Wer im tiefsten Inneren spürt, die Liebe seines Lebens gefunden zu haben, sucht irgendwann einen Weg, dieses Gefühl nach außen zu tragen. Manche schreiben dann Briefe, Gedichte oder komponieren Lieder. Der spanische Künstler Salvador Dalí fand einen anderen Weg. Eines Tages entwarf er für Gala, jene Frau, die ihn als Muse und Geliebte so inspirierte wie niemand anderes auf der Welt, ein Liebes-Alphabet, das "Daligramm".
Als Jahrzehnte später Leonello Borghi, Chefdesigner der französischen Taschenmarke Lancel, in den Archiven des Unternehmens stöberte, fand er eine Tasche, deren Trageriemen eine Fahrradkette ist und deren Leder mit dem Daligramm bedruckt war. Salvador Dalí, so fand Borghi heraus, hatte die Tasche 1976 im Alter von 77 Jahren gemeinsam mit Lancel für seine "Lebensfrau" produzieren lassen. Das Muster darauf, so recherchierte Borghi weiter, komponierte der Künstler aus acht unterschiedlichen Symbolen, die sich wiederum aus den Buchstaben G für Gala (und ihren Kosenamen Gradiva), D für Dalí und S für Salvador zusammensetzen. Und die Fahrradkette aus Gold wählte Dalí als Zeichen der Kraft, die aus ihrer Vereinigung entstand.
Das Kunstwerk berührte Borghi so sehr, dass er eine Re-Interpretion des Daligramms entwarf. Entstanden ist daraus eine 25-teilige Taschenkollektion aus Leder und Canvas, die in diesen Tagen lanciert wird. "Unsere Daligramm-Collection ist eine Liebeserklärung", erklärt Borghi. "Mit ihr widmen wir der Muse, die in jeder Frau steckt, eine neue Sprache der Liebe." Dalí und Gala verbrachten jeden Sommer ein paar Wochen in Paris, das Paar wohnte in der Suite 106 des Luxushotels "Meurice" am Louvre. Dass die beiden Lancel-Kunden wurden, ist kein Zufall. Denn schon Gründerin Angèle Lancel verstand sich 1876 nicht als Chefin eines Gepäckstückherstellers. Mit ihren Accessoires verschrieb sie sich der French Légèreté, einer entspannten Sinnlichkeit. Dalí und seiner Freundin gefiel diese Lebenseinstellung. Gala war bis ins hohe Alter eine starke Frau, die selbstbewusst und mit Visionen für Aufmerksamkeit sorgte. Ihre mehr als 30 Jahre andauernde Beziehung zu Dalí war von Leidenschaft und Leichtigkeit geprägt. "Wenn man ein Monogramm entwirft, sollte es wenigstens einen Sinn haben", erklärte Dalí damals den Lancel-Täschnern. "Dies ist der Code einer großen Liebe. Er soll für die Ewigkeit gelten." Und kann jetzt aufs Neue entziffert werden...
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