Ein Ärgernis sind sie für viele Passanten, ein Schandfleck für jeden Luxusboulevard: Graffiti gelten bis heute als Schmuddelkinder der internationalen Kunstfamilie. Den Schaden, den die "Schmiereien" allein in Deutschland pro Jahr anrichten, beziffern die Behörden auf gut 250 Millionen Euro; immer stärkere Chemikalien werden eingesetzt, um Häuserfassaden von Tags zu befreien, den Erkennungsmarken der Sprayer.
Die Mode-Szene beobachtet solche Bemühungen amüsiert. Denn sie feiert derzeit wieder einen Mann, der vor Jahren mit seiner kreativen Umsetzung solcher "Schandflecken" einen Hype unter Trendsettern ausgelöst hat und dessen künstlerisches Erbe in den nächsten Monaten wieder für Furore sorgen wird. Ausgerechnet bei jenen Luxuskunden, die alles dafür tun würden, damit ihr Eigenheim nicht mit Sprayer-Werken verschandelt wird.
US-Designer Stephen Sprouse (er starb 2004 im Alter von 51 Jahren an Lungenkrebs) hätte heute seinen Spaß daran zu beobachten, wie junge Fashion-Victims und mit Perlenketten behängte Damen die Verkäufer von Louis Vuitton umgarnen, damit sie eine der neuen Sprouse-Bags erwerben dürfen.
Am 9. Januar kommen die Taschen weltweit in den Handel. Vuitton-Kreativdirektor Marc Jacobs entwarf eine Re-Edition der Graffiti-Linie, die vor acht Jahren in Zusammenarbeit mit Stephen Sprouse entstanden war.
Damals wurde durch diesen Scoop aus einem angestaubten Kofferhersteller ein ultracooles Unternehmen. Und Sprouse selbst, der bis dahin nur Szenegängern bekannt war und am Rande des Existenzminimums lebte, erlangte Weltruhm. Viele feiern ihn als "zweiten Andy Warhol". Eindrucksvoll dargestellt wird sein Einfluss nun in der New Yorker Ausstellung "Rock on Mars" (bis 28. Februar in der Deitch Gallery). "Stephen war in vielem seiner Zeit weit voraus", erklärt Galerist Jeffrey Deitch. "Heute ist die Welt bereit, ihn zu verstehen."









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