Benicio Del Toro - Che Revolution

"Wir verdienen viel zu viel"

Im Kino spielt Benicio Del Toro den Revoluzzer Che - privat entpuppt er sich als sanfter Rebell

Benicio Del Toro

Er ist die Ruhe in Person.

Trotz seiner stattlichen Statur (1,88 Meter) spricht Benicio Del Toro, 42, sehr leise und bedächtig. Sein Vorname bedeutet "der Gesegnete". Und er wirkt immer ein bisschen so, als wüsste er etwas, das anderen verborgen bleibt. Brad Pitt hat einmal gestanden, dass er sich bevorzugt bei Del Toro Schauspieltricks abschaut. Warum, das zeigt sich erneut in dem epischen Biopic "Che" (ab 11. Juni). Für die Rolle des legendären kubanischen Revolutionärs Che Guevara bekam der gebürtige Puertoricaner 2008 in Cannes den Darstellerpreis. Mit Gala sprach er über Idole und das bittere Schicksal seines Oscars.

Was fasziniert Sie am meisten an Che Guevara?
Sein Optimismus. Er wollte die Dinge verändern. Ich wünschte, ich wäre in dieser Hinsicht mehr wie er. Einiges haben wir schon gemeinsam – wie die Suche nach Wahrheit oder das Bedürfnis, anderen Menschen zu helfen. Che war da nur viel erfolgreicher als ich.

Che ist eine Ikone, wird von Millionen Menschen verehrt. Wie geht man als Schauspieler damit um?
Einfach die berühmte Baskenmütze aufzusetzen, macht dich natürlich noch nicht zu Che. Mir war es wichtig, ihm wirklich gerecht zu wirftwerden. Ich habe jedes Detail studiert, sogar wie er seine Zigarre hielt.

Haben Sie früher auch coole T-Shirts mit Ches Konterfei getragen, um bei den Mädchen zu punkten?
Das Ulkige ist, dass mir sein Kultstatus erst recht spät bewusst geworden ist. In Puerto Rico, wo ich aufgewachsen bin, kannten wir Che nicht. Ich spreche von meiner Jugend in den späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahren. Daher konnte ich diesen Cool-Faktor nicht ausnutzen. Was ich getan hätte! Aber vielleicht ist es ja noch nicht zu spät dafür. (lacht)

Wie haben Sie zum ersten Mal von Che Guevara gehört?
Durch die Rolling Stones - ich bin ein großer Fan! In ihrem Song "Little Indian Girl" gibt es folgende Textzeile: "My father, he ain't no Che Guevara." Und ich dachte: Wer ist das denn? Damals ging ich in Pennsylvania auf die Highschool. Erst 1990, nach dem "Bond"-Film, habe ich angefangen, Bücher über Che zu lesen.

Sie haben in einem Bond-Film mitgespielt?
Ja, ich war 1989 einer der Killer in "Lizenz zum Töten". Sehen Sie bei der nächsten Wiederholung genau hin: Der dünnste, unbeeindruckendste Killer von allen - das bin ich!

Wer waren Ihre Idole?
Mohammad Ali. So wollte ich sein, wenn ich mal groß bin. Und ich habe Künstler wie Picasso oder Andy Warhol bewundert.

Gar kein Schauspieler dabei?
Nein, eigentlich nicht.

Um Schauspieler zu werden, mussten Sie sich gegen Ihren Vater durchsetzen, der strikt dagegen war. Was hat Sie an diesem Beruf so gereizt?
Hm, daran kann ich mich gar nicht mehr erinnern. In den Schauspielschulen gab es immer sehr hübsche Mädchen, das war sicher ein Argument ... Aber warum ich dabei geblieben bin? Herausforderungen haben mich schon immer gereizt. Vielleicht ist es das.

Wenn Sie eine Revolution starten würden – wofür würden Sie kämpfen?
Ich würde mich für gerechtere Löhne einsetzen. Wenn ein Schauspieler mehr Geld verdient als etwa ein Arzt, Lehrer oder Polizist, dann läuft doch was falsch.

Diese Einstellung macht Sie bei den Hollywood-Kollegen sicher nicht gerade populär.
Das stört mich nicht. Ich zähle mich sowieso nicht richtig zu Hollywood.

Aber Sie haben doch einen Oscar gewonnen, 2001 für "Traffic". Ist man da nicht automatisch Teil von Hollywood?
Für meine Karriere war das sicher wichtig, mich persönlich hat es aber nicht verändert. Ich mache diesen Job nicht, um Preise zu gewinnen. Ich habe mich lange gefragt, was ich mit dem Oscar anstellen soll. Jetzt steht er zu Hause griffbereit auf einem Regal. Falls also mal ein Feuer ausbricht, eignet er sich prima dazu, ein Fenster einzuschlagen und schnell zu flüchten!

Julide Tanriverdi

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