Die Dachterrasse eines Ateliers in einem Mailänder Hinterhof. Blätternde Häuserfassaden unter wild wachsender Pflanzenwelt, ausrangierte Badewannen als Stilobjekte. Eine seltsam verwunschene Umgebung und somit perfekt für die Präsentation von "Potion", dem zweiten Parfüm der eineiigen Modezwillinge Dean und Dan Caten. Zum Interview tauchen sie wie gewohnt im Einheitsdress auf - Hemd, Krawatte, Jeans - und antworten entweder gleichzeitig dasselbe, stoppen unerwartet nach einem Halbsatz, um den anderen weitersprechen zu lassen, oder unterbrechen den Bruder, um ihm ins Wort zu fallen. Es ist - bis auf eine Ausnahme – unmöglich, im Nachhinein festzustellen, wer nun was gesagt hat. Dean und Dan Caten sind eins, und diese Einheit ist wohl auch die Zauberformel ihres Erfolgs.
Dean und Dan, lassen Sie mich raten: Sie haben schon als Kids das gleiche Parfüm benutzt.
Stimmt. "Kouros" von Yves Saint Laurent und "Eau Sauvage" von Dior. Wir haben immer eine Flasche gekauft und uns die dann geteilt.Wann haben Sie beschlossen, selbst ins Parfüm-Business einzusteigen?
Als unser Label einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hatte. "Wood", unser erster Duft, brachte unseren Stil auf den Punkt. Mit dem zweiten Parfüm wollten wir etwas ganz anderes machen. "Potion" ist nicht nur ein Duft, es ist die Wissenschaft der Verführung, ein Zaubertrank.Wie erkennt man, dass man einen Zaubertrank entwickelt hat?
Das ist ein langer Prozess. Wir tragen die Duftproben, die uns am besten gefallen, über mehrere Wochen. Ein Zaubertrank ist dann perfekt, wenn er wirkt!Riecht der Duft an Ihnen unterschiedlich?
Nein, genau gleich.Und wer kam auf den Namen "Potion"?
Ich! Nein, er! Nein, ich! Wir beide!Der Flakon erinnert an Aftershaves aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren, der Duft ist für Dsquared ungewohnt reif, herb, würzig, vielleicht sogar unkommerziell.
Der "Potion"-Mann ist eben sehr speziell. Er ist körperlich, sinnlich, unmissverständlich sexy, er ist der Typ Mann, der weiß, wie verführerisch er auf andere wirkt.Funktioniert Verführung immer auch über den Geruchssinn?
Sagen wir es so: Nichts ist weniger verführerisch, als wenn man jemanden nicht riechen mag. Das haben wir beide schon erlebt. Aber wir wurden beide auch schon durch einen Geruch verführt.Warum fungieren Sie eigentlich nicht als Ihre eigenen Werbebotschafter? So wie Tom Ford das macht.
Dean: Ja, das könnten wir auch, wobei Tom wohl mehr Sexiness verkörpert.Dan: Ach, das ist doch retuschiert.








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