Chloe Kino
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Chloe Showdown der Frauen

Der Thriller "Chloe" hat alles, was man sich wünschen kann: einen preisgekrönten Regisseur und zwei wunderschöne begabte Schauspielerinnen (Julianne Moore, Amanda Seyfried) , die miteinander ringen. Den schwächsten Part hat das Drehbuch

Er kommt zu spät. Er schließt den Online-Chat mit einer Studentin, wenn seine Frau zu nahe kommt. Er empfängt verdächtige Nachrichten auf seinem Mobiltelefon. David Stewart (Liam Neeson) ist das Bild eines verdächtigen Ehemanns in der Midlife-Krise. Findet der Zuschauer. Findet seine Frau Catherine (Julianne Moore). Und sie findet ein Callgirl namens Chloe (Amanda Seyfried), das sie damit beauftragt, den Ehegatten auf die Probe zu stellen.

Chloe ist eine Lolita-Schönheit mit zartem Körper, riesengroßen Augen und einer anrührend nach außen getragenen Naivität. Sie versuche, an jedem Kontakt das Liebenswerte zu finden, erzählt sie ihrer Auftraggeberin Catherine und lässt sich darauf ein, den verdächtigen Professor-Ehemann in seinem Lieblingscafé anzusprechen. Blicke und Zuckerdosen werden ausgetauscht und hinterher trifft sich Chloe mit Catherine, um zaghaft, sachlich Details des Treffens und von Davids Reaktion zu erzählen. Amanda Seyfried weckt hier erfolgreich einen großen Beschützerinstinkt. Sie bekommt den Auftrag, weitere Treffen herbeizuführen. Sie berichtet von Fummeleien im Gewächshaus und Sex im Hotelzimmer. Sie holt die betrogene Ehefrau an diese Orte - mal in Worten, mal ganz real.

Großes Schauspielvergnügen: Julianne Moore und Amanda Seyfried machen "Chloe" toll, Liam Neeson und Max Thieriot (oben links, der Sohn) sind zumindest ordentlich.
© KinoweltGroßes Schauspielvergnügen: Julianne Moore und Amanda Seyfried machen "Chloe" toll, Liam Neeson und Max Thieriot (oben links, der Sohn) sind zumindest ordentlich.

Catherine ist von Chloes Geschichten gleichermaßen angezogen wie abgestoßen. Das Ringen um Fassung, ihre Zweifel, ihr Hoffen könnte sich niemand besser ins Gesicht zeichnen als Julianne Moore mit ihrem hellen Teint, den Sommersprossen, den Knitterfältchen. Die beiden Schauspielerinnen lassen ihre Figuren ganz entspannt in einen Liebesstrudel taumeln, der den Mann so langsam zur Randfigur macht. Das lässt sich leider auch auf den Auftritt von Liam Neeson als David übertragen - der bleibt routiniert und blaß. Vermutlich hat ihm das Drehbuch nicht viel mehr Möglichkeiten gelassen.

Aber das macht nix - die Frauen schaukeln die ganze wilde Liebesaffäre auch alleine, mit der einen oder anderen überraschenden Wendung, wenn das liebe Blondchen hier ein bisschen und da ein bisschen zur manipulativen Psychobraut mutiert.

Der Regisseur Atom Egoyan ist ein Mann aus dem Arthouse-Kino, der Kunst verpflichtet, dafür preisgekrönt. Diesem Erotikthriller sieht man das vor allem an Kameraeinstellungen und einer bittersüßen Optik an - mal dominieren glasklare eiskalte Farben, mal weiche Konturen durch Schummerlicht oder Liebeshitze. Das kanadische Toronto wird hier zu einem leicht der Realität entrückten Ort gemacht. Für die Augen ist das von vornherein eine Liebesaffäre ohne Enttäuschung.

Größte Schwäche des Films? Die Geschichte und insbesondere die letzte Wendung, die sie nimmt. Das eine Schicksal eines Charakters, das so plötzlich, so fremd hereinbricht, als stoppe man das Vorlesen eines Lieblingsbuches am Bett eines Kindes, weil gerade der Pizzabote klingelt.

Fazit:

Im Ganzen ist der Film trotzdem unbedingt sehenswert. Tipp: Nach Möglichkeit die englische Originalversion gucken, obwohl die wohl nur mit wenigen Kopien in Deutschland unterwegs ist. Die Originalstimmen transportieren die Stimmungen deutlich besser.

Trailer zu "Chloe", Kinostart 22.04.2010:

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