Jogi Löw - Fußball-WM

"Fußball, das ist Leben extrem"

Bundestrainer Jogi Löw im großen GalaMEN-Interview über starke Aha-Erlebnisse, den Erwartungsdruck in Deutschland, die Motivation junger WM-Spieler und seine sportliche Zukunft

Bundestrainer Jogi Löw

Bundestrainer Jogi Löw

Herr Löw, erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Fußball?
Ich weiß nur, dass ich vielleicht fünf oder sechs Jahre alt war, als bei den Nachbarn immer mittags Fußball gespielt wurde. Irgendwann durfte ich mitspielen. Der erste eigene Ball kam erst viel später.

Fußballschuhe haben Sie dann auch nicht gehabt, oder?
Nein. Wir haben häufig barfuß gespielt. Auf Sand, Rasenplätze waren damals selten.

Aua …
Es gab schon Schürfwunden, ja.

Waren Sie damals Fan eines bestimmten Spielers oder Teams?
Mein Idol war , weil er so extravagant war, auch in seiner Spielweise. Er hat ja extrem strategisch gespielt, das hat mir imponiert. Dass er auch neben dem Platz mit einer eigenen Meinung, mit eigenen Vorstellungen Konfl ikte ausgetragen hat, kam noch obendrauf.

Apropos Ball: Der WM-Ball gilt als rundester aller Zeiten. Welche Rolle spielt das im Spiel?
Der Ball ist perfekt und attraktiv. Sicher, die Torhüter werden darunter etwas leiden. Aber als Feldspieler hat man seinen Heidenspaß, wenn der Ball schneller wird, etwas mehr flattert. Doch letztlich wird es nicht spielentscheidend sein, die Torhüter hatten genug Zeit, sich darauf einzustellen.

Der Ball heißt "Jabulani", in der Bantu-Sprache der Zulu heißt das Feiern. War Ihnen nach Feiern zumute, als die Gruppenauslosung feststand?
Es war ein nachdenkliches Feiern. (lacht) Aber die Auslosung in Kapstadt war toll. Die Afrikaner, ihre Freude, ihr Optimismus. Alles war enorm farbenfroh - das zeigt den Lebensmut, die Lebensfreude der Afrikaner. Es ist ein Kontinent voller Probleme, aber die Menschen lassen sich von diesen Dingen nicht … wie soll ich sagen … zu sehr leiten.

WM-Auslosung - Deutschland ist in der Gruppe D.

WM-Auslosung - Deutschland ist in der Gruppe D.

In Deutschland existiert ein gewaltiger Erwartungsdruck. Der Tenor ist schon jetzt, die Vorrunde für gegessen zu erklären.
Ja, deswegen war ich ja auch nachdenklich. Weil ich die Gegner etwas besser kenne als der Fußballfan zu Hause oder einige Medien, die von Losglück gesprochen haben. Serbien hat zuletzt einen erfrischenden, technisch sehr hochstehenden Fußball gespielt. Und die Ghanaer sind physisch enorm stark. Die sind schnell, ausdauernd und kräftemäßig gut ausgebildet. Und da alle in Europa spielen, haben sie frühere Schwächen abgelegt, ihre Konzentrationsmängel, das Verspielte. Und was deren Motivation betrifft: Da gibt es kaum eine Steigerung. Die spielen zum ersten Mal auf ihrem Kontinent, die wollen es der gesamten Welt beweisen.

Waren Sie eigentlich früher schon in Afrika?
Mehrfach. In Tunesien, Marokko, Tansania, Gambia. In Südafrika nicht, aber inzwischen weiß ich, dass das Land, gerade unten um Kapstadt, sehr eindrucksvoll ist.

Einen guten Wein gibt es da auch.
Fantastischen Wein.

