Harald Schmidt bei der "Tatort"-Team-Präsentation
© SWR/Alexander Kluge Harald Schmidt bei der "Tatort"-Team-Präsentation

Harald Schmidt Kann er "Tatort"?

Eigentlich ist Harald Schmidt vor allem als Comedy- und Kabarett-Experte bekannt. Kann der Entertainer auch "Tatort"?

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Von wegen auf dem absteigenden Ast: Entertainer Harald Schmidt, der zuletzt nicht mehr ganz so präsent war in der deutschen Fernsehlandschaft, hat sich nun mit einem Paukenschlag zurückgemeldet. Denn der 58-Jährige ist Teil des neuen "Tatort"-Teams, das am Dienstag hochoffiziell vorgestellt worden ist und künftig im Auftrag des SWR im Schwarzwald ermitteln soll.

Anders bei den anderen beiden Personalien im neuen Team - Eva Löbau (41, "Lerchenberg") als Kommissarin "Franziska Tobler" und Hans-Jochen Wagner (46, "Kommissarin Heller") als "Kommissar Friedemann Berg" - wundert sich der "Tatort"-Fan doch ein wenig über die Besetzung mit Harald Schmidt - ist der Mann mit der spitzen Zunge doch Comedy- und Kabarett-Experte. Kann der Entertainer wohl einen glaubhaften Kriminaloberrat "Gernod Schöllhammer" spielen?

Comedy-Element

Einen Namen machte sich Harald Schmidt mit diversen Late-Night-Shows, als da wären: "Die Harald Schmidt Show" (1995 bis 2003 und 2011 bis 2012 bei Sat.1, 2012 bis 2014 auf Sky), "Harald Schmidt" (2004 bis 2007 und 2009 bis 2011 im Ersten) sowie "Schmidt & Pocher" (2007 bis 2009 im Ersten).

Trotz wechselnder Sender war den Formaten gemein, dass sie gut beim Publikum ankamen, weil kaum einer so pointiert witzeln kann, wie der in Neu-Ulm geborene Schauspieler, Kabarettist, Kolumnist, Entertainer, Schriftsteller und Moderator. Sollte seine neue Rolle als Kriminaloberrat "Schöllhammer" also witzig angelegt sein, was nach den Erfolgen der beliebten Münsteraner Ermittler "Prof. Boerne"und "Thiel" gut möglich wäre, hat der SWR genau den richtigen Mann verpflichtet.

Seriosität

Dass die "Tatort"-Krimireihe zu den Flaggschiffen moderner TV-Unterhaltung gehört, ist hinlänglich bekannt. Entsprechend arbeiten in allen Bereichen - Regie, Drehbuch, Kamera, Darsteller etc. - die besten ihrer Zunft zusammen. Diese Reihe wird bei Machern, Zuschauern und Kritikern ernst genommen. Bei allem Geflachse, gehört auch Harald Schmidt zu den seriösen Entertainern. Auch in dieser Hinsicht also eine passende Wahl.

Erfahrung im seriösen Geschäft

Film-, Fernseh- und Theatererfahrung hat Harald Schmidt neben seinen Talkshows ebenfalls gesammelt. und das nicht nur in Komödien. Nicht als Comedy angelegt ist beispielsweise "Das Traumschiff" (ZDF), in dem er seit 2008 regelmäßig zu sehen ist. Auch im TV-Drama "Halt auf freier Strecke" aus dem Jahr 2011, das mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet wurde, spielte er mit.

Sein Können auf der Theaterbühne zeigte er zuletzt 2002 als Diener Lucky in Samuel Becketts "Warten auf Godot", 1953, das Paradebeispiel des absurden Theaters. 2007 spielte Schmidt in Frankfurt den "Doktor Diafoirus" in der Komödie "Der eingebildete Kranke" von Molière.

Gute Beispiele

Kabarett- und Comedy-Stars im TV-Krimi - dafür gibt es gelungene Vorbilder. Zum einen innerhalb der "Tatort"-Reihe, denn die Kollegen "Lessing" und "Dorn" alias Nora Tschirner, 34, und Christian Ulmen, 40, sind eigentlich Komödienspezialisten. Ihren Weimar-Sonntagskrimi hat man einfach auf sie zugeschnitten, und so darf bei den entsprechenden Ausgaben tatsächlich auch herzhaft gelacht werden.

Ein anderes Beispiel ist die verhältnismäßig neue Krimireihe "München Mord" (ZDF). Kabarettist Christoph Süß, 47, der mit dem BR-Satiremagazin "Quer" bekannt geworden ist, spielt hier mit Bravour den Chef der Mordkommission "Helmut Zangel".