Jördis Triebel : Jördis Triebel
© Getty Images Jördis Triebel

Jördis Triebel "Kinder spüren alles"

Ab Donnerstag läuft das Familiendrama "Meine Schwestern" mit Jördis Triebel im Kino. Im Gespräch mit "Gala" verrät sie, wie gut sie sich mit ihren eigenen Schwestern versteht und wie sie Beruf und Familienleben unter einen Hut bringt

Zusammen rumtollen, sich zoffen und wieder versöhnen - unter Schwestern fahren die Gefühle häufig Achterbahn. So auch in dem Film "Meine Schwestern", der am Donnerstag (6. Februar) in die Kinos kommt. Das Thema ist allerdings weitaus ernster: "Linda", gespielt von Jördis Triebel (bekannt aus "Emmas Glück"), muss mit 30 Jahren wegen eines schweren Herzfehlers operiert werden. Vor der OP packt sie ihre beiden Schwestern ein und macht mit ihnen eine Reise in die Vergangenheit – von Hamburg über die Nordsee bis nach Paris. "Gala" sprach mit der talentierten Schauspielerin über ihren neuen Film, über Schuldgefühle gegenüber ihren Kindern und Frauen am Herd.

Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Ihren drei Schwestern beschreiben?

Zwei meiner Schwestern sind fast zwölf Jahre jünger als ich. Das ist ein großer Abstand. Aufgewachsen bin ich mit meiner "großen Schwester". Sie ist ein eher stillerer Typ und in meiner Wahrnehmung war ich nicht besonders nett zu ihr. Heute versuche ich, das wieder gerade zu rücken, und sie davon zu überzeugen, dass sie keine Angst mehr vor mir haben muss (lacht). Ganz ehrlich: Je älter wir vier werden, desto besser ist das Verhältnis. Im März wollen wir alle zusammen verreisen – ohne Familie und Männer.

Können Sie sich an einen bestimmten Streit von früher erinnern?

Meine ältere Schwester hatte mal einen Freund, auf den war ich neidisch. Aber sonst hat sich alles Grenzen gehalten.

Sie spielen meist in ernsten, nachdenklichen Filmen mit. Haben Sie nicht mal Lust auf einen lustigen Streifen?

Auf eine gute Komödie hätte ich große Lust. Toll wäre auch ein Musical, aber als Schauspieler ist man darauf angewiesen, dass einem auch entsprechende Angebote gemacht werden. "Meine Schwestern" war auch in dieser Hinsicht eine Ausnahme, denn wir waren in den Entwicklungsprozess der Geschichte und der Figuren direkt eingebunden.

Einige denken, Schauspieler zu sein sei kein richtiger Beruf, man müsse nur mal eben einen Text auswendig lernen und den dann aufsagen. Wie finden Sie das?

Naiv, denn jeder, der das behauptet, soll es mal ausprobieren. Aber es ist schön, dass der Eindruck entsteht, denn natürlich soll die Arbeit leicht aussehen.

Sie waren für Ihre Rolle in "Emmas Glück" für den Deutschen Filmpreis nominiert. Wie stehen Sie zu solchen Ehrungen?

Ganz einfach: Einen Preis zu gewinnen ist wahnsinnig toll! Es gibt für einen Schauspieler kaum etwas Schöneres, als für seine Arbeit ausgezeichnet zu werden. Der Druck kommt von ganz allein und natürlich vor dem Preis, denn der Film muss ja erst gedreht werden …

Jördis Triebel : Szene aus dem Drama "Meine Schwestern". Jördis Triebel (als "Linda") liegt in der Mitte, links ist Nina Kunzendorf ("Katharina") zu sehen, rechts Lisa Hagmeister ("Clara").
© Alamodefilm/ Lars KraumeSzene aus dem Drama "Meine Schwestern". Jördis Triebel (als "Linda") liegt in der Mitte, links ist Nina Kunzendorf ("Katharina") zu sehen, rechts Lisa Hagmeister ("Clara").