Abgesehen von dem berühmten Glas Rotwein und der berühmten Zigarette, die Sie zur Entspannung genießen - wie gehen Sie mit Erfolgsdruck um? Gibt es schlaflose Nächte, Gebete oder autogenes Training?
Es wird ja immer behauptet, während eines Turniers sei der Druck ganz besonders groß - aber das spüre ich nicht so sehr. Da bewege ich mich in meiner eigenen Welt. Man bereitet sich ja so vor, dass man das Gefühl hat, jetzt ist alles getan. Das gibt mir ein Gefühl von Sicherheit, von Stärke und Selbstbewusstsein. Ich kann unbewusst mit dem Druck umgehen, weil ich auf andere Dinge konzentriert bin.

Sie sind dann in einer Art Trance?
Ich bin konzentriert, viel Adrenalin pulsiert, alles ist fokussiert auf die Mannschaft, das Training, das nächste Spiel. Da ist wenig Kapazität, um darüber nachzudenken, was passieren könnte, wenn etwas schiefgehen würde. Danach hat man allerdings schon Schwierigkeiten: Wenn du von dieser Euphorie runterkommst, bist du leer und müde. Dann ist das Adrenalin weg, dann kommen vielleicht auch schlaflose Nächte. Aber so kurios sich das anhört: Wenn man durch eine Niederlage Schwächen aufgezeigt bekommt, ist das ein guter Ansatz, um Lösungen zu finden. Dann weiß man, woran man arbeiten muss.

Wirken Sie deshalb so cool? Und: Sind Sie es tatsächlich?
Manchmal.

Es ist das Herz, das gibt. Die Hände geben nur her. Afrikanische Weisheit.

Es ist das Herz, das gibt. Die Hände geben nur her. Afrikanische Weisheit.

Überlegen Sie sich eigentlich vorher, was Sie zum Länderspiel anziehen?
Nein, da ist kein Kalkül dahinter. Wir werden ausgestattet. Da habe ich in der Auswahl Einfluss, indem ich sage, ich möchte nicht unbedingt einen grünen Anzug, ich trage lieber Blau, auch mal Dunkelgrau. Aber mehr Gedanken mache ich mir da kaum. In einem Anzug sieht man nie richtig schlecht aus.

Zurück zum Thema Motivation. Bei der WM sind sehr junge Spieler dabei. Wenn die eine Pleite erleben, wie gehen Sie damit um?
Spieler mit wenig Erfahrung können durch eine Schlappe in ein Fahrwasser geraten, aus dem sie sich nur schwer befreien. Da ist der Trainer gefragt, er muss positive Ansätze finden. Die Spieler sind natürlich unterschiedlich, der eine braucht mehr Druck, der andere mehr Fürsorge, aber als Trainer kennt man die verschiedenen Charaktere.

Es fällt auf, dass Sie an Spielern festhalten, auch wenn sie in ein Formtief geraten. Ist das ein Motivationsmittel, ist das Sturheit oder sind Sie ein unverbesserlicher Optimist?
Es gibt verschiedene Kriterien. Zum einen die Leistungsfähigkeit, zum anderen das Entwicklungspotenzial. Aber dann, ich denke jetzt an Miroslav Klose, kommen auch charakterliche Eigenschaften hinzu. Oder allgemeine Werte: Spieler müssen zuverlässig, kommunikativ, tolerant, auch frusttolerant sein. Sie müssen sich auch in einer Gemeinschaft auf engem Raum über längere Zeit bewegen können, in der der Egoismus eines Einzelnen nicht angebracht ist. Solche Qualitäten gehen mit in die Bewertung ein.

Sind es denn Sie, der Diva-Allüren eines Spielers unterbindet? Oder sagt auch die Mannschaft zum Teamkameraden: Du, so nicht mit uns?
Das ist schon Gemeinschaftsarbeit. Der Trainer muss es erkennen, muss es ansprechen, aber die Mannschaft ist sensibel genug, um Eskapaden wieder ins Lot zu bringen.

