DJ Michel Gaubert, Karl Lagerfeld
© Angeli DJ Michel Gaubert, Karl Lagerfeld

Michael Gaubert Auf ihn hört Karl Lagerfeld

Michel Gaubert ist einer der wegweisendsten DJs. Hier erklärt er, wie man die perfekte Playlist erstellt, warum er auch mal Britney hört und was man den Plattendreher niemals fragen sollte

Mit Michel Gaubert in Kontakt zu treten ist leichter als gedacht. Auf Facebook akzeptiert er einen schnell als Freund. Mails beantwortet er mit "Slaveberry" innerhalb von Minuten. Schwieriger gestaltet sich der Versuch, den 47-jährigen Franzosen auch wirklich zu sprechen. Einmal ist er gegen Mittag noch nicht in seinem Pariser Büro gesichtet worden. Ein anderes Mal schickt er "schöne Urlaubsgrüße aus Griechenland" als Absage. Dann muss ein Telefonat abgebrochen werden, weil er gerade mit Freunden in einem Beachclub in Saint-Tropez sitzt und die Hintergrundbeats "très" laut sind. Immer auf Achse. Ständig feiern. Meistens mit wahnsinnig schönen Menschen - ganz so, wie es sich gehört, wenn man zu den besten DJs der Welt gehört.

Mit Model Audrey Marnay besucht Michel die diesjährige Show von Karl Lagerfeld.
© WireImage.comMit Model Audrey Marnay besucht Michel die diesjährige Show von Karl Lagerfeld.

Vor allem in der Modeszene kommt an Michel Gaubert keiner vorbei: Für Chanel mixt er die Musik bei den Modenschauen. Seit Jahren arbeitet er für Y-3, Jil Sander und andere große Marken. Warum gerade er? Die Frage ist berechtigt, denn früher musste auch Gaubert sich immer wieder anhören, dass es so schwer doch wohl nicht sein könne, etwas aufzulegen, wozu Models im Takt laufen können. Das kriegen ja selbst die Mädchen bei "Germany's Next Topmodel" irgendwie hin. "Das Schwierige ist: Eine Modenschau ist meistens nicht länger als zwölf Minuten", erklärt Gaubert in perfektem Englisch. "Die Musik muss genau den Mood ausdrücken, den der Designer in dieser kurzen Zeit transportieren möchte. Mein Soundtrack sorgt dafür, die Gäste in eine Stimmung zu versetzen, die zum Gesehenen passt: Models, Mode, Ambiente und Soundtrack - alles zusammen ist eine Komposition. Alles muss absolut stimmig sein."

Wie gut ihm das gelingt, weiß vor allem einer: Karl Lagerfeld. Seit Jahren arbeiten Gaubert und der Modepapst eng zusammen. "Mit Karl war ich gerade noch an der Côte. Wir vertrauen uns blind und spielen uns gegenseitig immer wieder die Songs vor, die wir gerade gehört haben." Beide kennen sich schon seit den Achtzigerjahren. Nachdem er seinen Militärdienst quittiert hatte, jobbte Gaubert tagsüber in einem Plattenladen, abends legte er im exzentrischen Pariser Hedonistentempel "Le Palace" auf. Dort lernte er Lagerfeld kennen, der ihn schon kurze Zeit später bat, für eine seiner Defilees die passende Musik zusammenzustellen. "Karl und ich bilden eine Einheit. Wenn wir uns über den Sound für eine seiner Schauen unterhalten, spielen wir uns ein wenig die Bälle zu, und am Ende ist der Soundtrack schon fertig." Gaubert ist Fanatiker, wenn es um Musik geht, er besitzt 24 iPods und gibt jeden Monat rund 4000 Euro für Musik aus. "Karl hat sicherlich mehr iPods als ich, aber was Platten angeht, wird er mich nie schlagen", lacht er stolz. Während sich Michel Gaubert bei Auftragsarbeiten meist nach dem Stil und den Wünschen seiner Kunden richtet, folgt er bei seinen selbst zusammengestellten CDs (beispielsweise "Hooked On Colette", über www.colette.fr) nur seinem intuitiven Musikgespür. Zwischen den Elektro-Beats sind dort überraschenderweise auch klassische Symphonien dabei.

DJ Michel Gaubert und Sebastien Jondeau, Model und Muse, gehören zum engen Kreis von Karl Lagerfeld.
© WireImage.comDJ Michel Gaubert und Sebastien Jondeau, Model und Muse, gehören zum engen Kreis von Karl Lagerfeld.

"Ich bin mir sicher, dass man bald wieder mehr Klassik hören wird", sagt Gaubert. Doch, wer hätte das gedacht, auch Mainstream-Musik aus dem Radio verachtet der Klang-Ästhet nicht von vornherein. "Natürlich höre ich auch Popmusik. Boney M. habe ich sogar schon einmal auf Events gespielt. Und selbst Britney hat wirklich einige sehr gute Songs herausgebracht." Beim Zusammenstellen einer Playlist für den Eigenbedarf - Achtung: Tipp für alle! - rät er: Mischen, aber bitte nicht wahllos. "Natürlich ist es ein Vorteil, dass man heute 100 Tracks in einen Ordner schieben kann. Aber es geht nicht um die Anzahl, sondern darum, dass man niemals in die Versuchung gerät, einen Song überspringen zu wollen. Früher stellte man ja auch Tapes so zusammen, dass sie stimmig sind. Das wird heute im 'Wegdrück-Zeitalter' oft vergessen." Und auf Privatpartys? "Da sollte man sich am besten gar keine Gedanken machen, was man auflegt. Sondern einfach das spielen, was gerade passt." So leicht sich das auch anhört - wer jemals die Peinlichkeit erleben musste, dass auf einer Fete plötzlich die Tanzfläche leerer und leerer wurde, weil man die falsche Platte aufgelegt hatte, weiß es besser.

Wenn Gaubert in Clubs auflegt, was bei dem Antialkoholiker und Drogenverächter nicht mehr häufig vorkommt, genießt er die Stimmung der enthemmten Masse. "Ich mag es, wenn ich eine gewisse Macht über die Tanzenden habe. Mit der Auswahl der Tracks kann man die Stimmung unglaublich beeinflussen." Gelten DJs deshalb zwangsläufig als "cool", wie es immer heißt? "Dafür ist mein eigenes Ego zu klein. Da müssen Sie besser jemand anderen fragen." Aus der Ruhe bringen lässt sich Gaubert trotzdem eher selten. Nur in einer Situation ist er beim Auflegen doch genervt. "Als Gast sollte man sich beim DJ niemals einen bestimmten Song wünschen!" Die Botschaft ist angekommen.

Marcus Luft

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