Daphne Guinness, Claudia Schiffer
© WireImage.com Daphne Guinness, Claudia Schiffer

Familie Guinness Da braut sich was zusammen

Seit 250 Jahren steht der irische Guinness-Clan für Glamour, Drama und Exzentrik. Doch die jüngste Generation hat ganz andere Vorstellungen vom Leben

Schon seltsam, wie man sich stets genau das wünscht, was man nicht hat.

Jasmine Guinness, millionenschwere und schwer verwöhnte Erbin der irischen Bierdynastie, aufgewachsen wie eine Prinzessin auf Schloss Leixlip nahe Dublin, von Beruf Model, sehnt sich nach dem einfachen Leben auf dem Bauernhof: "Ich will richtig mit anpacken und miste gern auch den Schweinestall aus." Während andere nur träumen, macht Jasmine ihre Wünsche wahr. Sie kaufte sich soeben gemeinsam mit ihrem Ehemann Gawain Rainey ein Gehöft in der Nähe des Örtchens Oswestry in Shropshire. "Als Erstes werde ich die toten Bäume zurechtstutzen", kündigt die Neu-Bäuerin an. Der Aufstieg der Familie begann mit einem Grundkapital von 100 Pfund (heute circa 12200 Euro): Mit diesem Geld gründete Arthur Guinness 1759 in Dublin die Brauerei, deren schwarzsämiges Erzeugnis den Grundstein zu einem enormen Vermögen legen sollte. Arthurs Urenkel Edward Guinness, der das florierende Unternehmen 1886 in eine Aktiengesellschaft umwandelte, galt bereits als zweitreichster Mann Großbritanniens. Auf seinem Landsitz Elveden Hall fanden berühmte Jagdgesellschaften statt. Glaubt man den Annalen, erlegte König Georg V. auf Elveden an einem einzigen Tag 368 Fasane, 79 Hasen, 17 Rebhühner und eine Sau. Die Tochter des Wildhüters schnappte er sich obendrein. "Geld", so der Guinness-Biograf Hugo Vickers, "ist das einzige Problem, das die Familie nicht hat."

Hutfetischistin Jasmine Guinness setzte auch in diesem Jahr im ehrwürdigen Ascot extravagante Trends
© Getty ImagesHutfetischistin Jasmine Guinness setzte auch in diesem Jahr im ehrwürdigen Ascot extravagante Trends

Tatsächlich sind "Probleme" eine freundliche Umschreibung für die Schicksalsschläge, die immer wieder Schatten auf den glamourösen Lebensstil der Familie werfen. Niemand lebte die den Guinness eigene Verknüpfung von High Society und tiefen Abgründen, von Reichtum und Boheme, so exemplarisch wie die Schwestern Aileen, Maureen und Oonagh. Die Enkelinnen von Edward Guinness mischten als "die fabelhaften Guinness Girls" die Londoner Society der wilden Zwanziger auf und wurden mit ihrer ausnehmenden Schönheit und ihrem irischen Mutterwitz schnell zu den begehrtesten Backfischen ihrer Zeit. Aileen heiratete als Erste und bekam von ihrem Vater Ernest Schloss Luttrellstown als Mitgift geschenkt. Ihre berüchtigten Partys, zu deren Gästen Douglas Fairbanks, der Aga Khan und der Maharadscha von Jaipur zählten, wurden nur von denen ihrer jüngsten Schwester Oonagh übertroffen, auf deren Jagdsitz Luggala die Gäste schon mal nackt zwischen Tafelsilber und Kandelaber auf der Festtafel tanzten. Doch die unbekümmerte Oonagh sollte zwei tragische Verluste erleiden: 1947 starb ihre einzige Tochter Tessa an den Folgen einer Diphtherie-Impfung. Knapp 20 Jahre später ging der wildeste ihrer vier Söhne, Tara Browne, unfreiwillig in die Popgeschichte ein. Mit 21 Jahren fuhr er seinen Lotus über eine rote Ampel und rammte einen Laster. Er starb auf der Stelle. Nachdem John Lennon in der "Daily Mail" davon las, setzte er sich ans Piano und schrieb in Erinnerung an Browne den Song "A Day In The Life", der Teil des Albums "Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band" wurde.

Auch Maureen, die Dritte im Bunde der "Guinness Girls", war eine notorische Gastgeberin, die ihre Cocktailpartys mit Auftritten als schlampiges Dienstmädchen würzte und für Schlagzeilen sorgte, als sie dem englischen Faschistenführer Sir Oswald Mosley bei einem Balzversuch ein blaues Auge schlug. Andere Herren hatten da mehr Glück: Als Maureen mit 91 Jahren starb, konnte sie auf drei Ehemänner zurückblicken. In der Beatnik-Ära setzte ihre Tochter Lady Caroline Blackwood die Tradition der Mutter fort. Die angehende Schriftstellerin heiratete mit 22 den berühmten englischen Maler Lucian Freud. Seine Porträts von ihr zählen neben dem Bildnis der schwangeren Kate Moss bis heute zu seinen berühmtesten Werken. Er war einer von drei Künstlern – bei den anderen handelte es sich um den Pianisten Israel Citkowitz und den Dichter Robert Lowell –, deren Muse und Ehefrau Lady Caroline wurde. Nach mehreren hervorragenden Romanen ertränkte sie ihr Talent unseligerweise in Alkohol.

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