Kaschmir gilt heute unter Experten als "der Lachs der Mode". Einst ein exklusives Produkt, wurde er wie der Edelfisch zum Massenartikel. Zwar gibt es noch immer kleine Marken, die aus der besten Wolle das Feinste stricken. Doch überall werden billige Pullover minderer Qualität angeboten. Wenn man sich mit Andreas Knezovic, dem Gründer des Labels FTC Cashmere, über dieses Problem unterhält, gerät er in Rage. "Schlimm!", sagt er. "Ich habe früher auf meinen ersten Kaschmirpullover gespart!" Der Süddeutsche kennt sich aus in der Branche. Seine Marke gehört zu jenen, die bewusst einen anderen Weg gehen. "Unter dieser Vermassung leiden die Lieferanten in China. Natürlich könnte ich den einfacheren Weg gehen und die Ware sehr günstig einkaufen. Aber darunter leiden die Farmer vor Ort. Wir setzen lieber auf den verantwortungsvollen, den ordentlichen Weg."
Seine Geschäftsprinzipien stehen bei Knezovic sogar im Markennamen: FTC steht für Fair Trade Cashmere. Er lässt in eigenen Firmen in China produzieren, unterstützt örtliche Schulen, um so die Landflucht einzudämmen.
Seiner Verantwortung ist sich der Unternehmer bewusst. Fair und fesch schließen sich dabei nicht aus. "Unsere Kollektion ist letztlich genauso gut und zeitgemäß wie bei allen anderen auch", sagt der Chef. "Dank neuer Verfahren gibt es sogar beim Färben der Wolle kaum noch Probleme." Seine Firma hat knapp 500 Mitarbeiter in China. Am Produktionsort ist man der größte Steuerzahler. Knezovic selbst kümmert sich quasi um alles. Nach dem Gala-Gespräch muss er mit seinen Leuten in Asien skypen.
Die Themen könnten unterschiedlicher nicht sein: Die neue Kollektion wird genauso besprochen
wie die Sozialleistungen - und sogar der Kantinenplan für die nächste Woche.
Knezovic: "Sicher ist das mehr Arbeit und Aufwand. Aber ich möchte ein gutes Gewissen haben, und ich bin fest davon überzeugt, dass sich dies auf Dauer durchsetzen wird."
Marcus Luft










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