Götz George
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Götz George Schweres Stück Arbeit

Zum 75. Geburtstag macht sich Götz George selbst das größte Geschenk: Er wagt den ultimativen Kraftakt und spielt seinen Vater Heinrich

Täter oder Opfer? Heinrich George wollte vor allem eines sein, selbst zu Hitlers Zeiten: Schauspieler. So einfach war das aber nicht. Die Nazis setzten Deutschlands größten Star neben Gustaf Gründgens unter Druck. George gab nach, ließ sich instrumentalisieren, spielte in Propagandafilmen wie "Jud Süß" und hielt Durchhalte-Reden. Im Gegenzug machte ihn Joseph Goebbels zum Intendanten des Schiller-Theaters in Berlin, wo George auch jüdische Kollegen beschäftigte. Nach Ende des Krieges wurde ihm vor einem russischen Gericht der Prozess gemacht. Er musste ins Arbeitslager, wo er 1946 starb.

Götz George: "George": Das Doku-Drama (am 22. Juli, 20.15 Uhr, auf Arte; am 24. Juli, 21.45 Uhr, im Ersten) fokussiert Karriere und Fall Heinrich Georges. Weil der sich von den Nazis für Propaganda instrumentalisierenl ieß, wurde er verurteilt.
© SWR/Thomas Kost"George": Das Doku-Drama (am 22. Juli, 20.15 Uhr, auf Arte; am 24. Juli, 21.45 Uhr, im Ersten) fokussiert Karriere und Fall Heinrich Georges. Weil der sich von den Nazis für Propaganda instrumentalisierenl ieß, wurde er verurteilt.

Götz George hat seinem Vater – und sich selbst zum 75. Geburtstag – ein Denkmal gesetzt: indem er Heinrich George mit all seiner Ambivalenz auferstehen lässt. Götz George hat kaum Erinnerungen an seinen Vater, erzählt er bei der Präsentation von "George". Und er spricht offensichtlich nicht gern öffentlich über den Mann, der starb, als er selbst ein kleiner Junge war. "Das ist zu intim und würde den Rahmen sprengen", knurrt er auf die Frage, was ihn letztlich überzeugt habe, sich in einem Film mit der Figur seines Vaters, der immer als Mitläufer galt, auseinanderzusetzen. Dass der Umgang mit ihm heikel ist, ist Götz George bewusst. Er lebt schließlich sein ganzes Leben mit der Frage, wie sehr verstrickt sein Vater in die Strategien der Nazis war. "Er wurde benutzt, und er ließ sich benutzen“, so sein Fazit, zu dem auch der fast zweieinhalbstündige Film kommt. "Mein Vater", so George, "hatte das Unglück, in eine Zeit geworfen zu werden, in der nicht nur sein großes Können gefragt war. Er musste dem Kompromiss den Vorrang einräumen."

In dem beeindruckend dichten Drama, das Nico Hofmann koproduzierte, spielt George nicht bloß George. Er ist der Vater als Privatperson, er ist der Vater in großen Theaterrollen. Und er ist ganz er selbst, wenn er mit Bruder Jan, heute 82, in der Familienvilla nach Erinnerungen sucht. Angereichert ist "George" mit historischen Film- und Tonaufnahmen sowie Interviews mit Zeitzeugen. So entsteht ein kaleidoskopartiger Blick auf einen umstrittenen Charakter, mit dem auch der Sohn bis heute hadert. 500 Drehbücher über das Leben des Vaters habe er abgelehnt, erst mit Regisseur Joachim A. Lang wollte er zusammenarbeiten. Hätte er Heinrich George je übertreffen können? "Nein, er war besser, besessener."

Götz George: Götz um 1938 mit dem Vater, Mutter Berta Drews und Bruder Jan.
© SWR/Jan George PrivatarchivGötz um 1938 mit dem Vater, Mutter Berta Drews und Bruder Jan.