Alexandra Neldel in "Die Wanderhure"
© PR/Universum Alexandra Neldel in "Die Wanderhure"

Die Wanderhure Auf Rachezug im Mittelalter

Als Buch war "Die Wanderhure" ein Bestseller. Nun kommt das leicht verdaubare Historienspektakel mit Alexandra Neldel in der Hauptrolle auch auf DVD. Mit Licht und Schatten: Der Neldel-niedlich-Faktor bezaubert die Zuschauer und zerstört das Drama

Alexandra Neldel will auch anders: Weit weg von "GZSZ"-Cafes und "Verliebt in Berlin"-Ateliers stürzt sich TV-Deutschlands süße Kleine in die Rolle der Kaufmannstochter Marie Schärer aus dem Buch-Bestseller "Die Wanderhure" von Iny Lorentz. Im Fernsehen lief der Zweistünder am 5. Oktober bei Sat1 - und bescherte den Berlinern Rekordquoten, die sie normalerweise nur noch durch Championsleague-Spiele erzielen: 9,75 Millionen Zuschauer. Für alle, die am Dienstag nicht vor dem Fernseher saßen und die trotzdem beim Partygespräch im Freundeskreis bestehen wollen, erscheint die DVD zu "Die Wanderhure" nur wenige Tage später, am 8. Oktober bei "Universum Film Home Entertainment".

Story

Die Bürgerin Marie Schärer lebt und arbeitet mit ihrem Kaufmannsvater im Konstanz des Jahres 1414. Während sie einen Handwerker namens Michel liebt, zieht ihr Vater die Verbindung seiner Tochter mit Ruppertus, dem Sohn des armen, aber adligen Grafen von Keilburg vor.

Marie (Alexandra Neldel) soll gemäß den Wünschen ihres Vaters heiraten - sie wehrt sich.
© PR/UniversumMarie (Alexandra Neldel) soll gemäß den Wünschen ihres Vaters heiraten - sie wehrt sich.

Ein unerfreuliches Duo, Vater wie Sohn. Der intrigante Alte ist Schuld an den Problemen, die sein noch nicht anerkannter Bastard-Sohn mit dem Selbstbewusstsein hat. Und Ruppertus selbst ist so ein Ekel, dass er die nicht Hochzeits-enthusiastische Marie zur Strafe vergewaltigen und dann der Hurerei anklagen lässt. Während das Mädchen blutig geschlagen, aus der Stadt gebracht und für tot gehalten wird, nistet Ruppertus sich im Elternhaus von Marie ein.

Deren Rettung ist ein Trupp umherziehender Huren, die die schwer Kranke aufsammeln, pflegen und deren Arbeit auch Marie nach erstem Widerwillen die finanziellen und politischen Mittel bieten wird, an ihrern Peinigern Rache zu nehmen. Dieser Feldzug soll sie bis zum König führen.

Stars

Alexandra Neldel, Misses Sunshine. Die sich in kompliziert geschnürte historische Gewänder und den Dreck wirft. Sie schreit und kriecht und lässt ihre Gesichtszüge ganz hart werden. Sie flirtet und schlägt die Augen auf wie eine Puppe. Man merkt ihr an, dass sie die Rolle voller Inbrunst und mit Spaß spielt. Und doch: Irgendwie ist das alles zu leicht. Und zu schnell huschen wieder dieser selbstbewusste Glanz durch die Augen und das süße Lächeln auf die Lippen. Da möchte man die Schauspielerin gerne schnell zu Charlize Theron in die "Monster"-Lehre schicken.

Aufstand der Huren: Die wollen in Konstanz freien Weg zum Freier und beschweren sich beim König.
© PR/UniversumAufstand der Huren: Die wollen in Konstanz freien Weg zum Freier und beschweren sich beim König.

Götz Otto wirkt als strahlender Lebemann-König wie der lustige Bruder von Jonathan Rhys Meyers' Henry VIII. aus den "Tudors". Bert Tischendorf (Michel) und Julian Weigend (Ruppertus) müssen in so einem Setting wohl notgedrungen blass wirken.

Toll un-süß und nicht-leicht ist die Wanderhure Hiltrud, die Nadja Becker spielt. Hinter einer regungslosen Gesichtsfassade bringt sie ein Herz zum Pochen, denn sie ist es, die der verstoßenen Marie immer wieder hilft, ohne deswegen gleich in neuzeitliches in Freundinnen-Gekicher auszubrechen.

Fazit

Überhaupt ist das etwas, das der Verfilmung Pluspunkte verschafft: die Hurentruppe. Vom Leben gezeichnet, schlammbespritzt, ausgestoßen und dennoch von einer robusten Stärke sind sie die großen Sympathieträger. Marie ist das auch, aber im Vergleich zu den anderen tänzelt sie manchmal arg leicht und auffällig bunt gekleidet durch das Leben im Tross. Erfreulich ist, dass das Mittelalter hier nicht klinisch rein geschrubbt wurde, die Zeltstädte schief und die Wege lang sind. Nicht so schön sind die Klischees: der lüsterne Mönch, der zügellose König, der wohlmeinende und falscheinschätzende Vater und der moralisch unantastbare Liebende, der gegen all die Lümmel und Schurken umso prachtvoller dasteht.

Marie, die als Hure nun Hannah heißt, sucht sich einen einflussreichen Gönner, der sie in ihrer Rache unterstützen kann.
© PR/UniversumMarie, die als Hure nun Hannah heißt, sucht sich einen einflussreichen Gönner, der sie in ihrer Rache unterstützen kann.

In der Drehbuchfassung des Erfolgsromans wurde zugunsten der Unterhaltung die Welt ein bisschen übersichtlicher sowie deutlich sexlastiger. Dieser neue Schwerpunkt wurde von einer großen Werbekampagne vor dem TV-Ereignis zusätzlich betont. Die Buchfans hat das befremdet. Die Zuschauer am Bildschirm begeistert. So sehr, dass bei Sat1 nun schon die Planungen für Teil zwei angelaufen sein sollen. Die Erfolgsserie umfasst nämlich insgesamt vier Bücher, das nächste wäre "Die Kastellanin". Und Alexandra Neldel zwinkert uns schon über die Schulter zu.

Die DVD-Fassung von "Die Wanderhure" enthält als Bonusmaterial Interviews mit Alexandra Neldel, Götz Otto und dem Buchautorenduo Iny Lorentz. Sie erscheint am 8. Oktober.