Kinotipp "Brüno"

Mit "Brüno" ist Sacha Baron Cohen zurück auf der Kinoleinwand und voll in seinem Element. Er provoziert, spaltet, schockiert - und führt den Kinobesuchern ihre eigene Doppelmoral vor Augen

Story:

Brüno (Sacha Baron Cohen), ehemals österreichischer Celebrity-Reporter, Moderator von "Funkyzeit mit Brüno" und Vollzeitschwuler, ist das Promi-Alphabet nach unten gepurzelt und nun nicht mal mehr als Z-Promi zu finden. Schuld ist sein verpatztes Interview hinter den Kulissen von Agatha Ruiz de La Prada. Nachdem ihn sogar sein Assistent und Geliebter verlässt, steht Brüno fast ganz alleine da. Fast, denn Lutz, der Assistent seines Assistenten, hält weiter zu ihm, schließlich ist Brüno seine große Liebe. Also macht sich der Paradiesvogel gemeinsam mit Lutz (Gustaf Hammarsten) auf nach Hollywood. Sein Ziel: "Isch was going to bet the biggest Austrian Superstar since Hitler."

Brüno lässt nichts unversucht, um echten Star-Appeal zu bekommen: Doch weder Sex-Tape, sein Einsatz für den Weltfrieden noch die Adoption eines kleinen afrikanischen Babys bringen den gewünschten Erfolg. Schließlich gelangt er zu der Erkenntnis: Tom Cruise, John Travolta und Kevin Spacey – alle großen Stars sind hetero. (Wobei sich gerade die genannten Stars in der Vergangenheit immer wieder gegen Gerüchte zu ihrer angeblichen Homosexualität gewehrt haben.) Brüno sieht also nur einen Ausweg: Er sucht einen "Gay-Converter" (zu deutsch "Homosexuellen-Umwandler") auf und läutet damit den Showdown seiner skurrilen Reise ein ...

Star-Feature:

Der studierte Historiker Sacha Baron Cohen möchte mit seinen Figuren vor allen Dingen eines: Wachrütteln und die Gleichgültigkeit der Gesellschaft entlarven. Indem er seine Gesprächpartner in der Sicherheit wiegt, unter Gleichgesinnten zu sein - sei es als antisemitischer Borat oder sexistischer Brüno - entlockt er ihnen die unfassbarsten Aussagen. Aus Cohens gesamten Repertoire zählt "Brüno" zur Figur der allerersten Stunde, inspiriert von seinen eigenen Modelerfahrungen: Die ersten "Brüno"-Sketche erschienen bereits 1998 auf "The Paramount Comedy Channel". Neben seinen prominenten Gästen stürzt sich Sacha alias Brüno auch bei diversen Modenschauen auf die anwesenden Stars, interviewte unter anderem auch Gisele Bündchen.

Für seine Rollen gibt Sacha alles. So erlitt er während der Dreharbeiten zu "Brüno" sogar eine ernste allergische Reaktion auf das Wasserstoffperoxid, mit dem er seine gesamten Körperhaare für die Rolle bleichen ließ. Sacha Baron Cohen ist eben ein Schauspieler, der seine Rollen bis ins kleinste Detail ausarbeitet. Nach eigenen Worten verbringt er fast bis zu 14 Stunden am Tag als sein Alter Ego - sicher nicht leicht für Sachas Lebensgefährtin, die Schauspielerin Isla Fisher.

Fazit:

Lauter, schriller, exhibitionistischer: Nach "Borat" setzt Sacha Baron Cohen mit "Brüno" noch einen drauf. Zwar geht er dabei weit über die Grenzen des guten Geschmacks hinaus, doch nur so entlarvt er letztlich sein Gegenüber -ganz gleich, ob homophobe Männer oder fanatische Casting-Mütter. Cohen selbst nimmt dafür einiges auf sich: Selbst als er von einer Domina ausgepeitscht wird, fällt er nicht aus seiner Rolle. Das allein ist natürlich absolut beeindruckend.

Auch Sachas Ambitionen, Deutsch zu sprechen, sind eine wahre Freude, weshalb der Film für Brüno-Fans im Original ein Muss ist. Wer sich also nicht abschrecken lässt von der Vorstellung, dass Brüno über ein Medium mit dem verstorbenen Milli Vanilli-Sänger Rob Pilatus in erotischen Kontakt tritt, der wird sich in diesem Streifen sicherlich amüsieren. Für zartere Gemüter ist die Krawallsatire jedoch weniger empfehlenswert.

Caroline Schön

Video