Dynastien - Lydia Hearst
© WireImage.com Dynastien - Lydia Hearst

Familie Hearst ... und über uns nur der Himmel

Gründervater William Randolph Hearst erfand die Schlagzeile, seine Enkelin Patty machte welche - und die Urenkelin der Verlegerfamilie räkelt sich auf den Hochglanzseiten der Hefte

Wenn Lydia Hearst

in ihrer Wohnung in Midtown Manhattan morgens nach einem Blick auf den Hudson River die Zeitungen des Tages durchblättert, raschelt Geld. Familiengeld. Und wenn sie zu ihrem Ärger auf den Seiten der Yellow-Press irgendein Paparazzifoto von sich sieht, hat das auch etwas mit ihrer Familie zu tun. Die hat das nämlich erfunden, genauer ihr Urgroßvater, William Randolph Hearst, Amerikas Zeitungs- und Zeitschriftenzar und Gründer des heutigen Medienkonzerns Hearst Corporation. Lydia Hearst könnte es gelassen angehen, bis zum Mittag weiterschlafen und darüber nachdenken, wie viel von den rund 3,5 Milliarden Euro Jahresumsatz des Konzerns sie wohl eines Tages erben wird. So denkt die Welt über die Urenkelin des Mannes, der entdeckte, dass man mit Zeitungen sogar Krieg führen kann. Lydia ist ein, wie man in New York sagt, "trustfundbaby", ein Vögelchen, das über dem Erbe flattert, bevor es irgendwann auf dem weichen Millionennest landet. So wie Paris Hilton oder eine der anderen Töchter amerikanischer Geld-Dynastien. Kindheit: zuckersüß. Jugend: Eliteschulen und Partys. Sorgen: Was ist das?

Lydia Hearst zeigt sich auf dem Laufsteg auch mit gewagten Outfits
© Getty ImagesLydia Hearst zeigt sich auf dem Laufsteg auch mit gewagten Outfits

Spricht man mit Lydia darüber, werden ihre Blicke zu Messern und ihr Ton schneidend. "Ich bin keine Hilton", sagt sie, "sondern eine Hearst." Eine Hearst - das heißt was. Die Hearsts sind eine der schillerndsten Dynastien in der Geschichte der USA. Andere bohrten nach Öl, wieder andere spielten mit der politischen Macht oder bauten Autos. William Randolph Hearst erfand die Schlagzeilen auf Papier, seine Enkelin Patty, Lydias Mutter, füllte sie als spektakuläres Entführungsopfer. Und Lydia? Sie studiert Kommunikation und Informatik, designt Taschen für Puma, besucht mit ihrer Cousine Amanda Charity-Partys und modelt. Gleich mit ihrem ersten Job marschierte sie auf den Model-Olymp, das Cover der italienischen "Vogue", fotografiert von Großmeister Steven Meisel. Die Fashionwelt ist verrückt nach ihrem puppenhaftem Gesicht mit dem "emerald gaze", dem smaragdgrünen Blick: Prada, Louis Vuitton, Bottega Veneta, Alexander McQueen, Escada - alle wollen sie.

Nein, ins Familienunternehmen wolle sie nicht einsteigen, sagt sie lächelnd, "ich konzentriere mich darauf, mein eigenes Imperium zu gründen." Schon der Urgroßvater dachte in großen Dimensionen. Unaufhaltsam wie ein Hurrikan fegte William Randolph Hearst - auch er bereits Erbe eines beachtlichen Vermögens - Ende des 19. Jahrhunderts über die brache Presselandschaft der USA. Er gründete Zeitungen von San Francisco bis New York und erkannte schnell, was Auflage macht: Sensationen. Nachdem 1898 im Hafen von Havanna das Schlachtschiff USS Maine explodiert war, schürte Hearst die Kriegsstimmung im Land. "Remember the Maine, to hell with Spain", rief die Schlagzeile rachsüchtig, obwohl keiner wusste, ob es sich bei dem Unglück um einen Anschlag oder einen Unfall handelte.

Egal, Hearst sicherte sich den Platz am Ruder der Macht, und kurz darauf zogen die USA gegen Spanien in den Kuba-Krieg. Gründerväter kennen keine Bescheidenheit. Sie halten sich nicht in Vorgärten auf, sondern nehmen sich, was sie wollen. Auch privat. Obwohl verheiratet und fünffacher Vater, hatte Hearst 30 Jahre lang eine Geliebte, die Schauspielerin Marion Davies. Mit ihr gab er rauschende Feste, flog Hollywood-Stars wie Clark Gable, Charlie Chaplin und Joan Crawford ein. Gefeiert wurde in den Zwanziger-, Dreißiger- und Vierzigerjahren standesgemäß auf Hearst Castle, einem damals 37 Millionen Dollar teuren Prunkbau mit 165 Zimmern, Kino und Privatzoo. Das passende Mobiliar ließ Hearst in Europa besorgen, seine Inneneinrichter plünderten ganze Suiten spanischer Paläste und französischer Lustschlösser.

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