"Black Death"

Glaubenskriege sind die Pest

Sean Bean schwingt sich mal wieder aufs Pferd, Regisseur Christopher Smith dreht seinen ersten Film im historischen Setting, gedreht wurde in Deutschland (Nebel! Ruinen!) und das Ergebnis kann man sich gut anschauen

Sean Bean in "Black Death"

Sean Bean in "Black Death"

Regen liegt in der Luft, der Nebel hängt tief

und die paar Sonnenstrahlen scheinen auf eine trostlose Landschaft. In einer Lichtung hat sich ein Pulk Menschen versammelt, kreischend und schimpfend. Eine Frau steht an einen Pfahl gebunden und der große Holzstoß zu ihren Füßen macht überdeutlich, dass sie dort ihr Leben lassen soll. Empört will Osmund, ein Mönch, dazwischengehen, sich dafür sogar mit den Umstehenden anlegen. Ein Ritter aus seiner Reisegruppe steigt ebenfalls ab, die dreckige Meute weicht zurück. Waffe und machen deutlich, wer hier der Stärkere ist. Der Ritter, Ulric ist sein Name, geht auf die Frau zu, fasst sie um die Schultern, spricht mit ihr und führt sie ein paar Schritte vom Holzpfahl, an dem sie eben noch verbrannt werden sollte, fort. Der junge Mönch schöpft Hoffnung und atmet auf. Da stößt der Ritter der Frau die Klinge in den Bauch und lässt die Sterbende zu Boden fallen. Wenn Glaubenseifer und Hysterie das Land verwüsten, ist mehr Gnade nicht zu erwarten.

Folterkammer auf Rädern: Die christlichen Ritter kommen gut gerüstet.

Folterkammer auf Rädern: Die christlichen Ritter kommen gut gerüstet.

Story

Der junge Mönch Osmund bietet sich einer Gruppe Kirchenritter, die in seinem Kloster um HIlfe bitten, als Kundschafter an. Die Gruppe sucht auf bischöflichen befehl nach einem abgelegenen Dorf, in der - obwohl die Pest sonst ganze Landstriche überzieht und menschenleer zurücklässt - offenbar kein Einwohner an der furchtbaren Seuche erkrankt ist. Was schützt die Bewohner des Ortes? Von Nekromantie und Zauberei ist die Rede. Weshalb die schwer bewaffnete Forschungstruppe auch eine mobile Folterkammer mit sich führt. Nur der rechte Glaube führt zum rechten Tod.

Osmund jedoch hat auf dieser Reise sein eigenes Ziel vor Augen: Seine Liebste finden, mit der er sich in der Nähe des geheimnisvollen Dorfes treffen wollte, um möglicherweise gemeinsam zu fliehen.

Als die Truppe das Dorf findet, scheint alles idyllisch und friedlich. Klar ist allerdings, dass die Christen hier mindestens auf eine Gemeinschaft von Heiden mit Ritualen im nächtlichen Fackelschein gestoßen sind. Oder geht gar Teuflisches vor? Die Ritter geben sich als verirrte Reisende aus und werden gastfreundlich aufgenommen. Doch bald zeigt sich, dass beide Seiten nicht ehrlich miteinander umgehen. Und dann wird die Atmosphäre ungemütlich bis blutig. Und Osmund wird vor eine schwierige Wahl gestellt.

Durchschaut und eingesperrt: Ritter Ulric (Sean Bean). Die Glaubensabtrünnigen wehren sich.

Durchschaut und eingesperrt: Ritter Ulric (Sean Bean). Die Glaubensabtrünnigen wehren sich.

