Michelle Obama
© Reuters Michelle Obama

Michelle Obama Eine Frau, die bewegt

Mit der ganzen Familie gesund essen, gemeinsam Sport machen und Gutes tun: Michelle Obama lebt es den Amerikanern vor. Ein Gespräch über Werte, die Spaß machen

Am ersten Frühlingstag 2009 griff Michelle Obama gemeinsam mit 23 Grundschülern zur Schaufel - und legte los:

Nur zwei Monate nach dem Amtsantritt ihres Mannes als US-Präsident hielt die grüne Welle Einzug im Garten des Weißen Hauses. Die First Lady legte dort den ersten Gemüsegarten überhaupt an. Und seit jenem Tag wirbt sie im ganzen Land für "Let's Move!", ihre Kampagne für gesunde Ernährung und Fitness bei Kindern. Unweit des Oval Office, auf rund zwei Dutzend Beeten, wachsen jetzt so ziemlich alle gängigen Gemüsesorten, je nach Jahreszeit. Mehr als 330 Kilo gibt der Garten jedes Jahr her. Vieles davon gelangt zum Abendessen auf den Tisch der First Family oder ihrer Staatsgäste.

Michelle Obama liegt ausgewogenes Essen und Sport am Herzen, vor allem bei Kindern.
© ReutersMichelle Obama liegt ausgewogenes Essen und Sport am Herzen, vor allem bei Kindern.

Der Kampf gegen ungesunde Ernährung ist Michelle Obamas Hauptanliegen, denn Übergewicht breitet sich in den USA aus wie eine Epidemie. Laut einer aktuellen Studie ist jedes dritte Kind zu dick. Sie selbst habe bei ihren Töchtern Sasha, 11, und Malia, 14, lange zu wenig auf bewusstes Essen geachtet, gesteht Michelle Obama. Immerhin sind Waffeln ihr Leibgericht - aber die gibt es nur ausnahmsweise. "Eigentlich ist es einfach, gesund zu essen", erklärt die 48-Jährige, während wir im Esszimmer im zweiten Stock des Weißen Hauses sitzen. "Egal wie viel man verdient oder wo man lebt: Man kann auf zuckerhaltige Getränke verzichten, wieder mehr selbst kochen. Doch auch ich hatte als berufstätige Mutter damit Probleme. Dabei ist es nicht nur gesund, sondern stärkt auch die Gemeinschaft, wenn die Familie wenigstens ein- oder zweimal die Woche zum Essen um einen Tisch versammelt ist." Und wie war das in ihrer eigenen Kindheit? "Meine Mutter hat fast jeden Abend gekocht", sagt die Präsidentengattin, "ganz traditionell: ein Stück Fleisch, eine Portion Gemüse, dazu Kartoffeln. Wir konnten es uns nicht leisten essen zu gehen, also haben wir einmal pro Woche Fast Food gegessen. Wenn es Zeugnisse gab, haben wir Pizza bekommen. Aber das war ja nur einmal im Vierteljahr." Dass bei der First Family das Motto "Family First" gilt, wird schnell klar: Michelle hat ihre Mutter Marian schon vor Barack Obamas Präsidentschaft bei der Betreuung der Kinder eingespannt, als alle noch in Chicago lebten. Noch heute holt Oma Marian Robinson ihre Enkelinnen Malia und Sasha von der Schule ab oder bringt sie zu Geburtstagsfeiern. Ein Modell, das in Amerika wieder verstärkt Schule macht: Rund 49 Millionen Familien wohnen zu mehreren Generationen unter einem Dach. "So vermitteln wir unseren Kindern beständige Werte", sagt Michelle Obama. "Meine Mutter achtet ebenso wie mein Mann und ich darauf, dass sich die Mädchen zu verantwortungsvollen Menschen entwickeln."

Trotz voller Terminkalender verbringen Barack und Michelle Obama so viel Zeit wie möglich mit ihren Töchtern Sasha und Malia.
© ReutersTrotz voller Terminkalender verbringen Barack und Michelle Obama so viel Zeit wie möglich mit ihren Töchtern Sasha und Malia.

Was ist die größte Herausforderung für Eltern heute, aus Sicht der First Lady? "Unseren Kindern beizubringen, dass es in unserer zunehmend unmenschlichen Welt wichtig ist zu helfen. Ich sage meinen Kindern, sie müssen sich jeden Tag darin üben, wer sie sein wollen. Du wachst nicht in 20 Jahren plötzlich auf und bist jemand, der Anteil nimmt - das muss man lernen." Auch hier geht die First Family mit gutem Beispiel voran: "Wir haben schon alles gemacht, in einer Suppenküche mitgeholfen oder Care- Pakete für Soldatenfamilien gepackt." Dabei gibt es eine besondere Tradition: Jedes Jahr an Thanksgiving hilft die ganze Familie in der Gemeinde, wo es nötig ist. "Letztes Jahr hat auch mein Bruder mitgemacht, der Basketballtrainer ist und sein ganzes Team mitbrachte. Für uns ist es wichtig, etwas an die Gemeinschaft zurückzugeben."

Teamgeist wird bei den Obamas großgeschrieben - eine Fähigkeit, die man vor allem im Sport lernen kann. Bis vor Kurzem coachte Präsident Obama noch Sashas Basketballmannschaft mit. "Barack und ich finden Sport genauso wichtig wie Hausaufgaben zu machen und Freunde zu treffen", erklärt Michelle Obama. "Unsere Mädchen sollen lernen, sich mit anderen zu messen, ihre Talente zu entwickeln - und auch mal zu verlieren. Ich möchte, dass sie schwitzen, mit Anmut gewinnen und mit Würde verlieren. Ich möchte, dass sie wissen, wie gut es sich anfühlt, etwas zu schaffen, von dem sie dachten, sie könnten es nicht." Aber wie schafft man es als First Couple, die eigenen Kinder so normal wie möglich aufwachsen zu lassen? "Wir sagen unseren Mädchen: Du kannst schlau sein oder schön, aber wenn du nicht höflich mit den Menschen umgehst, wenn du nicht 'Hallo' sagst und 'Danke' und dich nicht um die Bedürftigen kümmerst - wer bist du dann schon?" Zumindest keine echte Obama, so viel ist sicher. Ana Connery

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