Ryan Gosling in "Lars und die Frauen"
© Central Ryan Gosling in "Lars und die Frauen"

Kinotipp "Lars und die Frauen"

Beim Filmfestival in Toronto war dieser Film ein Superhit. Haben die schrägen Kanadier wohl tatsächlich Erfahrung mit wortkargen Typen im Schnee, die mit dem ganzen Dorf eine Lebensgemeinschaft mit einer Gummipuppe beginnen?

Mach mal Platz, Puppe - sowas könnte Lars (Ryan Gosling) zu seiner neuen Freundin sagen, ohne dass sie sauer wird oder irgendjemand ihn böse anschaut. Würde er aber dennoch nicht, denn Lars liebt seine Bianca. Und Bianca ist eine Sexpuppe, bestellt per Internet.

Was beginnt wie ein Film über einen komischen Kauz, ist ein Film über einen komischen Kauz. Aber einen sehr liebenswerten. Genau das trifft auch auf Regisseur Craig Gillespiels ganzes Werk "Lars und die Frauen" zu, das auf den Filmfesten der Welt viel Beifall bekam und sowohl für den Golden Globe als auch für den Oscar nominiert war.

Abendessen mit Puppe: Lars und Bianca beim Familiendinner
© CentralAbendessen mit Puppe: Lars und Bianca beim Familiendinner

Ryan Gosling spielt Lars Lindstrom, einen scheuen, fast autistisch anmutenden jungen Mann, der in der umgebauten Garage hinter dem Haus der Familie lebt. Im Haus selbst wohnen Lars' Bruder Gus (Paul Schneider) und dessen schwangere Frau Karin (Emily Mortimer). Beide versuchen ebenso besorgt mit Essenseinladungen und Kurzbesuchen in Lars' kleine Welt vorzudringen wie seine neue Arbeitskollegin Margo (Kelli Garner). Ohne Erfolg - der Knabe kuschelt sich einfach in seine hellblaue Lieblingsdecke und beschränkt seine Sozialkontakte auf die sonntäglichen Kirchgänge.

Bis Bianca in sein Leben tritt. Per Postpaket. Bianca ist aus Plastik, hat grell geschminkte, aufgeplusterte Lippen und kann über eine einschlägig orientierte Internetseite bestellt werden. Lars zieht ihr etwas Ordentliches an, wischt den Lippenstift ab und lädt sich und seine neue Freundin - sie sei eine halb-brasilianische, halb-dänische Krankenschwester, die leider im Rollstuhl sitze - zum Essen bei der Familie ein. Was folgt, dürfte als das Dinner mit den meisten wortlosen Stirnrunzel-und-Augenzwinkergesten in die Kinogeschichte eingehen. Wie erklärt man dem kleinen Bruder, dass er offenbar völlig durchgedreht ist?

Gus und Karin suchen Hilfe bei der örtlichen Psychiaterin (Patricia Clarkson) - und die rät ihnen, das Spiel einfach mitzuspielen. Was in der Familie beginnt, erfasst nach und nach die Kollegen, die Dorfbewohner und sogar den konservativen Kirchenkreis. Bianca beginnt, ein echtes Leben (mit einem Terminkalender am Kühlschrank) zu entwickeln. Wie das von statten geht und ob es am Ende ein glückliches Paar geben kann, das muss man einfach selbst gesehen haben. "Lars und die Frauen" ist die schräge, liebevolle Weltverbesserungskomödie des Frühjahrs!

Stars

Ryan Gosling, Emily Mortimer, Patricia Clarkson



Den Trailer und weitere Informationen zum Film gibt es auf >>der Internetseite von "Lars und die Frauen" .



Claudia Fudeus