Ist das heute einfacher? Spieler wie Günter Netzer oder Paul Breitner haben sich nicht bedingungslos dem Trainer untergeordnet …
Freiräume müssen wir auch heute jedem zugestehen. Zu meiner Zeit wurde mit einem enorm autoritären Stil geführt. Es gab Anweisungen, Ende der Diskussion. Das hat mich immer gestört. Wenn es keine Kommunikation gibt, dann werden, früher oder später, Dinge infrage gestellt. Heute ist das anders, die Generation will in die Verantwortung. Sie will wissen, wo sie steht, sie will Kritik, sie will Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt bekommen. Und ich habe festgestellt: Die höchste Form der Motivation ist die Eigenmotivation.

Wie schwer ist es, sich von äußeren Dingen zu befreien? Wenn etwa ein Spieler medial zum Popstar aufgebaut wird?
Die Verantwortung, beispielsweise ein übersteigertes Selbstbewusstsein auf die Erde zurückzuholen, liegt hauptsächlich bei den Vereinen. Da sind die Spieler jeden Tag. Aber bei der Nationalmannschaft ist es eine wichtige Aufgabe, junge Spieler einzubauen. Deren Dynamik und Energie versuchen wir positiv zu beeinflussen. Wir organisieren etwa Vorträge von Menschen, die in der Wirtschaft, im Sport oder in anderen Bereichen eine gewisse Lebenserfahrung haben. Dazu gehört auch, junge Spieler immer wieder daran zu erinnern: Der Weg ist lang, der Weg ist schwierig, der Weg ist sehr, sehr wechselhaft.

Nach dem Takt, den man trommelt, wird auch getanzt. Afrikanische Weisheit.

Afrikanische Weisheit: Nach dem Takt, den man trommelt, wird auch getanzt.

Fußball-WM 2010

Die heißeste WM aller Zeiten

WM: Christiano Ronaldo
WM: Iker Casillas
WM: Thierry Henry
WM: Alessandro Del Piero

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Sie klingen jetzt wie ein Erzieher …
Tja. (lacht) Das sind Zwanzigjährige, die nicht immer auf so eine Karriere vorbereitet werden. Plötzlich wird einer im Alter von 19 oder 20 Jahren durch zwei, drei gute Spiele in den Fokus von ganz Deutschland katapultiert. Dann kommen ein paar falsche Freunde. Dann kommt Geld ins Spiel. Dann mehr Geld. Damit kann ein junger Spieler nicht unbedingt umgehen. Da kann etwas Pädagogik nützlich sein.

Wie weit darf ein Nationalspieler in Interviews bei Ihnen gehen? Wir denken da an das Interview von Philipp Lahm während der Krise beim FC Bayern, das zu finanziellen Konsequenzen und einer Debatte um das Recht auf freie Meinungsäußerung geführt hat …
Ich glaube nicht, dass so etwas bei mir brutale Konsequenzen hätte. Beim ersten Mal sicherlich nicht. Man möchte ja von den Spielern, dass sie ihre Meinung äußern. Ich bin auch nicht der Trainer, der vom Spieler will, dass er jedes Wort auf die Goldwaage legt. Wobei einem Spieler klar sein muss, dass die Medien auf solche Dinge warten. Das hängt auch von den Hintergründen ab: Hat der Spieler vielleicht schon seinen Arbeitgeber intern angesprochen? Dann sagt er sich vielleicht, jetzt lasse ich meiner Emotion freien Lauf. Jeder bewegt sich da auf dünnem Eis. Ich erwarte kritische Spieler, ich erwarte aber auch respektvolle Spieler, die sich ihre Worte überlegen.

Wird vor dem Spiel bestimmt, wer nach dem Spiel etwas sagen darf?
Nein. Jeder, der angesprochen wird, kann etwas sagen. Unmittelbar nach einem Spiel wird nur entschieden, wer zur Pressekonferenz geht. Wenn Lukas Podolski zwei Tore geschossen oder Rene Adler zwei Elfmeter gehalten hat, sind sie natürlich gefragter als jemand, der zwanzig Minuten gespielt hat.