Stars

, genau, der Boromir aus "Der Herr der Ringe", darf wieder einmal Schwert und Rüstung schultern und grimmig durch die Wälder reiten. Das tut er gut. Seinen Ritter Ulric findet er bis zu einem gewissen Grad sogar sympathsich, verrät der Engländer im Interview. Weil er eigentlich ein Guter sei und fest an seine Sache glaube. Er habe starke Gefühle und eine traurige Hintergrundgeschichte. Leider werde er am Ende ein wenig fanatisch. Überhaupt sei ein Dreh mit Rüstung eine interessante Abwechslung und ein Spaß, weil dann in der Regel auch eine ordentliche Ladung Action dabei sei.

verkörpert die Dorfpriesterin Langiva. Die Holländerin kennt man auch Filmen wie Verhoevens "Black Book" und Cruises Stauffenberg-Film "Walküre". Sie zeigt erfolgreich beide Seiten von Langiva: die süße Verführerin und die strenge Anführerin. Und ihr Haar weht ganz zauberhaft über dem nebligen Moor.

Den jungen Mönch Osmund spielt . Der 28-Jährige etabliert sich inzwischen als gut beschäftigter Zweite-Reihe-Schauspieler, zum Beispiel in "Die Schwester der Königin". Hier ist er manchmal ein bisschen vom Ringen um seine Seele überfordert und wirkt wie ein geblendetes Reh. Es ist aber auch wahrlich nicht leicht, gegen zwei gestandene Schauspieler wie und anzuspielen.

Osmund (Eddie Redmayne) und Ulric (Sean Bean) trennen zu Beginn ihrer Reise Welten in Sachen Fanatismus und Unbarmherzigkeit.

Osmund (Eddie Redmayne) und Ulric (Sean Bean) trennen zu Beginn ihrer Reise Welten in Sachen Fanatismus und Unbarmherzigkeit.

Hintergrund

Dass er keine Angst vor Tod und Teufel hat, hat Regisseur Christopher Smith bisher eher im klassischen Horror-Genre bewiesen: "Creep" und "Severance" gehören da zu seinen Referenzen. Dies ist sein erster Ausflug in die Vergangenheit. Der Dreh fand zu großen Teilen in Sachsen-Anhalt statt. Weil die deutsche Filmförderung so etwas großzügig unterstützt. Aber auch, weil dort einige Landstriche noch richtig abgelegene Anblicke vermitteln. Kein McDonalds, keine Strommasten, weniger Zickenalarm als beim Drehen in der Londoner U-Bahn, wie Smith es von "Creep" kennt. "Alle in waren sehr nett und hilfsbereit", erzählt Smith.

"Black Death" will er als Actionfilm mit historischen Setting und mit aktuellem Anknüpfungspunkt verstanden wissen. Denn das Thema, wozu fanatischer Glaube die Menschen treibt, ist ja ein aktuelles. Kein Horrorfilm diesmal. "Not horror, horrible", beschreibt er das, was Menschen Menschen antun und was täglich in den Nachrichten zu sehen ist. Diesen Alltagsgrauen wollte er auch seinen Charakteren einimpfen und hat dafür die komplette zweite Hälfte des Skripts umgeschrieben, verändert und das Ende entmystifiziert.

Langiva (Carice van Houten) hat die Dorfbewohner mit ihren Geschichten und Ritualen folgsam gemacht. Auch an Osmund hat sie Inte

Langiva (Carice van Houten) hat die Dorfbewohner mit ihren Geschichten und Ritualen folgsam gemacht. Auch an Osmund hat sie Interesse.

Fazit

"Black Death" ist ein Film, der die breite Masse ansprechen soll. Mit viel Action unterhalten, aber auch ein bisschen nachdenklich stimmen. Das zeigt sich auch darin, dass der eher kleine Film von seinem eher kleinen Verleih sogar Fernsehwerbung in der Woche vor Kinostart spendiert bekommt. Und dass Smith einen großen Namen wie Sean Bean einsetzen durfte (von dem er übrigens sehr schwärmt, als Schauspieler und Mensch).

Die Rechnung könnte aufgehen, denn "Black Death" ist solide inszeniertes Kino, das seine Botschaft mit einer etwas strikteren Führung durch die Geschichte und ein bisschen Budenzauber noch nachdrücklicher hätte herüberbringen können.

Claudia Fudeus

Trailer zu "Black Death"

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