Alex Christensen "Ich liebe Trash"

Unser Mann in Moskau: Wie Alex Christensen den "Eurovision Song Contest" gewinnen will

Pferdeschwanz, Siebziger-jahrebart, Lederjacke:

Der Mann, der aus dem schwarzen Mercedes-Cabrio steigt, sieht aus, als würde er auf der Hamburger Reeperbahn sein Geld verdienen. Dabei ist Alex Christensen, 42, einer der erfolgreichsten deutschen Musikproduzenten. Seine Techno-Version von "Das Boot" führte 1992 monatelang die Charts an, später bestimmte er den Sound von Superstars wie Tom Jones und Paul Anka. Ende 2007 hatte er als Alex C. einen Nummer-eins-Hit mit "Du hast den schönsten Arsch der Welt".

Herr Christensen, erst einmal möchten wir Ihnen unser Beileid aussprechen. Sie müssen beim Eurovision Song Contest antreten, wo Sie als Deutscher keine Chance haben ...
Das sehe ich anders. Ich fahre nach Moskau, um zu gewinnen, und ich bin sicher, dass ich unter den ersten zehn landen werde. Trotzdem: Haben Sie nicht Angst vor der Häme, sollten Sie ähnlich schlecht abschneiden wie die No Angels im vergangenen Jahr?
Klar, das würde wehtun. Aber man muss sich auch mal grade machen, sagen, Mensch, das kann ich besser. Es nützt doch nichts, immer nur über die Leis-tung anderer zu schimpfen. Vergangenes Jahr haben Sie allerdings die No Angels beschimpft, ihnen vorgeworfen "Roboter-Tussis" zu sein, "mit langweiligen Songs, schief und krumm gesungen".
Ich wurde da oft falsch zitiert. Den Mädels mache ich keinen Vorwurf. Aber der Song war nicht gut. Es ist einfach zu riskant, mehrstimmig zu singen, das geht leicht schief.

Deshalb treten Sie mit "Miss Kiss Kiss Bang" an, einer eher schlichten Nummer mit einem ziemlich albernen Titel?
Ein Grand-Prix-Song muss sofort funktionieren. Die Leute hören den nur einmal, treffen dann ihre Entscheidung. Und was den Namen angeht: Gaga-Titel haben eine tolle Tradition bei dieser Veranstaltung, denken Sie nur an "Ding-A-Dong", den Gewinner von 1975, oder "Diggi-Loo Diggi-Ley" ein paar Jahre später.

Sie sind mit sexuell aufgeladenen Songs wie "Du hast den schönsten Arsch der Welt" erfolgreich. Warum haben Sie sich jetzt trotzdem für eine eher zahme Swing-Nummer entschieden?
Das ist ja auch eine Dance-Nummer, Eurodance meets Swing, eine Mischung, die auch bei Lou Bega oder Scatman schon funktioniert hat. Es geht also nicht darum, dass Sie sich für die Musik schämen, die Sie unter dem Namen Alex C. machen? Schließlich haben Sie das Image des "Porno-Produzenten".
Ach was, ein bisschen zu schockieren gehört bei Popmusik einfach dazu. Und wenn man mich auf so ein Image reduzieren will – von mir aus. Ich weiß, was ich kann.

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