Wie wichtig ist für einen Spieler das Networking?
Ich glaube, das spielt keine Rolle.

Gar keine?
Nein. Wir sind eigentlich losgelöst von solchen Dingen. Es gibt immer wieder Trainer, die mir einen Spieler empfehlen, Medien, die versuchen, Spieler in die Nationalmannschaft rein- oder rauszuschreiben. Aber wir haben unsere Philosophie und prüfen, wer das entsprechende Anforderungsprofil besitzt. Gelegentlich schicken wir auch Unbekannte los, um mal ein Training in den Vereinen zu beobachten. Da kann man viel erkennen.

WM 2010

Stars im Fußball-Fieber

WM 2010: Gemeinsam schauen sich die spanische und die niederländische Königsfamilie das WM-Finale an.
WM 2010: Die spanische Königsfamilie hat mehr Grund zur Freude.
WM 2010: Prinzessin Máxima lässt sich die gute Laune nicht verderben.
WM 2010: Sylvie van der Vaart versucht die Mannschaft aufzumuntern.

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Uli Hoeneß hat eingewandt, die Berufung von in die Nationalelf käme zu früh ...
Da hat er auch nicht ganz unrecht. Aber ich habe natürlich im Vorfeld mit dem U21-Trainer und mit Bayern-Trainer van Gaal gesprochen. Auch mit Spielern von Bayern München, die mir bescheinigten, dass Thomas Müller enorm reif, ausgeglichen und down to earth sei. Das war für mich schon ein Zeichen. Denn andererseits gibt es auch Spieler, ich nenne jetzt mal Lionel Messi, die haben ihre Weltkarriere im Alter von 17, 18 Jahren begonnen. Die Frage ist, wie können sie ein Sternschnuppendasein verhindern, ihre Leistung über zehn Jahre halten? Das muss man dem Spieler klarmachen.

Was gibt man jungen Leuten mit, das über das Übliche - streng dich an, glaube an dich und so - hinausgeht?
Dass sie beispielsweise Konzentration lernen. Ich mache das Handy aus, ich lenke mich nicht ab, ich mache jetzt nur das.

Gilt das auch für die "Großen", kriegen die auch Hausaufgaben?
Hausaufgaben nicht. Wir versuchen aber, Bewusstsein zu schärfen. Ich unterscheide da zwischen dem Bundesligadurchschnitt und denen, die Weltmeister werden wollen. Wenn ich mit einem Beruf Besonderes erreichen will, muss ich mehr Zeit investieren. Vielleicht komme ich eine halbe Stunde früher zum Training, lasse andere Dinge weg.

Mit anderen Worten: Sie haben nichts zu tun, Sie delegieren nur.
(lacht)

Im Ernst: Wie sieht Ihr Alltag aus?
Das ist ein ständiger Prozess. Tagtäglich kommunizieren wir. Montag oder donnerstags, nach Champions League oder UEFA-Cup, ganz intensiv. Mit dem Konditionstrainer, mit dem Sportpsychologen. Das Thema wird immer wichtiger, weil die Spieler unter enormen Druck stehen. Dann gibt es natürlich repräsentative Dinge, Gespräche mit anderen Trainern, Gespräche mit Spielern, Reisen, DFB-Veranstaltungen, Entwicklungen, Ausbildung.

Wie wichtig ist Ihre eigene körperliche Fitness für Ihre Glaubwürdigkeit?
Als Trainer hat man eine Vorbildfunktion. Deswegen mache ich viel Sport. Aber auch, weil es mir guttut, hilft, um abzuschalten und neue Energie zu gewinnen. Trotz der kleinen Laster, die man so hat.

Spielen Sie noch mit Ihren alten Kumpels in Freiburg?
Ich bitte Sie, natürlich.

