Kinotipp

"Evet, Ich will"

"Evet, ich will" erzählt humorvoll von vier deutsch-türkischen Beziehungen in einem Berliner Hochhaus

Evet, ich will: Oliver Korritke, Lale Yavas

Evet, ich will: Oliver Korritke, Lale Yavas

Story

Mitten in Berlin steht ein Hochhaus, in dem vier ganz verschiedene Paare lieben, streiten und heiraten - sozusagen Robert Altmans "Short Cuts" auf Deutsch-Türkisch.

Da ist zum einen Dirk (Oliver Korittke), der seine Freundin Özlem heiraten will. Seine Öko-Eltern finden Heiraten allerdings grundsätzlich veraltet und Özlems Eltern wollen, dass der Bräutigam in spe zum Islam konvertiert. Radiomoderator Coskun will ebenfalls heiraten - und zwar seine Günay. Das Problem: Er ist Kurde, und das gefällt Günays türkischer Familie natürlich gar nicht. So bleibt Coskun nur eine Lösung der altmodischen Art: Er muss die Braut entführen, und zwar zusammen mit seinen trotteligen Kumpels. KFZ-Mechaniker Emrah hat ganz andere Probleme: Seine Braut ist ein deutscher Mann! Wie er das seiner Familie beibringen soll, weiß er noch nicht - die arrangiert nämlich schon seine Hochzeit mit einem türkischen Mädchen ... Der aus der Türkei eingereiste Salih sucht auch eine Frau, aber nicht weil er unbedingt heiraten will, sondern weil er eine Aufenthaltsgenehmigung braucht. Sein Onkel hat für ihn schon die schüchterne Sülbiye ausgesucht, die schon lange von einer Hochzeit träumt.

"Aber meine Eltern dürfen das nicht wissen" : Emrah (Eralp Uzun) und sein Tim (Mickey Hardt)

"Aber meine Eltern dürfen das nicht wissen" : Emrah (Eralp Uzun) und sein Tim (Mickey Hardt)

Star Feature

Für Regisseur Sinan Akkus war Oliver Korittke die absolute Wunschbesetzung: "Wir haben Schauspieler gewählt, die bereits dadurch bekannt waren, dass sie zugespitzte Figuren spielen können, wie Oliver Korittke", sagte er in einem Interview zum Start von "Evet, ich will". Und er hat eine gute Wahl getroffen, schließlich gehört Korittke zu den profiliertesten deutschen Charakterdarstellern.

Oliver Korittke in "Evet, ich will"

Oliver Korittke in "Evet, ich will"

Seine Karriere begann er als Vierjähriger Dötz in der "Sesamstraße". Mit 15 schmiss er die Schule, jobbte und nahm nebenbei Schauspielunterricht. Immer wieder tauchte in den 80er und 90ern in TV-Serien wie der "Schwarzwaldklinik", "Polizeiruf 110" und "Rosa Roth" auf und spielte Theater.

1997 gelang dem 31-Jährigen dann als trotteliger Bulle in "Die Musterknaben" der Durchbruch. Anschließend spielte er in vielen deutschen Erfolgsfilmen wie "Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit", "Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding" und "Agnes und seine Brüder" mit. Außerdem versuchte sich Oliver Korritke auch als Moderator fürs Fernsehen, zum Beispiel bei der "MTV"-Show "Pimp my Fahrrad" und übernahm eine regelmässige Rolle im ZDF-Krimi "Wilsberg".

"Evet, ich will" startet am 1. Oktober in den Kinos

"Evet, ich will" startet am 1. Oktober in den Kinos

Fazit

Ganz klar: "Evet, ich will" ist voller Klischees, aber die machen richtig Spaß: Ob Türken, Kurden, Deutsche, oder Farbige - hier bekommt jeder sein Fett weg. Das Spiel mit den Nationalitäten und der Blick auf die sympathischen Eigenarten - "Evet, ich will" ist das türkische "Maria, ihm schmeckt's nicht".

Dabei ist der Film optisch nicht sonderlich aufregend, aber mit viel Liebe zum Detail umgesetzt. Unter dem Dach eines runtergekommenen Hochhauses hält Regisseur Sinan Akkus alle Erzählfäden zusammen, auch wenn zwischendurch mal der ein oder andere Erzählstrang ein wenig untergeht.

Gerade die Geschichte des schwulen Automechanikers Emrah und seines Outings bleibt teils auf der Strecke, was aber auch an der eher blassen Leistung von Darsteller Eralp Uzun ("Alle lieben Jimmy") liegt. Der Mädchenschwarm überzeugt diesmal nicht in einer schwulen Rolle - das hat er in dem Film "Straight" schon einmal besser hinbekommen. Dafür zeigt er aber jede Menge nackte Haut, was besonders die weiblichen Kinobesucher freuen dürfte.

Die anderen Darsteller machen ihre Sache aber wirklich gut: Oliver Korittke spielt - was er am besten kann - einen liebenswerten Trottel. Heinrich Schafmeister ("Die Camper") ist großartig als als frustrierter und politisch inkorrekter Hippie-Vater und auch Mürtüz Yolcu als oberflächlicher Bauer auf Brautsuche macht richtig Spaß. Gaststars wie Dieter Landuris als Schlosser oder Rapper Trooper da Don lockern das Ganze noch weiter auf.

Kurzum: "Evet, ich will" ist wie ein türkischer Mokka: sehr süß, ein bisschen bitter und wirklich gute Unterhaltung!

Philipp Fleiter

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