Kristen Wiig, Maya Rudolph
© Universal Kristen Wiig, Maya Rudolph

Kinotipp Brautalarm

Derbe Zoten und Fäkalsprache: "Brautalarm" strapaziert nicht nur die Lachmuskeln, sondern vor allem das Schamgefühl der Zuschauer

Inhalt

Für Lillian (Maya Rudolph) ist ein großer Traum in Erfüllung gegangen: Ihre Hochzeit steht kurz bevor. Doch des einen Freud, ist des anderen Leid - diese Erfahrung muss zumindest Lillians beste Freundin Annie (Kristen Wiig) machen, für die die neuen Entwicklungen eine mittelgroße Katastrophe darstellen. Schließlich läuft in ihren Leben momentan nichts wirklich rund: Ihr langjähriger Freund hat sie verlassen, der aktuelle Lover (Jon Hamm) will außer Sex nichts von ihr wissen und beruflich sieht es nach dem Verlust ihrer eigenen Bäckerei so schlecht aus, dass sie sich außer einem Zimmer in einer heruntergekommenen WG nichts leisten kann.

Annie (Kristen Wiig, rechts) versucht sich als erste Brautjungfer von Lillian (Maya Rudolph, links).
© UniversalAnnie (Kristen Wiig, rechts) versucht sich als erste Brautjungfer von Lillian (Maya Rudolph, links).

Das Angebot, Lillians erste Brautjungfer zu werden, kann Annie trotz privater Turbulenzen aber nicht ausschlagen. Voller Eifer stürzt sie sich in die ersten Hochzeitsvorbereitungen, bis die ebenso reiche wie zickige Helen (Rose Byrne) auftaucht. Rasend vor Eifersucht auf die jeweilige Konkurrentin, entfacht zwischen den beiden Brautjungfern ein handfester Krieg - und der lässt nicht nur die zukünftige Braut verzweifeln.

Star-Feature

Die schöne Zicke, die bodenständige Loserin und die derbe Zoten-Frau: Mit Rose Byrne, Kristen Wiig und Melissa McCarthy in den Hauptrollen lässt "Brautalarm" kein Klischee aus. Macht aber nichts, schließlich geben die Hollywoodstars auf der Leinwand einfach alles.

Melissa McCarthy überzeugt in der Rolle der derben Megan.
© UniversalMelissa McCarthy überzeugt in der Rolle der derben Megan.

Besonders Melissa McCarthy, bekannt aus der erfolgreichen US-Serie "Gilmore Girls", legt ein echtes Glanzstück hin. Mit fettigen Haaren und einigen Kilos zuviel ist sie die perfekte Besetzung für eine herrlich unkonventionelle Anti-Heldin, die mit ihren Sprüchen für so manchen Lacher sorgt. "Als ich das Drehbuch das erste Mal las, wusste ich sofort, wie Megan aussehen und reden sollte. Ich hatte schnell eine starke Verbindung zu dem Charakter", erzählt die Schauspielerin. Und das kauft man ihr auch sofort ab: Schließlich mimt McCarthy die Rolle der Megan so überzeugend, dass man wegen ihrer abgedrehten Art und den maskulinen Gesten manchmal regelrecht im Kinosessel zusammenzuckt.

Auch sehenswert: Kristen Wiig, die nicht nur die Hauptrolle in "Brautalarm" übernommen, sondern gemeinsam mit ihrer langjährigen Kollegin Annie Mumolo auch das Drehbuch geschrieben hat. Die Komödie zu spielen, war für Wiig ein echtes Heimspiel, begann ihre Karriere doch im Impro-Theater. Mittlerweile ist sie in "Saturday Night Life" längst eine Showgröße.

Fazit

Brautjungfern, die sich nach einem misslungenen Restaurant-Besuch vor lauter Übelkeit über die Kloschüssel hängen oder eine Braut, die in ihrem sündhaft teuren Kleid plötzlich von Durchfall heimgesucht wird: Wer sich "Brautalarm" ansieht, sollte entweder mit einem ziemlich dicken Fell für Fremdschäm-Momente oder einem derben Sinn für Humor ausgestattet sein. Andernfalls dürfte der Kinobesuch für viele alles andere als lustig werden. Denn was beim männlichen Pendant "Hangover" noch funktioniert hat, geht bei "Brautalarm" im wahrsten Sinne des Wortes gehörig in die Hose: Brautjungfern mit Durchfall findet das weibliche Publikum wohl in den seltensten Fällen wirklich lustig.

Andrea Zernial

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