Bill Kaulitz
© Getty Images Bill Kaulitz

Bill Kaulitz "Ich bin nicht der One-Night-Stand-Typ"

Anlässlich seines Films "Arthur und die Minimoys 2", in dem Bill Kaulitz dem Titelhelden seine Stimme leiht, traf Gala den Tokio-Hotel-Sänger zum Gespräch über Mädchen, Gerüchte und Kochkünste

Für die deutsche Synchronfassung hat Bill Kaulitz

wie bereits im ersten Teil dem Titelhelden des Films "Arthur und die Minimoys 2 - Die Rache des Bösen M" seine Stimme geliehen. Gala traf den Tokio-Hotel-Sänger zum Interview.

In "Arthur 2", dem neuen Animationsfilm von Luc Besson, haben Sie nun bereits zum zweiten Mal dem kleinen Helden Ihre Stimme geliehen. Ist es denn schwierig, sich mit einer Fantasy-Figur zu identifizieren?

Es ist schon eine Herausforderung, sich in eine Fantasiewelt hineinzuversetzen und einer Trickfilmfigur durch die eigenen Stimme Emotionen einzuhauchen. Am schwierigsten ist es, wenn man plötzlich wie auf Befehl lachen oder weinen muss. Und das mehrere Male hintereinander. Aber am Ende hat es doch ganz gut geklappt.

Könnten Sie sich auf vorstellen, demnächst für einen Kinofilm auch vor der Kamera zu stehen?

Eigentlich war ich immer der Meinung, dass Sänger singen und Schauspieler schauspielern sollen. Doch ehrlich gesagt, habe ich in letzter Zeit immer wieder darüber nachgedacht, es doch einmal auszuprobieren. Wobei ich jedoch noch gar nicht weiß, ob ich überhaupt genügend Talent dazu habe. Es müsste deshalb erst einmal eine kleine Rolle sein.

Bill Kaulitz leiht auch im zweiten Teil von "Arthur und die Minimoys" dem kleinen Helden seine Stimme.
© TobisBill Kaulitz leiht auch im zweiten Teil von "Arthur und die Minimoys" dem kleinen Helden seine Stimme.

Würden Sie lieber einen Bösewicht oder einen Superhelden spielen?

Auf alle Fälle den Bösewicht. Am liebsten einen Vampir oder einen Junkie - ja, das wären meine absoluten Traumrollen.

Das nächste "Twilight"-Buch wird sicherlich auch bald verfilmt, wie wäre es als böser Vampir an der Seite von Robert Pattinson?

Hey, bei "Twilight" würde ich sofort Ja sagen.

In "Arthur 2" schlägt das Herz des kleinen Helden für Prinzessin Selena. Ihr Herz dagegen ist weiterhin auf der Suche ...

Ich würde mich ja echt gerne verlieben, aber es scheitert einfach an dem Leben, das ich derzeit führe. Mit "Tokio Hotel" verbringen wir höchstens zwei Tage in einer Stadt und fliegen dann schon wieder in die nächste. Mir aber ist in einer Beziehung nun einmal Vertrauen sehr wichtig. Ich bin unglaublich skeptisch und lasse nur ganz wenige Menschen nah an mich ran. Natürlich gäbe es die Möglichkeit, jeden Abend ein Mädchen mit aufs Zimmer zu nehmen, aber das habe ich noch nie gemacht. Ich bin überhaupt nicht der One-Night-Stand-Typ. Das ist auch nicht das, wonach ich suche. Ich suche jemanden, der mir wirklich etwas bedeutet.

Was müsste eine Frau haben, um Ihr Interesse zu wecken?

Sie müsste Lebensfreude ausstrahlen, spontan sein und selbstbewusst. Außerdem sollte sie auf eigenen Beinen stehen und ihr Leben nicht von meinem anhängig machen.

Ihre Karriere mit "Tokio Hotel" mutet auch an wie aus einem Märchen an. Sie sind zu Weltstars geworden in den vergangenen fünf Jahren. Wünschen Sie sich manchmal, einfach nur der ganz normale Bill Kaulitz zu sein, der sie vorher waren?