Sie sagten einmal in einem Interview, dass Sie nie lange an einem Ort bleiben können. Sind Sie jetzt angekommen?

Eine schwierige Frage. Ich habe das Gefühl, je älter ich werde, desto mehr komme ich in mir selbst an. Wie lange das anhält, weiß ich natürlich jetzt noch nicht. "Meine Schwestern" zeigt gerade, wie vergänglich der Moment ist und wie wichtig es ist, die guten Momente festzuhalten.

Sie sind mit dem Schauspieler Matthias Weidenhöfer liiert. Bleiben Schauspieler gerne unter sich?

Von der praktischen Seite hätte ich wahrscheinlich einen Handwerker heiraten sollen, aber das sollte nicht sein. Es ist wie in jedem Leben: Man sieht sich und verliebt sich. Das ist bei Schauspielern nicht anders.

Sie übernahmen bereits mit Anfang 20 Mutterrollen am Theater. Hat Sie das auf ihre eigene, private Mutterrolle vorbereitet?

Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Schauspiel ist der Beruf, mein Privatleben ist keine Rolle. Aber natürlich schlagen sich die Erfahrungen im Leben auf die Arbeit nieder.

Haben Sie Schuldgefühle gegenüber ihren Söhnen, wenn Sie arbeiten gehen?

Wie jede Mutter. Aber eine gute Freundin hat zu mir gesagt, dass eine gute Mutter, die aufgrund der Kinder auf etwas verzichtet, was sie liebt, keine glückliche Mutter sein wird. Und Kinder spüren alles.

Jördis Triebel : Jördis Triebel mit ihrem Freund, dem Schauspieler Matthias Weinhoefer.
© Getty ImagesJördis Triebel mit ihrem Freund, dem Schauspieler Matthias Weinhoefer.

Viele prominente Frauen klagen in letzter Zeit, dass das Muttersein der schwerste Job auf der Welt sei. Sehen Sie das auch so?

Ich würde es eher so formulieren: Nicht das "Muttersein", sondern der Anspruch der Gesellschaft an die Frauen, die Mutterrolle und den Beruf parallel optimal zu stemmen, ist Hochleistungssport. Die Umstände sind dabei entscheidend: Frauen verdienen in der Regel weniger – auch im Medienbereich – und es gibt immer noch zu wenig gute Betreuungsplätze. Aber das ist kein Problem von prominenten Frauen, sondern von allen Frauen, die Beruf und Familie verbinden wollen.

Wie stehen sie zu dem Modell "Frauen bleiben zu Hause, hüten die Kinder, kochen und Männer bringen das Geld rein"?

Wenn sie damit glücklich sind, sollen sie das tun. Ich sehe das ganz wertfrei, denn es geht doch darum, dass jeder mit seinem Leben glücklich ist.

Wie sieht es in der Erziehungsfrage bei Ihren Kindern aus: Sind Ihr Mann und Sie sich da immer einig?

Natürlich nicht, aber das ist das Spannende an der Erziehung von Kindern, dass Mutter und Vater unterschiedliche Rollen ausfüllen. Aber in den wesentlichen Dingen stimmen wir überein.

Dürfen Ihre Kinder später auch Schauspieler werden?

Sie dürfen werden, was sie wollen. Hauptsache sie sind glücklich.

Sie haben einen markanten Berlin-Dialekt. Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, diesen abzulegen?

Dialekt an sich ist etwas Schönes, denn es hat etwas mit Herkunft und Identität zu tun. Ich kann inzwischen aber auch Hochdeutsch.

"Meine Schwestern" läuft ab Donnerstag, 6. Februar, in den deutschen Kinos. Übrigens: Am 6. Februar kommen Schwestern vergünstigt ins Kino - wenn eine Schwester zahlt, ist der Eintritt für die zweite umsonst. Die Aktion gilt bundesweit für alle Vorstellungen und findet am 06. Februar 2014 in allen einsetzenden Kinos statt. Bei ausverkauften Vorstellungen besteht kein Anspruch.