Eine Berlinale-Veranstaltung der besonderen Art lieferte die SPD, die in ihrem Willy-Brand-Haus zum Filmabend geladen hatte. Der politische Film sollte hier gefeiert und geehrt werden und ausgesucht hatten sich die Macher da tatsächlich einen explosiven Stoff: “Die vierte Macht” mit Moritz Bleibtreu ist ein brutaler Thriller, der Menschenrechtsverletzungen in Russland an den Pranger stellt.

 Bleibtreu, eigentlich als Klatschreporter nach Moskau gekommen, wird in einen Anschlag tschetschenischer Terroristen verwickelt und landet dafür im Gefängnis. Gleichzeitig folgt er den Spuren seines Vaters, der sich mit den Menschenrechtsverletzungen in der ehemaligen UDSSR als Journalist beschäftigt hatte. Und natürlich gibt es auch eine große Portion Liebe. Auch wenn der Film hier und da seine unerklärbaren Wendungen nimmt und auch manch ein Dialog eher enttäuschend ist, spannend bleibt er dennoch. Die russisch-deutsch-polnische Besetzung liefert – nicht mehr und nicht weniger – ein kurzes Eintauchen in das Russland von heute, oder dass, das wir fürchten, bald vollständig zu haben.
Trotzdem ist der Film wirklich schwere Kost: Denn Gewaltszenen gibt es viele, sehr viele – für viele auch zu viele. Bleibtreu selbst konnte am Abend im Willy-Brandt-Haus nicht dabei sein, dafür aber Max Riemelt, der in “Die vierte Macht” seinen russischen Kollegen spielt. Für Riemelt gab es kurz vor Drehbeginn noch eine Überraschung: “Wir haben uns entschieden, doch auf Englisch zu drehen und Max war dann Russe und nicht mehr deutscher Journalist”, so Martin Gansel. Also wurde das Drehbuch umgeschrieben und Riemelt musste nochmal ganz von vorn anfangen…

Max Riemelt ist neben Moritz Bleibtreu der Shootingstar in "Die vierte Macht".
gepostet von Shila
“Von Reichen nehmen, den Armen geben!” – so oder so ähnlich könnte wohl das Motto der “Cinema for Peace”-Galas sein, die alljährlich an den Hotspost des Geldes stattfinden. Als schöne Lockvogel dienen Hollywoods beliebteste Stars. Unter ihrer Anwesenheit soll ein gut betuchtes Publikum für den guten Zweck spenden.
Wie praktisch, dass die Gala in Berlin während der Berlinale statfand: So waren die entscheidenden Superstars ja ohnehin vor Ort und bereit, zu kommen. Brad Pitt und Angelina Jolie nahmen gegenüber unserer Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger an der Ehrentafel Platz, genauso wie Catherine Deneuve und Christopher Lee, der 90-jährig einen besonderen Applaus für seine laufenden Oscar-Nominierungen entgegennahm. Angelina bekam zwischen Lachs und undefinierbaren Dips und Saucen, die die hyperschlanke Schauspielerin nicht einmal im Geringsten anrührte, den Prei für “Moast valuable Movieie” für ihr Regiedebüt ”In a Land of Blood and Honey” überreicht. “Berühmtheit ist eine Währung”, so Moderator und prominentes Gesicht der „Cinema for Peace“-Initiative Bob Geldorf, die in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feierte. “Und Angelina Jolie hat sich entschieden, ihre Währung einzusetzen, um anderen zu helfen.” Im Laufe des Abends konnte das gutbetuchte Publikum (allein die Platzkarten kosten ein Vermögen) für die unterschiedlichsten Dinge steigern: ein Treffen mit Bob Geldorf, ein Porträt des Dalai Lama oder ein Abend mit Placido Domingo.

"Cinema for Peace" im Berliner Konzerthaus: Moderator Bob Geldorf führt in den Abend ein.
Schön war, Brad und Angelina mal ganz ungestört beobachten zu können. Immer wieder legte der Beau den Arm um ihre schmale Schulter, sie drehte sich zu ihm und flüsterte in sein Ohr – Grinsen. Als Angelina ihren Preis entgegennimmt, steht Brad auf und klatsch mit ausgespreizten Fingern. Dass an diesem Abend, wie übrigens schon die ganze Berlinale über seine Frau die Hauptrolle spielt, scheint ihn überhaupt nicht zu stören. Es ist geradezu befremdlich, aber bei diesen beiden scheint die Realität genauso schön zu sein wie der Schein. Aber: So ganz wissen, kann man das wohl nie. Denn schließlich sind beide auch hervorragende Schauspieler.
gepostet von Shila
Puh – das erste Party-Wochenende ist vorbei. Im Soho House Berlin herrscht an diesem Montagmorgen eher Katerstimmung. Es gibt Brunch – aber essen will hier erst einmal niemand. Florian David Fitz, den man zunächst in der Lobby beobachten konnte, wie er versuchte, sich scheinbar zu sammeln, bestellt einen Extra-großen Saft. Ein wenig blass ist der TV-Liebling um die Nase. Auffallend auch: seine Jacke, die vermutlich mal auf die Farbe Rot gehört hat, jetzt aber eher in ein schmuddeliges Braun gewechselt hat.

