will. Ein Thema, dass sich nicht nur dank des Liedes "Bye, bye Blackbird" quer durch den Film zieht. Wenn John Dillinger sich entscheidet, während einer Polizei-Razzia aus seinem Auto zu steigen oder mitten in das Polizeipräsidium zu treten, welches speziell mit seiner Suche beauftragt ist, um nach den neuesten Baseball- ergebnissen zu fragen, dann gelingt ihm das Vorhaben völlig problemlos. Doch die Polizei kommt ihm letztlich dann gefährlich nah, als ein Mensch in Dillingers engster und vertrautester Umgebung, selbst nicht die Freiheit hat zu entscheiden, wann es ihn wohin verschlägt und sich dies als perfektes Druckmittel seitens des "FBI" anbietet.

Regisseur Michael Mann setzt das Thema dank HD-Technik in einem dokumentarischen Stil bildlich um. Die teilweise hektischen Bilder der hochauflösenden Digitalkameras folgen den Bewegungen der Stars und inszenieren einen sehr realistischen Look. Die gesamte Atmosphäre des Films wird dominiert durch die bläulich-kalten Farben. Doch diese besondere Ästhetik führt nicht etwa zu einer unangenehmen Distanz zwischen Zuschauer und dem Protagonisten. Ganz im Gegenteil bieten die realisitsch anmutenden und wackeligen Bilder eine schöne Abwechslung zu den knallig-poppigen und lauten Musicclipszenen bekannt aus CSI-Folgen oder Actionfilmen wie "Transformers" und Co..

Star-Feature:

Johnny Depp spielt den Gangster mit Charme und Selbstsicherheit, immer verbirgt sich ein Lächeln in seinen Mundwinkeln. Der "Fluch der Karibik"-Star und sein Kollege Christian Bale eigneten sich für die Rollen eigens einen starken Südstaatenakzent an. Das geht natürlich in der deutschen Fassung völlig verloren, in der Christian Bale übrigens einen neuen Synchronsprecher hat - in vorherigen Filmen wurden nämlich die Rollen von Bale als auch von Depp beide von David Nathan gesprochen.

Um am Set jedoch völlig in seiner Rolle zu bleiben, zog sich Christian Bale weitgehend zurück: "In Aufnahmepausen will ich mich nicht unterhalten. Johnny schien damit ebenfalls glücklich zu sein," erklärt der Schauspieler in einem Interview. Vielleicht blieb ihm aber auch gar nichts anderes übrig, denn Johnny Depp und seine Pariser Kollegin Marion Cotilliard unterhielten sich fast durchweg auf Französisch. Für Depp war das im Gegensatz zu Bale auch gar kein Problem, schließlich ist Frankreich seine Wahlheimat: "Wir haben manchmal am Set Französisch miteinander gesprochen, vor allem wenn wir nicht wollten, dass jemand anders weiß, was wir sagten!"

Fazit:

Zwar ist nach dem Film auch den deutschen Zuschauern der berühmte "John Dillinger" ein Begriff, doch wer er wirklich war, wie er zu dieser schillernden Persönlichkeit wurde und was ihn ausmachte, all dies bleibt leider auch nach dem Kinoerlebnis im Unklaren.

Das schillernde und spannende Leben von John Dillinger bietet eigentlich eine Vorlage für eine weitaus bessere Geschichte; vielleicht war Michaels Manns Konzentration auf die letzten 13 Monate im Leben des John Dillinger eine zu starke Einschränkung. Man kommt zwar wieder in den Genuss großer Charakterdarsteller, doch die Geschichte schafft es nicht alle Fragen zu beantworten. Und das trotz der imposanten Dauer von 143 Minuten. Johnny Depp ist es zwar gelungen, trotz der Länge diese Geschichte zu tragen, doch dies allein reicht nicht aus, um Michael Manns neuestes Werk neben den berühmten Gangsterfilmklassikern wie "Bonnie und Clyde" oder auch "Heat" einzureihen.

Für Fans von Johnny Depp, Christian Bale oder Michael Mann-Filmen ist der Streifen dem ungeachtet allemal etwas.

Caroline Schön

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