Debbie Harry

"Beim Sex bevorzuge ich Männer …"

Debbie Harry redet auch mit Anfang 70 Tacheles. Mit GALA sprach die Blondie-Frontfrau über Liebe und Lust, Beauty-OPs und ihre Zeit als Playboy-Bunny

Debbie Harry

Debbie Harry

Wenn im Radio heute Blondie-Songs laufen – die Hits der Siebziger, Achtziger und Neunziger –, dann singen selbst Teenies mit. "Heart Of Glass", "Call Me" oder "Maria" beweisen: Auch Punk-Rock schreibt Melodien für die Ewigkeit.

, die 1974 mit dem Gitarristen Chris Stein die Band Blondie gründete, denkt allerdings nicht daran, sich auf ihren musikalischen Lorbeeren auszuruhen. Die US-Amerikanerin schaut nach vorn, will sich als Sängerin und Entertainerin immer wieder neu erfinden. Auf ihrem aktuellen Album "Pollinator" mischen unter anderem mit: Sia, Johnny Marr, und David Sitek, allesamt Musiker, die von Blondie beeinflusst wurden. Mittendrin in diesen Disco- und Elektrobeats: Debbie Harry. 40 Millionen verkaufte Tonträger, ungekrönte Königin des New Yorker Nachtlebens, einst Andy-Warhol-Muse. Dass sie inzwischen 71 ist, hört und sieht man ihr nicht an.

"Pollinator", also "Bestäuber", heißt das neue Blondie- Album (BMG). Das Besondere: Viele Stars, die von der Band beeinflusst wurden, sind bei dieser fruchtbaren Zusammenarbeit dabei. Debbie Harry formuliert es so: "Hier wird Recycling zelebriert"

"Pollinator", also "Bestäuber", heißt das neue Blondie- Album (BMG). Das Besondere: Viele Stars, die von der Band beeinflusst wurden, sind bei dieser fruchtbaren Zusammenarbeit dabei. Debbie Harry formuliert es so: "Hier wird Recycling zelebriert"

Ist Altern für Sie eine angenehme Erfahrung, weil man ja angeblich gelassener wird, oder ist es doch eher furchteinflößend?

Es ist für mich zu spät, mir darüber Gedanken zu machen. Ich kann da eh nichts mehr ändern. (lacht) 

Viele Stars helfen mit Beauty-OPs nach. Und Sie? 

Plastische Chirurgie ist okay. Ich werde bald wieder eine Kleinigkeit machen lassen.

Zum 70. Geburtstag hatten Sie sich "einen netten Mann für guten Sex" gewünscht. Hat's geklappt?

Ja. Ich habe seitdem ein paar nette Männer kennengelernt und hatte sehr guten Sex. Aber es war alles nicht von Dauer. Daher bin ich offen für weitere Vorschläge. 

Angeblich haben Sie über die Jahrzehnte auch lesbische Affären gehabt.

Das kann ich nicht leugnen.

Was ist besser: Sex mit Männern oder mit Frauen?

Prinzipiell fühle ich mich bei Frauen geborgener. Ich genieße ihr Wesen. Aber wenn es um Sex geht, bevorzuge ich schon Männer. Deswegen war ich auch nie in einer richtig langen lesbischen Beziehung.

Sie haben nie geheiratet, haben auch keine Kinder. Eine bewusste Entscheidung?

Es hat sich nicht ergeben. Das ist wohl meiner Karriere geschuldet: Ich habe einfach immer gedacht, dass ich mir eine Familie zeitlich nicht leisten kann. Was wohl ein Irrtum war. Wer weiß, vielleicht wären Chris und ich immer noch zusammen, wenn wir ein Kind bekommen hätten. (Debbie Harry war in jungen Jahren mit Bandkollege Chris Stein liiert; Anm. d. Red.) Nach unserer Trennung hat er mit einer anderen Frau eine Familie gegründet. Und es gibt durchaus Momente, in denen ich ein bisschen neidisch bin, wo es mir wehtut, diese glückliche Familie zu sehen. Da denke ich dann: Das könnest du jetzt sein!

Sexualität war immer ein großes Thema für Sie, oft haben Sie auch damit kokettiert.

Stimmt. Ich hatte nie ein Problem, meinen Körper für das einzusetzen, was ich wollte. Schließlich bin ich immer schon stolz auf ihn gewesen.

Was denken Sie über junge Kolleginnen wie oder , die diesen Ansatz auf die Spitze treiben?

Sie haben das Recht zu tun, was immer sie wollen. Und natürlich gehen sie einen Schritt weiter als ich früher. Wir leben in Zeiten, in denen Sex immer provokanter wird. Wenn man sich also für diesen Ansatz entscheidet, muss man sehr offenherzig sein.

So wie Sie als Playboy-Bunny in den Seventies?

Ach, das war halb so wild! Ein harmloser Spaß und im Grunde einfach eine Möglichkeit, einen gepflegten Drink mit Freunden zu nehmen – was zu der Zeit sehr angesagt war. Wenn man es sich leisten konnte, dann eben in einem exklusiveren Ambiente.

Sie haben also für gekellnert.

Sogar ein paar Jahre lang, um mein Musikerleben zu finanzieren. Die haben gut gezahlt und sogar Krankenkassen- und Rentenbeiträge abgeführt. Das war sehr großzügig, ich kann mich nicht beklagen. Ich habe mich auch nie erniedrigt gefühlt oder so was in der Art.

Haben Sie das Bunny-Kostüm noch?

(lacht) Das musste ich leider zum Ende meines Arbeitsverhältnisses abgeben. Wahrscheinlich würde es mir heute nicht mehr passen, aber es wäre ein nettes Souvenir.

Blondie steht für New York, für Clubs wie das "Studio 54", für die Kunstszene und die spektakuläre Mode der Metropole. Könnten Sie sich vorstellen, New York auf Dauer zu verlassen?

Niemals! Das ist meine Heimat!

Gehen Sie heute noch viel aus?

Ja. Ich habe eine Menge Freunde, die DJs sind oder denen Bars und Clubs gehören. Außerdem mache ich nicht nur selbst gern Musik, ich liebe es auch zu tanzen.

Ihre Lebenslust ist offensichtlich ungebrochen.

Definitiv! Und ich weiß, wie glücklich ich mich schätzen darf, dass ich immer noch all das machen kann, was mir Spaß macht. Entertainerin zu sein – das ist mein Leben.


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