Florian David Fitz muss sich in der Lobby erstmal sammeln.
Dass die Stars heute erst einmal durchhängen, kommt nicht überraschend – schließlich liegt ein regelrechter Party-Marathon hinter ihnen. Jeden Abend winkten seit Donnerstag mindestens fünf Galas (exklusive der Premieren) und Partys, alle gleich gut ausgestattet mit Essen und Trinken und – wie gut für uns – mit einer besonders hohen Star-Dichte. Wer also denkt, es ginge bei der Berlinale tatsächlich nur um Filme, der hat sich deutlich geirrt …
Bis heute Abend müssen allerdings alle wieder fit sein. Denn dann steht die "Cinema for Peace"-Gala an – wieder ein absoluter "Place To Be" für unsere Stars.
gepostet von Shila
Der Sonntagabend ist in Berlin zwar nie so richtig ruhig, während der Berlinale funktioniert er allerdings wie ein ganz normaler Party-Abend. Im derzeitigen Szeneladen “Lokal” in Mitte trafen sich die Filmschaffenden an eben diesem Tag nach drei Nächten voller Groß-Partys zum abgeschirmten Pasta essen. Wie gut, dass ich mich noch zur „Kantinale“ dazu gesellen konnte, denn so erlebt man mal die deutschen Stars unter sich – ohne viel Drumherum und vor allem ohne die Hollywood-Größen, die sie immer so wahnsinnig unwichtig erscheinen lassen. Wotan Wilke Möhring nutzte die Stunden vor allem an der Bar, Rieke Schmidt (bekannt aus der Krimireihe “Heiter bis tödlich”) unterhielt einen Tisch in der Ecke. Und Frederick Lau schaute auch mal kurz vorbei. Dazu gab es Nudeln mit Pesto oder stechend scharfe All’arrabbiata-Soße. Es müssen eben nicht immer Austern sein (obwohl diese zu später Stunde wohl auch noch auf den Tisch kamen). Richtig zurückhaltend war wohl auch diese Nacht nicht – gefeiert wurde im “Lokal” bis weit nach drei Uhr morgens.
gepostet von Shila
Kaum ist der Trubel um Angelina Jolie etwas verklungen, gab es für die, die es wollten (und nicht im Jolie-Pitt-Fieber waren, denn auch Brad und die Kinder sind in Berlin) eine schöne, wirklich schöne Überraschung. Denn beinahe ungestört spazierte am Nachmittag Juliette Binoche über den Potsdamer Platz. Der eine oder andere Autogrammjäger wurde freundlich, aber bestimmt abgewehrt. Madame brauchen wohl Ruhe – und offensichtlich einfach nur ein wenig frische Luft. Bei der Berlinale stellt die Grande Dame ihren Film „Elles“ vor.
Ob sie es unbehelligt bis in den angrenzenden Tiergarten geschafft hat, habe ich nicht verfolgt. Der Gedanke, dass ein Weltstar in Berlin einfach nur spazieren gehen kann, war einfach viel zu schön!

Hier posiert Juliette Binoche noch ganz professionell für die Fotografen - bei ihrem Spaziergang über den Potsdamer Platz blieb sie dann aber lieber für sich.
gepostet von Shila
Ganz klar: Auch für den eingefleischtesten Filmkritiker ist es wohl ein Highlight dieser Berlinale, hier Angelina Jolie mal ganz in Echt zu sehen. Am Samstag gab es deshalb auch kein Halten mehr – weg war die sonst so gern an den Tag gelegte Abgebrühtheit der Kollegen, denn die Jolie lud zur Pressekonferenz. Was folgte, war ein recht rüpelhaftes Rennen um die letzten Plätze (ich konnte nur noch mit Babybauch punkten, meine Kollegin Sarah musste sogar draußen bleiben) – und eine riesige Überraschung. Denn auch, wenn Angelina für den größten Starfaktor sorgte – natürlich sieht Angelina Jolie auch in Natur umwerfend aus, das schwarze Kleid sitzt perfekt, die grün-blauen Augen sind wirklich so schön und ihre nackten Arme und Beine tatsächlich so sehnig-muskulös wie eben auf der Leinwand – den emotionalsten Moment lieferten die Schauspieler ihres Regiedebüts „In the Land of Blood and Honey“, in dem der Schrecken des Balkankrieges die Kulisse für eine tragische Liebesgeschichte bildet.
Denn jetzt bekommen die selbst aus Bosnien stammenden Darsteller mit Angelina Jolie nicht nur eine Chance, international auf sich aufmerksam zu machen, sondern auch, mit ihrer Vergangenheit umzugehen. „Angelina Jolie hat uns die Worte und Handlungen gegeben, mit denen wir das ausdrücken können, was wir selbst erlebt haben“, sagen sie nun. Es folgen die Geschichten der Einzelnen darüber, was sie im Krieg durchgemacht haben – plötzlich herrscht große Betroffenheit unter allen Anwesenden. „Mir kommen gleich die Tränen“, textet Sarah von draußen.