Absolut. An manchen Tagen wache ich auf und denke mir: Oh Gott, das überfordert mich alles, ich will und kann heute nicht. Es gibt natürlich einen Riesendruck, der auf uns lastet und den meisten Druck mache ich mir selbst. Mein Bruder Tom und ich, wir sind Kontrollfreaks. Es ist für uns unglaublich schwer, anderen Menschen Entscheidungen zu übertragen. Alles läuft über unseren Tisch - und das ist manchmal einfach zu viel. Aber dieses Autoritätsproblem habe ich nun einmal, und das wird sich wohl auch nicht ändern.

Bill Kaulitz wird bei der Berlin-Premiere von "Arthur und die Minimoys 2" von seinen Fans gefeiert.
© WireImage.comBill Kaulitz wird bei der Berlin-Premiere von "Arthur und die Minimoys 2" von seinen Fans gefeiert.

Wie gelingt es Ihnen, sich zu entspannen, neue Kraft zu schöpfen?

Das Einzige, was mich wirklich ablenkt, ist die Zeit mit meiner Familie, mit meinen alten Freunden aus der Schulzeit und mit meinen Hunden. Nur in diesem engen Kreis, mit Menschen, die mich schon vor "Tokio Hotel" kannten, kann ich innerlich wirklich entspannen. Ihnen gegenüber habe ich hundertprozentiges Vertrauen. Diese Freundschaften sind sehr intensiv und mir deshalb auch unglaublich wichtig.

Aber einfach einmal mit den Jungs aus der Schulklasse in die Disco gehen, das geht ja nicht mehr ...

Nein, ich habe kein normales Leben mehr - und werde es wohl auch nie mehr haben. Da brauche ich mir gar nichts vormachen. Wenn ich rausgehe, sind Bodyguards dabei und vor meiner Haustür steht auch einer. Der Erfolg ist nun einmal ein Fluch und ein Segen zugleich. Ich kann nicht richtig damit leben, ohne ihn könnte ich aber auch nicht. Ich brauche das ja: die Bühne, das Auftreten, das Rampenlicht. Das gibt mir viel Kraft, dazu fühle ich mich berufen, und das möchte ich ein Leben lang machen. Aber es gibt natürlich auch Tage, da wäre ich gerne ganz normal.

Was würden Sie machen, an so einem Tag?

Einen Partyurlaub mit ganz vielen Freunden in einem Zwei-Sterne-Hotel auf Mallorca oder Ibiza. So ein Proll-Urlaub, bei dem man schon im Flieger damit anfängt, Sangria zu saufen.

Es ist das Gerücht im Umlauf, der Stress würde Ihnen sehr zusetzen und Sie hätten mit Essstörungen zu kämpfen ...

Es sind insgesamt drei Gerüchte, die jedes Jahr wieder aufkommen: Bill Kaulitz hat Magersucht. Bill Kaulitz ist schwul. Bill Kaulitz verlässt die Band. Aber es stimmt einfach nicht. Ich war immer schon schlank und nehme kein Gram zu, egal was ich mache. Ich achte auf gar nichts. Ich bestelle Milchshakes und Cola, esse Pommes - aber es muss vegetarisch sein. Seit anderthalb Jahren essen Tom und ich kein Fleisch mehr.

Kochen Sie auch selber manchmal?

Mehr als für einen Teller Pasta reichen meine Kochküste nicht. Aber da bin ich eh viel zu faul dafür. Unterwegs bestellen wir mit der Band immer den Room-Service und ansonsten schiebe ich eine Tiefkühlpizza in den Ofen.

Und ihr Leibgericht – von Tiefkühlpizza einmal abgesehen?

Früher habe ich Ente mit Rotkohl und Kartoffeln geliebt. Aber jetzt als Vegetarier darf ich da ja nur noch an die Beilage ran. Deshalb esse ich nun am liebsten Nudelgratin mit viel Käse überbacken. Es muss wohl wirklich an den Genen liegen, das wir nicht zunehmen. Tom wiegt übrigens genauso viel wie ich - nur sind seine Klamotten viel weiter geschnitten. Na ja, und er macht mehr Sport als ich.

Was machen Sie, um sich fit zu halten?

Um die anstehenden Konzerte konditionell durchzustehen, muss ich wohl auch wieder mit Joggen anfangen. Obwohl ich eigentlich total unsportlich bin. Kraftsport, Schwimmen, Fußball - mache ich alles nicht.

Lenz Koppelstätter