In der, Entschuldigung, Altherren-Mannschaft?
Klar. Aber schon mit etwas Tempo.

Woran sind Sie gewachsen in den letzten vier Jahren? Haben Sie Aha-Erlebnisse gehabt?
Für mich als Trainer war es gut, vom Vereinsfußball wegzugehen. Danach konnte ich vieles aus der Vogelperspektive betrachten, in andere Länder reisen. Da habe ich mich geöffnet. Ich lernte andere Mentalitäten kennen und besaß plötzlich neue Puzzlesteine, um das Bild fertigzustellen.

Fußball-WM 2010 in Südafrika.

Fußball-WM 2010 in Südafrika.

Sie waren im Ausland als Trainer durchaus erfolgreich. Mit dem Karlsruher SC haben Sie 1999 aber in 18 Spielen nur eines gewonnen und wurden entlassen. Wie sattelfest muss man sein, um nicht hinzuschmeißen?
Klar, einige Enttäuschungen in dem Geschäft muss man überwinden. Beim VfB Stuttgart bin ich ins kalte Wasser geschmissen worden, und dann wurde letztlich nach drei Jahren mit erfolgreichen Zeiten der Vertrag nicht verlängert. Das war für mich damals unverständlich, auch wahnsinnig enttäuschend. Wohl wissend, dass ich natürlich Fehler gemacht habe, aber ich war auch ein Neuling. Im Nachhinein muss ich zugeben, dass ich nicht immer den roten Faden hatte, der notwendig gewesen wäre. Kurz danach kam dann ein Angebot von Fenerbahce Istanbul, was ich mir anfangs gar nicht vorstellen konnte. Ich bin dann für ein Gespräch nach Istanbul geflogen und habe dort gesehen, was für eine unglaubliche Begeisterung dort für Fußball herrscht. Was lernt man daraus? Irgendwo geht immer eine Tür auf.

Bei der Nationalmannschaft war das noch extremer …
Ich war dann Trainer in Innsbruck. Wir wären in der Champions League gewesen, doch der Verein war bereits finanziell ruiniert. Es gab sogar Verhaftungen. Später ging ich zu Austria Wien und war dort ebenfalls Tabellenführer. Aber der Besitzer des Vereins wollte in dieser Phase, dass ich die Spieler auflaufen lasse, die er gekauft hatte, die mir aber leistungsgemäß nicht passten. Ich habe mich geweigert - also wurde ich entlassen. Ich war völlig demoralisiert.

Und dann ging wieder eine Tür auf?
Genau. Jürgen Klinsmann rief an und sagte: Ich habe ein Angebot vom DFB, ich möchte, dass du mein Co-Trainer wirst. Das hätte Jürgen nie gemacht, wenn ich noch einen Vertrag besessen hätte. Und heute bin ich Nationaltrainer.

Gab es viele Vorurteile, Neider, die sagen, der kann das doch nicht?
Aber sicher, das ist doch klar. Da wurde gern der Karlsruher SC aus dem Hut gezogen, logisch. Aber im Nachhinein war das auch wieder gut. Die Erfahrung, in 18 Spielen nur eins zu gewinnen, hat mich damals zwar schier zur Verzweiflung gebracht, aber eben auch auf Kommendes vorbereitet, abgehärtet.

Taugt der Fußball für Sie als Metapher für das Leben?
Fußball hat viel mit dem Leben, mit der Gesellschaft zu tun. Nur extremer.

Inwiefern?
Weil man im Wochenrhythmus beurteilt wird. Manchmal sogar im Dreitagerhythmus. Das beste Beispiel, auch eines der schönsten und schlimmsten Erlebnisse gleichzeitig, war die WM 2006. Gegen Argentinien gab es eine Sekunde, da hält Jens Lehmann den letzten Elfmeter, und alle sind im Glückstaumel: Wir stehen im Halbfinale. Mit größter Motivation geht es ins nächste Spiel, drei Tage später. Und dann kommt einer namens Grosso und haut uns in der letzten Minute einen in den Winkel. Und wir stürzen alle von der Euphoriewelle ins Tal der Tränen.

