Hörfilmpreis
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Hörfilmpreis Filme mit den Ohren gucken

Eine große deutsche Preisverleihung für Filme findet bisher wenig Beachtung: der Deutsche Hörfilmpreis. Dabei ist der Hörfilm ein spannendes Metier und die Filmauswahl hochkarätig

"Wir schauen einen Film an" - mit diesem Satz können sich nicht alle Menschen fürs Kino oder einen DVD-Abend verabreden. Blinden und Sehbehinderten nützt in der Regel die größte Multiplexkino-Leinwand nicht, wenn sie der Handlung in den Bildern nicht folgen können. Seit Mitte der Siebziger Jahre gibt es dafür aber eine Lösung: den Hörfilm, der 1989 sogar beim glamourösen Filmfestivals in Cannes seinen europäischen Einstand feierte. Nur die Sehenden, die kennen ihn bis heute nicht.

Was passiert?

Tatort-Kommissare Boris Aljinovic und Dominik Raacke beim Hörfilmpreis 2009
© DHFPTatort-Kommissare Boris Aljinovic und Dominik Raacke beim Hörfilmpreis 2009

Um einen Film zum Hörfilm zu machen, werden die Dialogpausen mit Beschreibungen gefüllt. Beschrieben werden Umgebungen, Verhalten, Geschehenisse, Gesprächssituationen. Wer nicht weiß, dass "Harry und Sally" in einem Restaurant sitzen, wird die berühmte Orgasmus-Szene nur halb so lustig finden. Wer die Minen von Moria im "Herrn der Ringe" nicht sehen kann, gruselt sich nicht.

Die Schauspieler, die den zusätzlichen Sprechtext, die so genannte Audiodeskription vornehmen, haben also eine schwere Aufgabe. Und gleichzeitig eine spannende Rückerinnerung. Schauspieler Boris Aljinovic beschreibt es als eine Situation, in der man fast wieder zum ersten Drehbuchlesen zurückversetzt wird. Als man die Anweisungen und das Bildhafte der Szene zunächst auch nur in kargen Sätzen auf dem Papier wiederfand.

Wer ist nominiert?

Viel Platz für die Erklärungen bleibt nicht, und die Atmosphäre des Streifens darf auch nicht leiden. Kein Wunder, dass es nicht unbedingt die bunten actionlastigen Blockbuster sind, die sich als erste als Hörfilm wiederfinden. Das spiegelt auch die Nominiertenliste des Jahres 2010 wieder. Namhafte Produktionen, die auch im regulären Filmgeschäft Preise abgeräumt haben, sind dennoch dabei:

* "Der Vorleser" (2008, Regie: Stephen Daldry)
eingereicht vom Bayerischen Rundfunk

* "Im Winter ein Jahr" (2008, Regie: Caroline Link)
eingereicht von Highlight Communications (Deutschland)

* "Wolke 9" (2008, Regie: Andreas Dresen)
eingereicht von Senator Home Entertainment

* "Krabat" (2008, Regie: Marco Kreuzpaintner)
eingereicht von Twentieth Century Fox Home Entertainment

* "Die Fälscher" (2006, Regie: Stefan Ruzowitzky)
eingereicht vom Zweiten Deutschen Fernsehen

* "Zerrissene Umarmungen" (2009, Regie: Pedro Almodóvar)
eingereicht von Universum Film

* "Vitus" (2006, Regie: Fredi M. Murer)
eingereicht von ARTE

* "Elling" (2001, Regie: Petter Næss)
eingereicht von Degeto Film

* "Tatort: Bluthochzeit" (2009, Regie: Patrick Winczewski)
eingereicht vom Südwestrundfunk

* "Guten Morgen, Herr Grothe" (2007, Regie: Lars Kraume)
eingereicht vom Westdeutschen Rundfunk

* "Der Mann, der Yngve liebte" (2008, Regie: Stian Kristiansen)
eingereicht vom Norddeutschen Rundfunk

* "Hannah und ihre Schwestern" (1986, Regie: Woody Allen)
eingereicht von 3Sat

* "Stärker als die Dunkelheit" (2009, Regie: Stephan Greve)
eingereicht von age of art

Der Publikumspreis

Ebenfalls schon Hörfilm-firm: Anna Maria Mühe
© DHFPEbenfalls schon Hörfilm-firm: Anna Maria Mühe

Bei der 8. Deutschen Hörfilmpreis-Verleihung erwartet die Gäste eine besondere Premiere. Erstmals in der Hörfilmpreis-Geschichte wird 2010 ein Publikumspreis verliehen. Bis zum 18. März können Hörfilmfans - egal ob blind, sehbehindert oder sehend - abstimmen, welchen Hörfilm sie besonders gelungen finden.

>> Alle Filme mit Hörproben zur Auswahl

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