Filmemacherin Angelina Jolie mit den Hauptdarstellern ihres Regiedebüts "In the Land of Blood and Honey"
Filmemacherin Angelina Jolie bezieht sich immer wieder darauf, die Verantwortung gespürt zu haben, sich mit einem Krieg zu beschäftigen, „der während meines eigenen Lebens stattgefunden hat.“ In den USA hat sie für ihre drastische Darstellung des Konflikts bereits einige Kritik einstecken müssen –aber auch viel Anerkennung geerntet.
Fast ist es, als würde „In a Land of Blood and Honey“ endlich die große Lücke zwischen Angelina, der um sich ballernden Action-Heldin vor der Kamera und Angelina, der Weltretterin abseits des Filmsets, schließen. Den Zahn hat uns die schöne „Tomb Raider“ an diesem Mittag in Berlin allerdings gleich wieder gezogen: Der nächste Film ist ein Disney-Film und dann gibt es wieder ein wenig Action. Denn: „Das ist so ermutigend für meine Töchter.“
gepostet von Shila
Schon am zweiten Tag gibt es Hollywood-Flair in Berlin: Die Romanverfilmung „Extremely Loud and Incredibly Close“ wird der Presse vorgestellt, in den Hauptrollen: Sandra Bullock und Tom Hanks. Die beiden werden zwar erst zur Premiere am roten Teppich heute abend in der Hauptstadt erwartet, in der Pressekonferenz stellen sich aber Schauspiel-Veteran Max von Sydow und der erst 14-Jährige Hauptdarsteller Thomas Horn den Fragen der Journalisten. Der ist so aufgeregt, dass er aus Versehen in ein falsches Mikro spricht – aber dafür mit seiner guten Laune gleich den ganzen Saal ansteckt! Es sei ja nicht seine erste große Rolle – „Im Schultheater habe ich vor sieben Jahren mal einen Grashüpfer gespielt“.
Weiter so, junger Mann!

Thomas Horn begeistert in Berlin durch seine unverfälschte Art.
gepostet von Sarah
Es ist soweit: Die Jury hat sich vorgestellt und Fragen der Journalisten beantwortet. Noch scheinen alle etwas müde zu sein, auch Sunny-Boy Jake Gyllenhaal braucht etwas, bevor er auftaut. Ob es am Jetlag lag? Die ersten Fragen beantwortet er jedenfalls kaum und mit grimmigem Gesicht, später schwärmt er dann von Jury-Präsident Mike Leigh, den er schon als kleiner Junge verehrte, und ist zu Scherzen aufgelegt. “Diese Jury ist intelligent und gebildet genug, um fundierte Entscheidungen treffen zu können”, sagt Leigh. “Jetzt hat er aber nur für sich gesprochen”, wirft Jake schmunzelnd ein.

Die Berlinale-Jury stellt sich den Fragen der Journalisten.
Mit Charlotte Gainsbourg kichert er später und verlässt die Pressekonferenz in sichtlich besserer Stimmung als zu Beginn. Zum Glück - wäre doch schade, wenn die Jury bereits am ersten Tag zerstritten wäre. Auf sie warten spannende Filme, unter anderem "Les Adieux a la reine" heute Abend mit Diane Krüger.
gepostet von Sarah
Berlin im Berlinale-Fieber: Die ersten Autogrammjäger haben sich trotz Schnee und Eis in Position gebacht und warten vor dem Grand Hyatt Hotel am Potsdamer Platz auf die Stars. Das Bibbern lohnt sich: Jake Gyllenhaal ist jetzt ganz nah! Drinnen fällt nämlich der Startschuss zur Berlinale 2012 – die Jury gibt die Eröffnungs-Pressekonferenz.

Autogrammjäger warten vom dem Grand Hyatt Hotel in Berlin.
gepostet von Sarah