Fußball

Spielerfrauen: Kick-off für Team Sexy

1: Jaydy Michel, 34 und Rafael Marquez, 31.
3: Sara Carbonero, 25 und Iker Casillas, 29.
4: Alex Curran, 27 und Steven Gerrard, 29.
5: Menaye Donkor, 23 und Sulley Muntari, 25.

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Es gab vor Kurzem Hickhack zwischen dem DFB und dem Duo Löw/Bierhoff. Wie blenden Sie dieses Fußballtheater bei Ihrer Vorbereitung für die WM aus?
Grundsätzlich: Ich habe die Gabe, Nebensächlichkeiten völlig ausblenden zu können. Und für mich war dies unmittelbar nach der letzten Pressekonferenz zu diesem Thema eine Nebensächlichkeit. Denn wir reden hier über zwei völlig unterschiedliche Themen. Ich konzentriere mich auf die sportliche Vorbereitung der Mannschaft und auf eine gute Weltmeisterschaft. Da hat man keine Kapazitäten mehr, darüber nachzudenken, was wäre wenn, was lief falsch oder was hätte man anders machen können. Wir denken von morgens bis abends an diese Weltmeisterschaft.

Nun entscheidet sich erst nach der Weltmeisterschaft, ob Ihr Vertrag verlängert wird, respektive Sie ihn verlängern wollen. Ein Schwebezustand, der Sie beflflügelt?
Nein. Eine Weltmeisterschaft ist die höchste Veranstaltung, die es im Fußball gibt. Mehr Motivation gibt es nicht. Und an meinem Status hat sich eigentlich auch nichts verändert: Wir werden eine gute Weltmeisterschaft spielen, und anschließend wird man sich in Ruhe zusammensetzen und schauen, wie es weitergeht. Würden wir eine Katastrophen-WM spielen - was ich aber für ausgeschlossen halte -, würde mir auch das schönste Schriftstück nichts nützen.

Abgesehen davon - werden Sie eigentlich damit fertig, dass Sie als Chef weniger verdienen als die meisten Ihrer "Angestellten"?
Damit habe ich kein Problem.

Nicht?
Nein. Grundsätzlich bin ich mit meiner Bezahlung zufrieden. Mir geht es vor allem darum, Spaß zu haben, Dinge so umzusetzen, wie ich mir es vorstelle. Ich möchte da natürlich auch Rückendeckung. Aber das Thema -, das Blätterrauschen ist ja jetzt durch: Bitte haben Sie Verständnis, dass ich das nicht weiter ausbreite.

Kommen wir zu einer anderen Geräuschkulisse, den Stadien in Afrika. Wie bereiten Sie die Spieler auf den ohrenbetäubenden Lärm vor? Machen Sie Training unter Getöse?
Nein. Da muss sich jeder selbst darauf einstellen.

Einmal angenommen, Sie hätten die Teilnahme an der WM auf unfaire Art gewonnen, durch eine fehlerhafte Schiedsrichterentscheidung etwa. Hätten Sie die Reise angetreten?
Die hätte ich angetreten.

Ohne Wenn und Aber? Sie sind bekannt für Ihre Fairness …
Die hätte ich angetreten – ich müsste ja auch daheimbleiben, wenn wir durch eine fehlerhafte Entscheidung ausgeschieden wären. Das sind Tatsachenbeschlüsse. Die Emotionen im Fußball leben auch von Tatsachenentscheidungen und den Diskussionen darüber. Andererseits sage ich, dass Tor- und Hinter-Tor-Kameras kommen müssen. Aber so lange es die nicht gibt ...

Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich. Afrikanische Weisheit.

Afrikanische Weisheit: Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich.

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