Gala.de-Interview mit Michelle Monballiijn : Michelle Monballijn, Christian Ulmen, Nora Tschirner
© MDR/Wiedemann & Berg Television/Anke Neugebauer Michelle Monballijn, Christian Ulmen, Nora Tschirner

Gala.de-Interview mit Michelle Monballiijn Wer ist die Nackte aus dem "Tatort"?

Der Weimarer "Tatort" an Neujahr bietet ziemlich viele nackte Tatsachen. Gala.de hat mit Schauspielerin Michelle Monballiijn gesprochen

Heute Abend (1.1.2015, ARD, 20.15 Uhr) dürfen sich alle "Tatort"-Fans freuen! Christian Ulmen alias Kriminalhauptkommissar "Lessing" und Nora Tschirner alias Kriminaloberkommissarin "Kira Dorn" gehen am Neujahrsabend auf Verbrecherjagd. Der "Tatort" aus Weimar bietet dieses Mal eine Besonderheit: Als verdächtige Mitarbeiterin in einem FKK-Club lässt Schauspielerin Michelle Monballijn alle Hüllen fallen. Gala.de hat vorab mit der 35-Jährigen über Nacktheit, Scham und Schönheitsoperationen gesprochen.

Im Weimarer "Tatort" "Der irre Iwan" sind Sie mehrmals komplett nackt zu sehen. Waren die Dreharbeiten eine Herausforderung für Sie?

"Es war auf jeden Fall eine Herausforderung. Ich habe sehr viel darüber nachgedacht, wie meine Familie und die Menschen der Stadt, aus der ich komme und zu denen ich noch immer eine sehr enge Beziehung habe, mit so einem Auftritt umgehen würden. Ich komme aus Lüdenscheid und da kennt fast jeder noch jeden. Um herauszufinden, wie meine Verwandtschaft damit umgeht und sie darauf vorzubereiten, habe ich sogar einen Kurzurlaub mit meiner Großmutter und einer meiner Tanten gemacht. Wir sind zusammen nach Belgien in die Geburtsstadt meines Vaters gefahren und ich war überrascht, wie sehr sie mich verstanden haben.

"Wie war es sich vor einem ganzen Team zu entblößen?"

Diese Leichtigkeit und vor allem der Respekt, der mir von allen, also den Beleuchtern über die Schauspieler bis zum Regisseur entgegengebracht wurde, hat mir dann meine letzte Angst genommen. Ich habe meine Nacktheit wirklich zu meinem Kostüm gemacht. Keine der Szenen ist exhibitionistisch oder sexistisch, auch wenn eine gewisse Form von natürlicher und geheimnisvoller Erotik erhalten bleibt. So ist das Ganze so geworden, wie ich es mir vorgestellt und gewünscht habe. Und da der 'Tatort' in Deutschland eine heilige Instanz ist, ist mir mit dieser Rolle ein großer Wunsch in Erfüllung gegangen."

In dem Krimi spielen Sie eine verdächtige Mitarbeiterin in einem FKK-Club. Wie gehen Sie persönlich mit Nacktheit um?

"Ich bin streng katholisch erzogen worden. Die Schwester meiner Großmutter ist eine Nonne, und es war mir immer fremd, mich öffentlich nackt zu zeigen. Ich bin selbst nicht gern in die Sauna gegangen und wenn ich ehrlich bin, habe ich nie damit gerechnet, eine solche Rolle zu spielen, weil sie meiner eigenen Persönlichkeit und meinem Charakter so entgegengesetzt ist. Aber ich habe die Angst zur Stärke gemacht und die Rolle dazu benutzt, um diese Blockaden in mir aufzureißen. Ich bin durch diese Rolle auch persönlich gewachsen."

Wie haben Sie sich auf den Dreh vorbereitet?

"Ich hatte ein Bodydouble. Nein, das war ein Spaß! Schon als Kind habe ich viel Sport gemacht. Ich war Leichtathletin und Fußballspielerin. Später, im Alter von 10 bis 23, habe ich Kampfsport gemacht. Nur meine Beine waren ein Problem. Ich hatte so richtige Gerd Müller Oberschenkel. Doch in der Schwangerschaft, als ich nur noch Yoga machen konnte, habe ich gelernt, meine Beine zu definieren. Eine Diät habe ich nicht gemacht, außer dass ich einen Chai Latte am Tag weniger getrunken habe. Um mich auf die Rolle vorzubereiten, habe ich heimlich nackt vor dem Spiegel getanzt, um meine Nacktheit zu einer Art Kleid zu machen, das ich wie selbstverständlich trage. Dabei habe ich die blauen Flecken gesehen, die ich vom Raufen mit meiner Tochter Ann Jolin bekommen hatte. Da habe ich das Rumtollen etwas reduziert. Aber ansonsten habe ich mein Leben genau so weitergeführt."

Also würden Sie wieder eine "Nacktrolle" annehmen?

"Wenn es für die Rolle notwendig ist und der Film es wert ist, immer. Aber ich glaube, dass ich durchaus auch angezogene Rollen meistern kann. Das würde mir auch sehr entgegenkommen, da ich eine ziemliche Frostbeule bin."

Wie hat ihr Lebensgefährte, der Kinderbuchautor und Regisseur ("Die wilden Kerle") Joachim Masannek reagiert, als Sie ihm von der Rolle erzählt haben?

"Der hat sich fast mehr gefreut als ich. Wir haben uns vor acht Jahren bei einem Casting kennen gelernt. Mein damaliger Agent hatte mich zu einem 'Wilde Kerle'-Casting geschickt, bei dem ein 17-jähriges Mädchen gesucht wurde, das sich in Jimi Blue Ochsenknecht verliebt. Doch mit mir als 25-Jährige ging das eher in eine ganz andere Richtung. Trotzdem war Joachim von mir überzeugt und als wir uns ein Jahr später wiedertrafen – ich arbeitete als Moderatorin und habe ihn während der Dreharbeiten zum fünften 'Wilde Kerle'-Film interviewt - haben wir uns ineinander verliebt. Joachim hat immer an meine Fähigkeiten geglaubt und als die Castinganfrage für den 'Tatort' kam, war er begeistert."

Würden Sie sich für den "Playboy" ausziehen?

"In zwanzig Jahren vielleicht, wenn ich dann immer noch so aussehen sollte, dass man es sehen will."

Gibt es ein Körperteil, mit dem Sie besonders zufrieden sind?

"Mit meinem Rücken."

Und eines, das Sie lieber verstecken würden?

"Meine Handinnenflächen, weil die durch meine Neurodermitis, unter der ich früher sehr gelitten habe, sehr vernarbt sind. Und meine Füße. Die kriege ich leider nicht durch Yoga weg."

Was denken Sie über Schönheitsoperationen?

"Das muss jeder für sich entscheiden. Es gibt durchaus Fälle, die eine Schönheitsoperation rechtfertigen. Wenn man durch Krankheit oder einen Unfall entstellt ist oder wenn man mit irgendetwas an sich total unglücklich ist. Meine Nase zum Beispiel. Die war durch den Kampfsport platt wie eine Autobahn. Und jetzt ist sie wieder so wie sie ursprünglich war."

Würden Sie auch noch in 20 Jahren nackt vor die Kamera treten?

"In 20 Jahren sind zwei Drittel unserer Gesellschaft älter als 75. Da bin ich dann mit 55 noch immer knackig und jung. Warum also nicht?"