Bridge of Spies
© 2015 Twentieth Century Fox Bridge of Spies

Bridge of Spies Tom Hanks zwischen den Supermächten

Tom Hanks agiert unter der Regie von Steven Spielberg als New Yorker Anwalt inmitten des kalten Krieges - dies gelingt ihm weitestgehend, ohne das Spannung aufkommt

"Bridge of Spies – Der Unterhändler" ist ein US-Agententhriller aus einer Zeit, in der die Welt in zwei politische Systeme unterteilt ist. Tom Hanks spielt den New Yorker Anwalt James B. Donovan, der den enttarnten Sowjetspion Rudolf Abel (Mark Rylance) vor einem US-Gericht verteidigen soll. Zunächst ist Donovan wenig begeistert von der neuen Aufgabe, doch mit der Zeit arbeitet er sich in die Akten ein. Es gelingt ihm, den Landesverräter vor dem Todesurteil zu bewahren. Als der US-Pilot Francis Gary Powers (Austin Stowell) bei einem CIA-Einsatz über der Sowjetunion abgeschossen wird und in Gefangenschaft gerät, bahnt sich zwischen den beiden Supermächten ein Agentenaustausch an. Der amerikanische Geheimdienst beauftragt Donovan damit, den Austausch zwischen Abel und Powers in Ost-Berlin einzufädeln.

Angela Merkel am Filmset

Steven Spielberg hat im Laufe seiner Karriere oft bewiesen, dass er schweren historischen Stoffen frischen Wind verleihen kann. "Schindler's Liste" und "Soldat James Ryan" konnten zurecht zahlreiche Filmpreise einheimsen. Auch Hauptdarsteller Tom Hanks gilt als einer der erfolgreichsten Hollywoodmimen der letzten 25 Jahre. Für "Bridge of Spies" arbeiten beide zum insgesamt elften Mal zusammen. Das Drehbuch stammt zudem von den renommierten Gebrüdern Ethan und Joel Coen. Diesen Superlativen wird noch ein Detail beigefügt, denn aufgrund der deutsch-deutschen Thematik des Streifens besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel das Filmset im Jahr 2014 an der berühmt-berüchtigten Glienicker Brücke bei Potsdam - über diese Verbindung wurden in damaliger Zeit traditionell Agentenaustausche vorgenommen, zudem spielt der Produktionstitel darauf an.

Weitestgehend spannungsarm

Der Stoff ist historisch bedeutend, die Thematik alles andere als uninteressant - und trotzdem springt der Funke bei mir nicht über. Kulissen und Ausstattung sind detailgetreu, weshalb auch der damalige Zeitgeist glaubwürdig reproduziert werden kann, doch die Inszenierung ist insgesamt zu holzschnittartig angelegt. Altes Ost-West-Denken kehrt kommentarlos auf die Leinwand zurück und die Rollen von "Gut" und "Böse" sind nach meinem Geschmack zu klar verteilt. Mir fehlen die erzählerischen Brüche, die wirklich Schwung in die Sache bringen würden. Hauptdarsteller Tom Hanks gelingt es schon allein aufgrund seiner eingeschränkten Gesichtsmimik nicht, den Zuschauer ansatzweise mitzureißen. Zudem werden spannende Figuren, wie der von Sebastian Koch dargestellte DDR-Unterhändler und Rechtsanwalt Wolfgang Vogel, nur angedeutet. Unter dem Strich bleibt für mich ein pathosgeschwängerter US-Agentenfilm, der veraltete Ressentiments in Überlänge pflegt.

"Bridge of Spies – Der Unterhändler" ist für insgesamt sechs Oscars bei der diesjährigen Verleihung nominiert.

Von Timo Buschkämper, Online-Redakteur bei GALA