Männer Beauty

Polierte Fressen

Dass Männerhaut Pflege benötigt, weiß inzwischen wirklich jeder. Kein Wunder also, dass nun die nächste Runde eingeläutet wird: Hart folgt auf zart, und Blut ist das neue Rouge. Auf dem Weg zu wahrer Eman(n)zipation muss man halt einstecken können

Der Mann als rohe Naturgewalt auf den Laufstegen in Paris und Mailand

Der Mann als rohe Naturgewalt auf den Laufstegen in Paris und Mailand

Es gab ordentlich auf die Schnauze:

Treffender kann man die Gesichter der Models auf den Laufstegen von , und wohl nicht beschreiben. Die Bilder - backstage fotografiert auf den Wochen in Paris und Mailand für die Herbst-/Wintermode 2010/2011 - dokumentieren scheinbar einheitlich das ursprüngliche Männerbild. Der Mann als rohe Naturgewalt, als Aggressor, der sich vielleicht angeschlagen, aber sexy über den Catwalk schleppt. Doch hinter den Schläger-Looks steckt nichts anderes als pflegende, dekorative Kosmetik, bei Dsquared2 etwa die des Beauty-Giganten Mac Cosmetics. Alles Fake also?

Männlich, vielleicht angeschlagen, aber sexy über den Catwalk

Männlich, vielleicht angeschlagen, aber sexy auf dem Catwalk.

Ja, natürlich. Wir befinden uns in der Kosmetik, der Welt des schönen Scheins. Und nein, alles andere als das.

Denn die malträtierten Visagen könnten nach vier Jahrzehnten Frauenbewegung endlich ein Stück progressiver Eman(n)zipation bedeuten. Es sind nämlich nicht die Jungs, die verkloppt werden. Es ist die gesellschaftlich konstruierte Vorstellung von Männlichkeit, die einen Fausthieb ins Gesicht bekommt, also das Klischee davon, was den Mann zum Mann macht.

"Seit Anbeginn der menschlichen Evolution ist die Fürsorge das zentrale Motiv des Mannes", sagt Hans-Jürgen Wielsch, Leiter der Beratungsstelle Männer gegen MännerGewalt in Hamburg (www.gewaltberatung.org). Er hält ein neues Verhältnis zur für eine wichtige Grundlage eines neuen Männerbildes. "Männlichkeit war lange Zeit die Idee des Jägers, des Kraftprotzes, der Frau und Familie versorgt. Fürsorge war so lediglich eine Eigenschaft, die der Mann anderen entgegenbrachte. Nie hat er gelernt, diesen Fürsorgeanspruch auch sich selbst zuzugestehen. Dabei besteht eine große Sehnsucht nach Wohlgefühl, nach Pflege und dadurch auch die Chance auf bessere Gesundheit."

Zugegeben, lange Zeit schienen sich Männer an überlieferte Rollenvorstellungen zu klammern. Die Frau dagegen, ehemals das "schwache" Geschlecht, löste sich von althergebrachten sexuellen und sozialen Mustern und ist heute auf bestem Weg zur selbstbestimmten Selbstständigen. Auf Grönemeyers Frage "Wann ist der Mann ein Mann?" gab es jedoch lange keine plausible Antwort. Lediglich irritiert war der Mann, weil die Frau seine Tätigkeitsbereiche mit übernahm, weil sich die Jobwelt veränderte und Muskelkraft - einst unentbehrlich in Bezug auf Nahrungsbeschaffung und Verteidigung des Lebensraums - nur in wenigen Branchen ihre Bedeutung behielt.

Ein Model für Dsquared2 auf dem Laufsteg

Ein Model für Dsquared2 auf dem Laufsteg.

Als Reaktion darauf entstand Anfang der Nullerjahre die von der Frau mitgestaltete neue Männlichkeit. Sie zeigte einen Kerl, der mit zur Kosmetikerin durfte und zum Yoga. Dabei sind es - auch nach neuen Umfragen – die alten Werte, welche die Frau am Mann so schätzt. Höchste Attraktivität des Mannes garantiert nach wie vor wirtschaftliche Potenz, auch ein muskulöser Körper steht hoch im Kurs. Die neuen Anforderungen einerseits, der Vorzug traditioneller Männerattribute andererseits - das verwirrt verständlicherweise. Gerade aber mithilfe eines neuen Körperverständnisses kann der Mann die für ihn so wichtigen Soft Skills trainieren. Hans-Jürgen Wielsch: "Die eigenen Emotionen sind das zentrale Thema männlicher Emanzipation. Noch definiert sich der Mann sehr stark über seinen Job. Die Strukturen in der Arbeitswelt werden jedoch immer komplexer und setzen die oft als frauentypisch bezeichneten Soft Skills voraus: Selbstbeobachtung, Teamfähigkeit, Flexibilität, Kommunikations- wie Konfliktfähigkeit. Die Fertigkeit, Gefühle wahrzunehmen und auszudrücken, ist deshalb Grundvoraussetzung für die Entwicklung einer emotionalen Intelligenz des Mannes."

Das veränderte Männerbild dreht sich demnach weiterhin um Fürsorge. Mit dem Unterschied, dass der Mann diesen Anspruch auch an sich selbst verwirklicht. Wenn wir die Bilder der Schein-Schläger betrachten, erkennen wir, dass es nicht um Gewalt geht, sondern um geschickte Tarnung. Die Pflege tut so, als ginge es um das, was Schürfwunden und blaue Augen nach sich ziehen. Das alte Bild des Rohlings entwickelt sich zu einem neuen Selbstverständnis: Er darf sich das erlauben. Er darf stark sein, manchmal auch nur halbstark, manchmal auch ganz schwach.

Diese Erkenntnis therapiert quasi das emotionslose, starre Bild des Indianers, der keinen Schmerz kennt. Spätestens seit den Selbstmorden von und erhält auch der Mann als Opfer eine stärkere, gesellschaftliche Aufmerksamkeit. Sich seiner eigenen Verletzlichkeit bewusst zu werden, herauszufinden, was da warum gerade schmerzt, zu entdecken, wie das wieder aufhört, wie man sich selbst etwas Gutes tun kann, den Mut aufzubringen, etwas für sich selbst zu tun, das Wohlbefinden zu steigern, ein Selbstbewusstsein zu entwickeln, sich flexibel gesellschaftlichen Notwendigkeiten anzupassen - das ist die neue Schlagkraft. Die Schlagkraft des modernen Mannes.

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