Emergency Room Goodbye ER

Am Mittwoch (19. August) strahlte ProSieben die finale Doppelfolge der 15. Staffel "Emergency Room" aus. Danach schließt die Notaufnahme ihre Türen. Ob es ein Abschied für immer sein wird? Die Hoffnung stirbt bekanntermaßen zuletzt ...

"Fünf Milliliter Kochsalzlösung!"

Ein Pulk von Ärzten hantiert an an einem Patienten, der aus allen Körperöffnungen blutend auf einer Bahre im gekachelten Behandlungsraum liegt; der Defibrillator saust herab, junge Assistenzärzte beobachten das Geschehen und lassen sich beim Einführen von Tubus und Kanülen anleiten; das ist das Leben in der fiktionalen Notaufnahme des County General Hospital in Chicago - das ist "Emergency Room".

Am 19. August strahlte ProSieben die beiden allerletzten Folgen des Krankenhauskults aus, dann schloss sich hinter Samantha Taggart, Dr. Archie Morris, Dr. Tony Gates und all den anderen Lebensrettern die Tür zur Notaufnahme - voraussichtlich für immer.

"Emergency Room" begann mit einem Reportageroman des verstorbenen Bestsellerautors und studierten Arztes Michael Crichton und wurde zu einem der größten Serienhits aller Zeiten. Steven Spielberg war es, der Anfang der 90er Jahre in Crichtons Geschichte "Fünf Patienten" den Stoff für eine TV-Serie sah. 1994 ging "ER" auf Sendung und zieht seither Millionen von Menschen weltweit in ihren Bann.

In 15 Jahren entstanden 332 Folgen, eine dramatischer als die andere. Zu den Stars der ersten Sunde zählten Noah Wyle (Dr. John Carter), Anthony Edwards (Dr. Mark Greene), Eriq La Salle (Dr. Peter Benton), Sherry Stringfield (Dr. Susan Lewis) und natürlich George Clooney alias Kinderarzt Dr. Doug Ross. Für ihn wurde die Serie zum Sprungbrett nach Hollywood: Nach 108 Episoden im Krankenhaus hängte er 1999 seinen Kittel an den Nagel, um sich voll und ganz seiner Filmkarriere zu widmen.

Für die finale 15. Staffel kehrte George allerdings neben einer Reihe weiterer "ER"-Ikonen wie Dr. Greene und Dr. Elizabeth Corday für einen Gastauftritt ans Set zurück.

Welchen Stellenwert die Serie in Hollywood inzwischen hat, zeigen aber auch die regelmäßigen Gast- oder gar Dauerauftritte von Filmgrößen wie Susan Sarandon, Forest Whitaker, Ray Liotta oder Angela Bassett, die seit 2008 als Stationsleiterin Dr. Cate Banfield zur Crew gehört.

"Emergency Room" hat immer mit der Illusion der Götter in Weiß gebrochen und statt dessen die menschliche Seite der Ärzte gezeigt, mit all ihren Schwächen, Fehlern und persönlichen Problemen: Da ist der ambitionierte junge Arzt John Carter, der am Arbeitsplatz drogensüchtig wird, die Krankenschwester Samantha Taggert, die mit ihrem zerrütteten Verhältnis zu ihrer an Alzheimer erkrankten Mutter zu kämpfen hat oder eben Dr. Cate Banfield, deren kleiner Sohn an einer nicht rechtzeitig erkannten Leukämie stirbt, was aus der Ärztin eine harte und verschlossene Frau wird.

Nicht alle Patienten können gerettet werden, nicht immer geschehen Wunder, wie in anderen Krankenhausserien. Vermutlich ist es diese Authentizität, die den Erfolg des Formats ausmacht und die der Zuschauer in Zuklunft schmerzlich vermissen wird.

Eine kleine Hoffnung bleibt allerdings: Rachel Greene, die Tochter des an einen Tumor gestorbenen Arztes Mark Greene, bewirbt sich am Ende um eine Ausbildungsstelle im "Emergency Room": Ein Kreis, der sich schließt - vielleicht aber auch der Auftakt zu etwas Neuem?

gsc